Nepal: Everest-Trekking von Namche Bazar auf das Dach der Welt 10.10.2018 – 16.10.2018

10.10.2018 Namche Bazar (3.440 m) bis Pangboche (3.985 m)
Wolken bleiben zwischen den Bergen hängen…mystisch…

Ab Namche Bazar würden die Strecken, die wir am Tag wandern, kürzer werden. Wie wir dennoch in den nächsten Tagen herausfinden würden, bedeuten kürzere Tage nicht unbedingt, dass das Wandern leichter wird. Die Höhe mit weniger Sauerstoff fordert ihren Tribut.

Interessante Zapfen

Diese Nacht hatte ich besser geschlafen, es tauchten keine Symptome aufgrund der Höhe mehr auf. Nach dem Frühstück starteten wir nochmal zum gestrigen Everest-Viewpoint. Das bedeutete zwar einen Umweg und einige Höhenmeter mehr über einen zusätzlichen Gipfel mit steilem Anstieg, als den direkten Weg zu unserem heutigen Tagesziel Pangboche. Chris würde aufgrund seiner Erkrankung noch etwas in Namche bleiben, wir wollten aber gerne zumindest den Ausblick zusammen genießen. Im Everest View Hotel, nahe der 4.000 m Grenze, gönnten wir uns auf der Terrasse einen Tee. Das Hotel ist in dieser Bergwelt völlig deplatziert. Im Nirgendwo, inmitten schrecklicher Armut ein Luxushotel, in das sich die wohlhabenden Touristen per Helikopter einfliegen lassen. Mit Rollköfferchen ausgestattet und gestylt ein Foto vorm Mount Everest machen- „ich war hier“. Vom Land und der Umgebung bekommen solche Leute nichts mit, aber das wollen sie ja auch gar nicht. Das passt nicht in ihre heile Welt.
Der Himmel war nicht so klar wie am Vortag, wodurch wir leider keinen Blick auf den Mount Everest hatten, aber zumindest ab und zu auf Ama Dablam, der durch die Wolken blitzte. Wir verabschiedeten uns vorläufig von Chris und machten uns auf den Weg Richtung Phunki Thanga. Selfie mit Yak. Mundschutz aufgrund des extremen Staubs ist angebracht.

Als wir nach einiger Zeit auf die eigentliche Route stießen war es vorbei mit der Ruhe. Es waren sehr viele Touristen, insbesondere große Reisegruppen mit entsprechend vielen Sherpas, unterwegs. Obwohl wir dachten, wir wären langsam überholten wir alle, später sogar bergauf. Unsere Lunchpause verbrachten wir in Phunki Thanga. Ein leckerer Veggie-Burger mit toller Aussicht auf die Hängebrücke und die vorbeiziehenden Touristenströme.
Wahnsinn, was die Brücken aushalten. Ganze Yak-Herden mit Beladung laufen darüber.
Kontrollstation im Nationalpark

Weiter ging es bis Tengboche (3.860 m), wo wir uns einen leckeren Apple Crumble in der Bäckerei gönnten. Das dortige Kloster ist riesig und das spirituelles Zentrum des Sherpalandes. Gestärkt machten wir uns auf zum heutigen Tagesziel Pangboche. Die Lodge, in der wir aufgrund Empfehlungen anderer Reisender übernachten wollten, war leider ausgebucht. Zum Glück war in der gegenüberliegenden Everest View Lodge noch etwas frei. Dafür vertrieben wir die Sherpas aus dem Raum, sie mussten im Speisesaal schlafen. Wir befanden uns mittlerweile auf 3.900 Höhenmetern. Zur Akklimatisierung machten wir noch einen Spaziergang zum Kloster auf 4.000 m Höhe. Abstieg vom Kloster zurück nach Pangboche

Sobald die Sonne verschwand, wurde es eiskalt. Unsere Lodge hatte allerdings einen schön geheizten Gastraum und durch die vielen Gäste wurde der Raum noch etwas mehr aufgeheizt. Ab hier gab es dann für die nächsten Tage im Hochgebirge keine Waschgelegenheit mehr. Um vorzugreifen: Die nächste Dusche gab es erst zurück in Namche sechs Tage später. Auch Waschbecken gibt es nur selten. Fließendes Wasser hat man nur, wenn es möglich ist, aus einem nahe liegenden Fluss das Wasser abzuleiten. Es fließt dann meist aus einem Schlauch direkt auf das Grundstück, natürlich eiskalt. Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, mich mit eiskaltem Wasser zu waschen. Allerdings kommen hier in Nepal noch religiöse Bedenken dazu. So ist es nicht angebracht, sich an der Wasserstelle, die für jeden einsehbar ist, zu entblößen und zu waschen. Für Touristen, die sich Träger nehmen ist das kein so großes Problem, da diese häufig kiloweise Feuchttücher mitnehmen. Für uns keine Alternative, zum einen, weil ich es den Trägern nicht zumuten würde solche Luxusartikel auf den beschwerlichen Wegen herumzutragen, zum anderen, da alles vermüllt wird. Wie die Entsorgung der Tücher von Statten geht, das fragt keiner…
11.10.2018 Pangboche (3.985 m) bis Dingboche (4.410 m)

Morgens kamen wir aus der Lodge und uns erwartete ein phantastischer Blick, plötzlich war 360 Grad um uns herum ein atemberaubendes Bergpanorama.
Blick aus unserer Lodge

Aufgrund der Wolken am Vortag, hatten wir das nicht erahnen können. Ich realisierte das erste Mal wirklich, dass sich in Nepal das Dach der Welt befindet. Hier, hoch oben, inmitten des Himalayas, kommen der Reichtum und die wahre Schönheit des Landes erst richtig zum Vorschein. Die Gegend um den Mount Everest (Region Khumbu) im Sagarmatha Nationalpark ist weltweit bekannt für ihr grandioses Hochgebirgspanorama. Jetzt standen wir mittendrin, die gigantischen höchsten Berge der Welt zum Greifen nahe. Wir starteten langsam nach Dingboche (4.410 m). Es war eine sehr kurze Etappe, weniger als zwei Stunden, dafür aber wieder bergauf. Für mich war es mit Abstand das schönste Stück der bisherigen Tour. Mit 4.000 Höhenmetern haben wir endlich die Baumgrenze überschritten. Erst hier beginnt sich mein Herz so richtig zu öffnen, erst hier habe ich das Gefühl von Hochgebirge, was für mich neben der tatsächlichen Höhe eher mit freien Blicken auf Fels und Geröll verbunden ist. Wir liefen entlang eines wunderschönen Tals parallel zum Fluss mit atemberaubenden Bergen zu allen Seiten. Da wir wegen der Höhe sowieso nur langsam vorankamen, konnten wir die Umgebung umso mehr genießen.Debuche ist ein sehr schöner Ort. Wir checkten in der von dem Ägypter empfohlenen Himalayan Culture Home Lodge & Restaurant ein. Ein sehr guter Tipp! Und zufällig gab es hier eine French Bakery, der wir natürlich einen Besuch abstatten mussten. Zur Akklimatisierung stand nun noch der Aufstieg auf einen Berg an, zum Glück ohne Gepäck. Mein erster 5.000-er, der unaussprechliche Nangkartshang mit 5.040 Höhenmetern. Der Nangkartshang Peak ist quasi Dingboches Hausberg und für die Nepali nicht mehr als ein kleiner Hügel. Der Weg ist nicht besonders anspruchsvoll. Aufgrund der Höhe ist der recht steile Aufstieg aber ziemlich anstrengend. Gefühlt sind wir hinaufgeschlichen. Es war so anstrengend, dass die Frage bei mir aufkam, warum ich mir das antue, immer und immer wieder. Im oberen Teil wandelte sich die Landschaft. Der Grashügel wird zu einem Felsenungetüm. Auf den ersten Blick scheint es so, als würden uns noch ein paar Kletterstellen erwarten. Wir erreichen den Gipfel aber ganz problemlos ohne den Einsatz der Hände. Da wir spät dran waren und erst am Vormittag den Berg besteigen konnten, waren inzwischen Wolken aufgezogen. Der Gipfel war gigantisch und wir hatten das Glück allein oben zu sein.
Gipfelstürmer!

Alle anderen waren vor uns da, da sie bereits früh morgens gestartet sind. Sie kamen uns beim Aufstieg alle entgegen. Da der letzte zu Fuß erreichbare Gipfelabschnitt nicht weitläufig ist, wollte ich hier allerdings auch nicht mit den Massen stehen. Genießen und schöne Erinnerungsfotos machen ist dann sehr beschwerlich. Wir verweilten etwas auf dem Gipfel und plötzlich riss die Wolkendecke auf und wir hatten atemberaubende Aussichten, unbeschreiblich schön. Alle Giganten waren zu sehen: Cho Oyu (8.201 m), Pockhalde (5.806 m), Nuptse (7.861 m), Lohtse (8.516 m), Island-Peak (6.189 m), Makalu (8.481 m), Ombigaichan (6.340 m), Pama Dablam (6.430 m), Ama Dablam (6.856 m), Kyashar (6.769 m), Kangtega (6.779 m) Thamserku (6.606 m) und natürlich der Mount Everest (8.848 m).
Hello Mount Everest!
Erstaunlicherweise habe ich aber kein wirkliches Gipfelglück empfunden. Ich hatte sehr starke Kopfschmerzen und fühlte mich nicht wohl. Ich überlegte hier oben tatsächlich, nach Namche zurück zu gehen und mir etwas Erholung und Wellness zu gönnen, da ich befürchtete, dass es mir in den nächsten Tagen noch schlechter gehen würde, wenn ich in diesen Höhen bleibe. Der Gipfel konnte diese Gedanken nicht verdrängen, kein echtes Belohnungsgefühl kam auf.Der Abstieg war sehr steil und rutschig. Ohne Stöcke nicht wirklich zu empfehlen, die hatte ich natürlich in der Lodge gelassen. Die Wege, nicht nur hier auf dem Berg, sondern im ganzen Khumbu-Gebiet, sind sehr staubig. Mindestens 90 Prozent der Menschen tragen hier Atemschutz, um einer Staublunge vorzubeugen. Aufgrund des stetigen Windes wird der Staub immer wieder aufgewirbelt. Ständig hat man das Gefühl, auf Schmutz zu beißen und ein Peeling im Gesicht zu haben. Besonders toll, da es ja keine richtigen Waschmöglichkeiten mehr gab. Wieder unten angekommen und halb ausgehungert, genossen wir zum Lunch im Dorf eine Suppe, die konnte am Schnellsten serviert werden. Da ich weiterhin starke Kopfschmerzen hatte, legte ich mich etwas hin. Nach ein paar Kopfschmerztabletten ging es mir etwas besser. Abends war es in der Stube der Lodge sehr gemütlich und warm.
Typischer Gastraum einer Lodge

Chris hatte sich gemeldet, ihm ging es zum Glück wieder besser und zu unserer Überraschung war er bereits auf dem Weg zu uns. Das erleichterte uns doch sehr. Ich hatte mich etwas gefangen und beschloss, den nächsten Tag abzuwarten, je nachdem wie es mir geht zu entscheiden, ob ich weitergehe oder nicht. Das Risiko der Höhenkrankheit war sehr groß, da wir aufgrund der knappen Zeit keine Akklimatisierungstage eingelegt hatten.

12.10.2018 Dingboche (4.410 m) Akklimatisierung

Meine Kopfschmerzen waren am Morgen weg, trotzdem beschlossen wir zu bleiben und einen Tag Akklimatisierung einzulegen. Gesundheit geht einfach vor. In unserer Lodge lag gestern im Gastraum bereits ein englischer Tourist, der aufgrund starker Zahnschmerzen nicht weiter laufen konnte. Man ließ ihn im Gastraum liegen, damit man ihn im Auge behalten konnte. Heute Morgen war sein ganzer Kopf so angeschwollen, dass man dachte, er platzt gleich. Ärztliche Versorgung ist hier leider Mangelware und bis der Hubschrauber einen holen kann, vergeht offensichtlich einige Zeit. Ich möchte nicht wissen, was mit Einheimischen passiert, wenn ein Tourist schon zwei Tage auf den Helikopter warten muss. Mal ganz zu schweigen, von den Helikoptern, die die Luxustouristen für ein Foto in die Berge fliegen. Ver-rückte Welt.
Blick auf Dingboche

Das erste Mal erlebten wir einen Morgen mit Wolken. Es war sehr kalt, draußen alles gefroren. Wir liefen mit leichtem Gepäck nach Tchukun, nur fünf Kilometer aber aufgrund der Höhe brauchten wir über zwei Stunden. Erneut ein tolles Bergpanorama mit Ama Dablam (6.856 m) und Island-Peak (6.189 m).
Nach einer kurzen Teepause in Tchukun machten wir uns auf zum weiteren Aufstieg auf ein umliegendes Bergmassiv. Allerdings wurde das Wetter immer schlechter und wir hatten gar keine Sicht mehr.Zurück beim Lunch trafen wir ein Schweizer Ehepaar um die 50 Jahre alt, die gerade von ihrer Island-Peak-Besteigung zurückkamen. Sie waren ein Uhr nachts gestartet und mussten lange Strecken im Eis klettern. Wow! Unser voller Respekt!!!Zurück in Dingboche war Chris gerade angekommen. Was für ein Zufall, wir hatten nämlich keinen Internetkontakt mehr halten können. Und wer kam noch an: unsere Jeepbekanntschaft, die Koreanerin und der Kanadier. Ja, auch hier ist die Welt einfach klein. Zwei weitere Koreaner hatten sich Hyekyung und Simon angeschlossen. Zusammen aßen wir in der Bäckerei (ja, hier gab es neben der French Bakery noch zwei weitere) Apple Pie und spielten Karten. Eine sehr schöne gesellige Runde.
13.10.2018 Dingboche (4.410 m) nach Lobuche (4.940 m)

Los ging es sehr früh Richtung Lobuche. Chris wählte für sich eine andere Route, wir würden ihn daher in zwei Tagen wieder treffen. Tolles Wetter begleitete uns bei dem harter Aufstieg. Direkt hinter Dingboche ging es bergauf. Schon nach wenigen Minuten erreichten wir eine Hochebene. Hier verläuft der Weg zum Everest Base Camp – entsprechend voll wird es hier in den nächsten Stunden sein. Die unglaubliche Schönheit der Landschaft ist immer wieder beeindruckend. Auf der Thukla-Alm auf 4.620 Metern sind wir mit einigen anderen Trekkern. Liest man andere Reiseberichte, so erfährt man, dass es hier etwas später zugeht wie auf dem Gipfel der Zugspitze. Hunderte Trekker nutzen die Alm zum Rasten.Von der Thukla Alm ist es noch ein weiter steiniger Weg bis nach Lobuche mit weiteren steilen Aufstiegen.
„Sherpa-Friedhof“ oberhalb der Alm. Es ist in Wirklichkeit eine Gedenkstätte für am Mount Everest gebliebene Bergsteiger. Chörten aus Natursteinen erinnern mit Steintafeln an die Toten, die der Berg nicht mehr hergibt.
Scott Fischer (*1955; † 1996 am Mount Everest) war ein Extrembergsteiger und Unternehmer sowie der erste US-Amerikaner, der den 8.516 m hohen Lhotse bestieg, den vierthöchsten Berg der Welt. Seine Leiche liegt auf ca. 8.300 m auf dem Mount Everest.
Wir sind bereits am frühen Vormittag am Ziel in Lobuche und haben das erst Mal ein richtiges Problem mit der Unterkunft. Lobuche ist eine kleine Ansammlung von recht einfachen Lodges. Beeindruckend der Blick zum Nuptse (7.861 m). Am Ortseingang werden in einer Art Zollhäuschen die Unterkünfte zugeteilt. Da die großen Reisegruppen reservieren können, haben Individualreisende immer mehr Probleme irgendwo einen Schlafplatz zu finden. Ein paar Minuten vor uns war eine amerikanische Gruppe Individualreisender bereits da und konnte einen Lagerplatz für acht Personen ergattern. Da sie vier Männer und zwei Frauen waren, fragten sie uns, ob wir uns ihnen anschließen. Wir hatten sie bereits die letzten Tage mehrfach unterwegs getroffen und uns mit ihnen unterhalten. Es waren Schulfreunde, die mittlerweile weitläufig verstreut in den USA leben und sich zu gemeinsamen Urlauben weltweit treffen. Tolle Menschen. Unser Lager war unter dem Dach einer riesigen Lodge, eine große Matratze für uns alle, über Sauberkeit möchte ich nicht reden. Aber immerhin mussten wir nicht auf den Gängen schlafen, wie einige später ankommende Touristen.Nach einem gemeinsamen Lunch machten Bettina und ich uns noch einmal auf. Wir bestiegen einen direkt am Ort angrenzenden Berg, da es so viele hier gibt, haben nicht alle einen Namen. Der Berg hatte richtige Kletterabschnitte und es machte dadurch riesigen Spaß ihn zu besteigen. Oben angekommen, hatten wir einen phantastischen Blick auf die Gletscher und das Bergpanorama.Nach dem Abstieg setzten wir uns an unserer Unterkunft in die Sonne, so waren die Minustemperaturen gut auszuhalten. Sobald die Sonne verschwand, hieß es frieren. Trotzdem machten wir abends noch einen kleinen Spaziergang und erlebten einen überwältigenden Sonnenuntergang. Beim Abendessen war der riesige Speiseraum unserer Unterkunft sehr überfüllt, dafür war es immerhin warm.
Stromgeneratoren, Wasser, der deutsche Arbeitsschutz wäre begeistert…

14.10.2018 Lobuche (4.940 m) über Gorak Shep (5.150m) nach Dzonglha (4.843 m)

Die Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen. Zum einen aufgrund der schlechten Unterkunft mit acht Leuten in einem Zimmer und zum anderen sicherlich aufgrund der Höhe. In der Lodge war es nach dem Schlafengehen noch lange laut, da die Gäste, die auf dem Gang schlafen mussten dort abends noch ihren Schlafplatz aufbauten. Viele der Sherpas hatten draußen Zelte aufgeschlagen, in denen sie übernachteten. Bereits um 5.30 Uhr standen wir auf, da wir einen langen Tag vor uns hatten. Ziel war zunächst die Besteigung des Kalla Patthar bei Gorak Shep. Auch die Amerikaner standen mit auf, zwei von ihnen starteten direkt, um in Gorak Shep eine Unterkunft zu reservieren. Wir frühstückten noch schnell gegen sechs Uhr, bevor es 6.20 Uhr nach Gorak Shep ging. Die Rucksäcke ließen wir in der Lodge, da wir zurückkommen würden, um von Lobuche aus weiter nach Dzonglha zu gehen. Das Everest Base Camp strichen wir von unserer Liste. Aufgrund der knappen Zeit war es nicht mehr möglich, alle ursprünglich geplanten Highlights zu schaffen. Das Everest Base Camp findet man in der Trekkingsaison weitgehend verwaist vor, da das Zeitfenster für den Gipfelsturm im Mai außerhalb der Wandersaison liegt. Es gibt keine Möglichkeit zur Übernachtung für Individualtrekker, sodass man am selben Tag wieder nach Gorak Shep absteigen muss. Dass man den Mount Everest vom Basecamp gar nicht sehen kann, wissen viele gar nicht vorher! Daher ist das Base Camp auch nicht wirklich sehenswert. Man hat von dort kaum Aussicht, macht lediglich sein Foto an dem Schriftzug und kehrt um. Alle Trekker, die uns entgegenkamen und im Base Camp waren rieten uns davon ab und empfahlen, lieber etwas anderes zu machen, um eine schöne Aussicht zu haben und dem Massentourismus zu entgehen. Da die ganzen Touristenmassen als Ziel das Base Camp haben, trifft man dort auf Hunderte, die am Schriftzug anstehen. Das ist alles andere als das, was ursprünglich mal in meiner Vorstellung existiert hat. Es war eisig kalt. Bei vielen Wanderern war das Trinksystem eingefroren. Dafür hatten wir aber beste Sicht bei klarem Himmel. Anfangs ging es einen einfachen Weg leicht bergauf, später sehr herausfordernd auf und ab. Wir hatten tolle Blicke auf den Mount Everest, die Gletscher, das Base Camp, den Kalla Patthar… Leider hatte ich wieder starke Kopfschmerzen und extreme Übelkeit. Nach zwei Stunden und zwanzig Minuten erreichten wir Gorak Shep (5.150m). Diese Hochalm ist inzwischen eine kleine Lodge-Siedlung geworden und letzter Übernachtungsort vor dem Kala Patthar oder dem Everest-Base-Camp. Wir ließen uns in einer Lodge nieder und gönnten uns um neun Uhr morgens gebratene Nudeln. Wir hatten mega Hunger! Nach einer einstündigen Pause wurden die Kopfschmerzen immer noch nicht besser. Zwischenzeitlich hatte ich zwei Ibu 600, drei Paracetamol und zwei Höhenkrankheitstabletten eingenommen-keinerlei Wirkung. Trotzdem versuchte ich es mit dem Aufstieg auf den Kalla Patthar. Der Aussichtsberg erscheint zunächst als spitzer dunkler Hügel. Das er 5.643 m hoch ist, ist kaum vorstellbar.
Der braune Hügel ist der Kalla Patthar mit über 5.600 m, unglaublich!

Aufgrund der Höhe war jeder Schritt anstrengend und die starken Kopfschmerzen waren eine einzige Qual. Ich konnte kaum noch aus den Augen schauen. Bei 5.300 Metern traf ich endlich die Entscheidung, auf meinen Körper zu hören. Ich hatte das Gefühl ich bekomme einen Hirnschlag und falle gleich um. Das war es nun wirklich nicht wert. Immerhin…ich war auf 5.300 Metern Höhe! Höher als die Alpen und Dolomiten überhaupt sind.
Noch kurz Wasser aus dem Eis auffangen und filtern.
Auf 5.300 m Höhe am Kalla Patthar, Gorak Shep im Hintergrund.
Bettina ging weiter bis zum Gipfel, ich dreht um und stieg ab, um ein paar Höhenmeter noch hinunter zu kommen, was bei Höhenkrankheit wichtig ist, ging ich allein nach Lobuche zurück, immerhin knapp 400 Höhenmeter tiefer. An der Lodge wartete ich in der Sonne auf Bettina. Trotzdem war es sehr kalt und die Schmerzen wurden nicht besser. Zusammen gingen wir noch weiter nach Dzonglha (4.843 m), ich hatte mich mal wieder gegen den weiteren Abstieg entschieden. Trotz des sehr schönen und für unsere Verhältnisse einfachen Weges viel es mir unheimlich schwer zu laufen. Jeder Schritt pulsierte in meinem Kopf, die Übelkeit trug auch nicht zur Erleichterung bei. Trotz erneutem Tablettencocktail stellte sich keine Änderung ein. Eigentlich hätte ich high sein müssen. Vor dem letzten Aufstieg nach Dzonglha nahm Bettina mir einen Teil meines Gepäcks aus dem Rucksack ab. Kurze Zeit später kam uns Chris zufällig entgegen, der bereits in der Lodge eingecheckt hatte. Er nahm mir meinen Rucksack komplett ab, so war es tatsächlich einfacher für mich. Vielen Dank hierfür noch einmal!Auch in Dzonglha gab es kaum Schlafmöglichkeiten. Chris hatte ein Zwei-Bett- Zimmer organisiert, in das eine zusätzliche Matratze auf den Boden gelegt werden konnte. Immerhin hatten wir tatsächlich eine eigene Toilette auf dem Zimmer, natürlich ohne fließendes Wasser. Es war frostig kalt. Ich nahm nochmals Tabletten gegen Höhenkrankheit, es trat aber keine Änderung meines Zustandes ein.
Ganz Verrückte zelten hier mitten im Nichts.

15.10.2018 Dzonglha (4.843 m) nach Phunki Thanga (3.270 m)

Am Morgen waren die Kopfschmerzen ein wenig besser, die Übelkeit allerdings nicht. Es war so kalt, dass sogar das Wasser im Zimmer in unseren Flaschen gefroren war.
Unsere Lodge, nicht alle hatten das Glück noch einen Schlafplatz drinnen zu bekommen.

Ich beschloss vernünftigerweise endlich abzusteigen, die Gesundheit ging vor. Bettina und Chris gingen von Dzonglha über den Cho La Pass nach Gokyo und würden von dort nach Namche zurückkehren. Wir würden uns daher in lediglich zwei Tagen schon wieder treffen.
Eis, Eis, Eis…
Blick zurück auf Dzonglha, oberhalb der Gletscher.

Mit jedem Höhenmeter, den ich abstieg, fühlte ich mich besser. Auch ließ der physische Druck nach noch weiter aufsteigen und durchhalten zu müssen. So lief ich erleichtert weiter. Unterwegs traf ich tatsächlich einen Deutschen wieder, den wir bereits vor Tagen in Dingboche getrogffen hatten. Er hatte dort bereits sehr mit Symptomen der Höhenkrankheit zu kämpfen, engagierte sich einen Träger, da er sein Gepäck nicht mehr tragen konnte und entschied sich für den Abstieg. Jetzt stieg er wieder auf, hatte sich ein paar Tabletten besorgt und meinte, das würde genügen. Ob das tatsächlich vernünftig war, wagte ich zu bezweifeln, aber mit Unvernunft hatte ich es ja auch die letzten Tage zu tun.
Kurz verlaufen und das entdeckt: Erschreckend und traurig. In der Nähe der Thukla Alm, wo täglich hunderte Trekker Rast machen. Der Müll wird nicht aus den Bergen transportiert, sonder einfach hier entsorgt. Das Wildpferd fraß Plastik… Ich will nicht wissen, wieviele solche Plätze es noch gibt.

Es gab zwei Möglichkeiten Richtung Namche abzusteigen. Entweder über die Gipfel oder unterhalb am Berghang. Seltsamerweise gelangte ich versehentlich immer auf die oberen Wege, aber da es mir wieder besser ging, konnte ich das genießen und mich an der Aussicht erfreuen. So gab es bei meinem Abstieg doch noch einige steile Aufstiege.
Die Moosfäden an den Bäumen zeugen von absolut reiner Luft.

In Phunki Thanga entschied ich mich zu bleiben. Es war zwar erst 15 Uhr, aber ich war mir nicht sicher, ob ich problemlos am Abend eine Unterkunft in Namche finden würde. Außerdem war ich bereits acht Stunden unterwegs und hatte 21 Kilometer mit unzähligen Höhenmetern hinter mir. Die Unterkunft war sehr schön, direkt an der großen Hängebrücke. Ich bekam ein Doppelzimmer zur Einzelnutzung.
Blick auf Phunki Thanga mit meiner heutigen Lodge.
Blick aus meinem Zimmerfenster.

Da ich erst einmal etwas essen wollte, Mittag hatte ich nicht gemacht, wurde ich zusammen mit der Familie in deren Wohnzimmer gesetzt und wir aßen alle zusammen. Weitere Touristen kamen erst abends. Phunki Thanga wird hauptsächlich mittags von den Touristenströmen durchquert, gegen Nachmittag kehrt Ruhe ein. Wir waren hier ja auch bereits auf einen Mittagsstopp gewesen. Auf der andern Seite der Brücke bekam ich ab und zu ein Wlan-Signal von der Kontrollstelle zum Nationalpark, spazierte daher noch einmal dahin, um meinen Reisebegleitern mitteilen zu können, dass es mir gut geht. Beim Abendessen war es sehr lustig. Eine englischsprachige Gruppe feierte ihre Trekkingtour und animierte die ganze einheimische Familie zu tanzen. Sie spielten traditionelle Musik vom Handy und vor allem die Kinder hatten riesigen Spaß. Ein schöner Abend, mal ganz anders.
16.10.2018 Phunki Thanga (3.270 m) nach Namche Bazar (3.440 m)

Am Morgen habe ich mich viel besser gefühlt. Obwohl es hier einige Höhenmeter tiefer war, war draußen erneut alles gefroren. Ich ließ mir Zeit und startete erst gegen acht Uhr. Mich erwartete direkt ein krasser Aufstieg und ich war froh, dass ich diesen am letzten Tag nicht mehr gemacht hatte. Überraschend erreichte ich bereits um zehn Uhr Namche. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass ich erst durch Khumjung müsste, aber dem war gar nicht so. Ich checkte in der Panorama Lodge ein und gönnte mir das erste Mal Luxus in den Bergen. Ein eigenes Bad im Zimmer mit heißer Dusche, richtiger Toilette und beheizten Betten. Herrlich! Ich hatte keine Ahnung, was das kosten sollte, aber das war mir egal, ich brauchte das jetzt, immerhin hatte ich ja auch irgendwie Urlaub. Ich schlenderte ins Zentrum ein wenig shoppen (ein frisches Shirt und Socken-riesige Freude!) und ließ mich natürlich noch einmal in der deutschen Bäckerei nieder. Zurück im Hotel gab es erst einmal eine heiße Dusche und anschließend kuschelte ich mich ins Bett. Draußen war es am späten Mittag wieder zugezogen und daher sehr kalt. Das Bett verließ ich nur zum Abendessen. Wirklich eine sehr schöne Hotel-Lodge, familiär geführt, alle sehr nett und zuvorkommend.
Namche Bazar bei Nacht.

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