Nepal: Namche Bazar-Das Dach der Welt vor Augen 09.10.2018

Da wir mittlerweile auf über 3.400 Höhenmetern angelangt waren, wurde es höchste Zeit für einen Akklimatisationstag. Der Körper muss sich an die geringere Sauerstoffzufuhr in großen Höhen erst gewöhnen. AMS (Acute Mountain Sickness) bzw. Höhenkrankheit ist ein ernst zu nehmendes Thema, wie ich später trotz allem noch zu spüren bekommen sollte. Günstig wirkt sich die Regel „go high sleep low“ aus, d.h. wenn möglich tagsüber höher aufsteigen als die Schlafhöhe am Abend. Man sollte auch nur noch 300-500 Höhenmeter pro Tag aufsteigen. Da wir durch die zusätzliche Strecke der letzten Tage allerdings Zeit „verloren“ hatten, konnten wir uns nicht immer an diese Vorgaben halten. Außerdem sollte man auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Nicht nur schweißtreibende Aufstiege kosten Flüssigkeit, auch über die Atemluft verliert man durch die erhöhte Frequenz und trockene Gebirgsluft erheblich Flüssigkeit.

Die Sonne kommt über die Berge bei Namche Bazar 🙂

Die erste Nacht in dieser Höhe war nicht sehr erholsam. Tagsüber merkte ich keine Veränderung, nachts allerdings begann das Herz zu rasen, die Lunge zu pumpen. Hier hilft nur, Ruhe bewahren, liegen bleiben und abwarten. Irgendwann schlief ich dann doch ein.

Der Blick auf Namche Bazar ist einfach wunderschön.

Überall buddhistische Gebetsfahnen inmitten der Natur.
Namche Bazar im „Bergkessel“.

Bettina und ich nutzen den Tag, um endlich den ersten Blick auf den Mount Everest zu werfen. Um Namche Bazar gibt es viele Aussichtspunkte auf den höchsten Berg der Welt. Das Wandern mit leichtem Rucksack war eine Wohltat. Trotz der steilen Aufstiege und der dünnen Luft hatte ich das Gefühl fliegen zu können.

Wir wanderten nach Khumjung (3.780 m) über Khunde auf einen über 4.000 Meter hohen Berg. Hier gibt es so viele davon, dass gar nicht alle Namen haben bzw. die Namen nicht auf Karten registriert sind. Das Wetter war auf unserer Seite, strahlend blauer Himmel und bester Blick auf die weit über 7.000/8.000 Meter hohen Berge um uns herum. Selbst die Sherpa/Träger, die uns auf dem Weg begegneten zückten ihr Handy und machten Fotos vor Begeisterung. Tatsächlich hatten wir später in Namche Bazar (den kommenden Tag und auf dem Rückweg) nicht wieder so einen klaren Blick in Richtung Mount Everest.

Unglaublich…wir haben den Mount Everest im Blickfeld!
Rechts Ama Dablam, im Hintergrund schneebedeckt Mount Everest.

Am beeindrucktesten für mich war allerdings der Blick auf Ama Dablam (6.812m), meines Erachtens der schönste Berg der Khumburegion. Die Ausblicke waren grandios und wir konnten kaum aufhören Fotos zu machen. Am Everest View Point legten wir daher auch noch ein Fotoshooting für Bettinas Schmucklabel FJELLA ein.

In Khumjung, einem idyllischen Ort, fanden wir erneut eine westliche Bäckerei und gönnten uns bereits gegen 10 Uhr Kaffee und Kuchen. Wir waren die einzigen Touristen um diese Uhrzeit und genossen die Ruhe. Der Café-Besitzer erzählte uns, dass die Touristen erst gegen Mittag/Nachmittag eintreffen, wenn sie auf ihren Wanderungen durch den Ort kommen. In Khumjung selbst übernachten aufgrund der Nähe zu Namche Bazar nur Wenige. Daher ein Tipp für diejenigen, die der unwirklichen Welt in Namche entfliehen wollen.

Blick über eine Stupa auf Ama Dablam und Mount Everest.
Happy!!!
Blick auf Khumjung
Abstieg vom Everest View Point nach Khumjung.

Nach der Stärkung machten wir uns auf den Weg zum Aufstieg auf 4.100 Höhenmeter, um unsere Körper zu akklimatisieren. Wir suchten uns einfach irgendeinen der vielen umliegenden Berge aus, Hauptsache hoch. Der Aufstieg war extrem steil und der anfänglich noch vorhandene Weg endete im Dickicht. Ja, auf diesen Höhen gibt es tatsächlich noch Bäume und Sträucher. Für mich immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Baumgrenzen sind. Wir kletterten, teils auf allen Vieren trotzdem weiter, suchten uns unseren eigenen Weg und machten kurz vor dem Gipfel Halt um eine ausgiebige Pause auf immerhin 4.100 Metern einzulegen. Leider waren zwischenzeitlich Wolken aufgezogen, trotzdem war der Ausblick beeindruckend. Zum Gipfel stiegen wir aufgrund des unwegsamen Geländes nicht weiter auf.

Blick von unserem Rastplatz auf 4.100 Höhenmetern.

Der Abstieg war gefühlt noch steiler, aber wir kamen sicher wieder unten an. Der Rückweg nach Namche über Khunde war ebenfalls steil, extrem viele Treppen ging es bergab. Wir waren froh, dass wir den Rundweg nicht anders herum gewählt hatten. Gegen 14 Uhr waren wir zurück in Namche und gingen Pizza essen. Zufällig dient das Restaurant auch als Kino und täglich werden Filme über Expeditionen zum Mount Everest Gipfel gezeigt. Sehr interessant! Abends gönnte ich mir eine heiße Dusche in der Lodge, gibt es nicht überall und muss extra gezahlt werden, auch voraussichtlich die letzte Möglichkeit für die nächsten Tage bzw. fast Wochen, die Haare zu waschen…

Versorgungsflugplatz hoch über Namche Bazar
In Namche auf dieser Höhe letztmalig Esel als Transporttiere.

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