Teide-Nationalpark: Es muss nicht immer der Gipfel sein März 2018

Mein großes Ziel für den Teneriffa Urlaub war eigentlich die Besteigung des Teide, dem höchsten Berg Spaniens mit 3718 Metern Höhe. Die meisten Urlauber nutzen die Seilbahn, die auf einer Höhe von ca. 2000 Metern startet und einen auf 3555 Meter hinauf bringt. Nach einer kurzen Wanderung hat man Blick auf die anderen kanarischen Inseln, Gran Canaria, La Gomera, El Hierro, La Palma!
Um den Gipfel besteigen zu können, benötigt man eine Genehmigung der Nationalparkverwaltung. Diese hatte ich bereits vor Wochen online erworben. Aber natürlich wollte ich nicht die Seilbahn nutzen, sondern bereits ab 2000 Meter zu Fuß aufsteigen. Hier gibt es an der Straße TF21 einen Parkplatz, von dem ein entsprechender Wanderweg über die Schutzhütte »Refugio di Altavista« auf 3260 Metern führt. Ich fuhr am frühen Morgen in den Nationalpark, in der Hoffnung, dass er wieder die Wanderwege geöffnet hatte. Bis zum 2.3. waren sie aufgrund des schlechten Wetters immer noch geschlossen, auch die Seilbahn fuhr seit Tagen nicht. Da ich mein Ticket für dem 3.3. erworben hatte, machte ich mich auf den Weg. Allein die Fahrt in den Nationalpark war schon eine tolle Panoramafahrt, viele Serpentinen, aber das kann ich ja jetzt…

Früh am Morgen zu fahren hat den Vorteil, dass man fast alleine auf der Straße ist, allerdings den Nachteil, dass die Straße oft noch nicht geräumt ist und man einige Steine, die in der Nacht bei Regen auf die Straße gefallen sind umfahren oder selbst zur Seite schieben muss. Zum Glück waren keine großen Felsen dabei, die die Straße ganz blockierten.

Mein treuer Begleiter

Im Nationalpark angekommen: statt Sonne nur noch Nebel, auf 2000 Metern Höhe üblich. Temperatur war mittlerweile bei null Grad.

Riesige Lavafelder

Am Parkplatz angekommen machte ich mich schnell an den Aufstieg. Der Weg ist anfangs gut ausgebaut, lediglich bei ein paar Geröll-Feldern war die Wegfindung mühsam. Was wahrscheinlich aber auch an den großen Schneefeldern lag, durch die ich stapfte musste. Nach ca. 2,5 Kilometern wurde der Weg schmaler und steiler. Zu sehen gab es außer Nebel kaum etwas. Dazu starker Regen und Wind. Ich war schnell durchnässt, innen vom Schwitzen, außen vom Regen. Und das bei ca. -5 Grad. Nach 1000 Höhenmetern kam mir eine Angestellte des Refugiums entgegen, mit voller Eisausrüstung, Pickel etc. Sie sagte mir, dass ich nicht weiter aufsteigen könne, da bereits vor der Hütte große Eisfelder seien, die man keinesfalls überwinden kann. Außerdem sei das Refugium geschlossen, der Teide sowieso. Na toll! Solche Strapazen und dann kein Erfolgserlebnis. Ich machte kurz Pause und machte mich an den Abstieg.

Da dieser nicht so anstrengend war, kühlte ich schnell aus. Teilweise versuchte ich mich in Trailrunning, um der Kälte zu entgehen. Sicht weiterhin null…

Die einzige kurze Aussicht beim Abstieg für ein paar Sekunden…

Am Parkplatz zurück brauchte ich ein paar Minuten bis ich es schaffte, den Autoschlüssel halten und das Auto öffnen zu können. Etwas unterkühlt verließ ich auf kürzestem Wege den Park. Keine Lust, noch woanders hinzufahren. Aber die Fahrt war, zumindest als das Zittern aufhörte, wieder sehr schön zum Genießen.

Nach einer heißen Dusche im Hotel ging es dann auch wieder. Wer weiß, ich habe ja noch ein paar Tage hier, das Wetter soll sich bessern und vielleicht kann ich einen zweiten Versuch starten…Auch wenn ich dann keine Erlaubnis für den Gipfel haben werde.

Endlich der Teide zu sehen

Tatsächlich machte ich mich vier Tage später noch einmal auf in den Nationalpark. Dieses mal bei strahlendem Sonnenschein. Ich hatte mich allerdings für zwei andere Wanderungen entschieden, die man miteinander kombinieren kann. Zum einen die Wanderung um die Roques de Garcia auf ca. 2200 Höhenmetern, zum anderen die Besteigung des Pico Viejo, dem Nachbarvulkan, auch genannt der kleine Bruder des Teide mit 3135 Metern Höhe. Die erste Hälfte des Rundwegs um die Roques de Garcia war ein leichter Spaziergang. Ca. 1,5 Kilometer lang. Ich machte ein paar Abstecher auf die Steine selbst. Ob es erlaubt war da hochzuklettern weiß ich nicht. Aber so früh morgens waren kaum andere Wanderer unterwegs. Wirklich sehr interessante Felsformationen.

Wahrzeichen Roques Cinchado aus vulkanischem Gestein

Nach der ersten Hälfte des Rundwegs zweigt der Wanderweg zum Pico Viejo ab. Zunächst allmählich bergauf und gut ausgezeichnet, ändert sich das nach einiger Zeit.

Zum Teil sehr steil, sehr rutschig aufgrund lockerer Lavasteine und Lavasand. Zweimal verlor ich den Weg komplett und irrte quer durch die Lavafelder. Allerdings hat man unterwegs tolle Ausblicke auf den rauchenden Teide und die bizarre Landschaft überall um einen herum.

Schwefelwolke über dem Vulkan

Ich fand es sehr erstaunlich, wieviel Schnee in diesen vier Tagen abgeschmolzen war. Die Spitze des Teide war kaum noch weis. Die Sonne brannte, der Wind wehte mich fast ein paar Mal um und als ich auf über 3000 Kilometern Höhe meine Finger vor Kälte nicht mehr spürte, hatte ich plötzlich keine Lust mehr.

Über den Wolken…

Über 2,5 Stunden war ich schon bergauf unterwegs. Das Ziel vor mir in Sicht, vielleicht noch 30 Minuten. Und dann: entschieden abzusteigen. Warum weiter quälen, wenn ich ja doch keinen Bock habe. Außerdem musste ich ja auch noch ein paar Stunden zurück, bis ich wieder beim Auto war. Egal, es fühlte sich gut an umzukehren und aufgrund des rutschigen Untergrundes benötigte ich auch einige Zeit.

Blick auf die Roques de Garcia-plötzlich so klein…

Nach knapp über 2 Stunden war ich wieder bei dem Rundweg der Roques de Garcia angelangt und nahm zurück die andere Hälfte, ebenfalls ca. 1,5 Kilometer.

Hier dann die Überraschung: nach der ersten Hälfte des Spazierweges ging es jetzt bergauf und bergab, steil, teilweise fast Kletterpartien. Hier hingen sie nun, die Touristen in ihren tollen Sneakers ohne Profil, auf dem Po, abgekämpft zwischen den Felsen. Bei manchen hatte ich große Bedenken, ob sie da je wieder heraus kommen würden.

Wahrscheinlich haben sie versehentlich diesen Rundweg gewählt, es gibt auch eine leichte kürzere Variante, oder sie litten tatsächlich alle an Selbstüberschätzung. Zur Verteidigung der Touristen muss ich allerdings sagen, dass die Schwierigkeitsstufen der Wanderungen auf keinen Wegweisern im Park angegeben sind und in Reiseführern und im Internet heruntergespielt werden.

So steht in meinem Reiseführer, dass man diese große Tour, mit Besteigung des Pico Viejo mal eben am Vormittag machen könne, anschließend noch die Gipfelbesteigung des Teide (immerhin mit Zurhilfenahme der Seilbahn) und nachmittags noch ein paar Wanderungen im nördlichen Teil des Parks, um dann abends in einer Stadt im Norden Teneriffas zu bummeln und zu essen. Dann solle man bequem über die Autobahn wieder in den Süden zurück fahren. Abgesehen von den Strapazen der Wanderungen mit tausenden Höhenmetern kämen dann noch 200 Kilometer Autofahrt hinzu, teilweise viele Serpentinen, bei denen man nur langsam vorankommt. Na herzlichen Glückwunsch Superman…

Ich war auch erschrocken über die Touristenmassen am frühen Nachmittag. Morgens war ich fast allein, auf dem Weg zum Pico Viejo sowieso und nun überall Massen an Menschen. Also besser früh morgens in den Park fahren. Übrigens war die Gipfelbesteigung des Teide weiterhin nicht erlaubt und auch die Seilbahn war nicht in Betrieb.

Farbenvielfalt
Belohnung am Abend

Ein Gedanke zu “Teide-Nationalpark: Es muss nicht immer der Gipfel sein März 2018

  1. Liebe Peggy, du hast ja viel erlebt in deinem Urlaub. Ich freue mich, dass du so viel von der Insel gesehen hast. Wir waren auch schon dort, aber haben Teneriffa nicht so aktiv erlebt wie du. Berg steigen war da nicht dabei. Ich wünsche dir eine gute Rückreise heute . Viele liebe Grüße, Mutti

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