Rennsteig: Blankenstein bis Steinbach am Wald 29 km – Wanderwege in der Heimat erkunden 19.-20.05.2017

Nachdem ich so lange am anderen Ende der Welt wandern war, sollen in diesem Jahr nur noch ein paar Wanderungen in Deutschland stattfinden. Meines Erachtens erkunden wir unsere Heimat viel zu wenig, dabei hat gerade Deutschland so vielfältige und schöne Natur zu bieten.

Start an der Selbitzbrücke in Blankenstein

In den letzten Jahren habe ich bereits die Fernwanderwege Rothaarsteig („Weg der Sinne“; von Brilon nach Dillenburg, 154 km Länge, 3.931 Höhenmeter), den Rheinsteig („Wandern auf hohem Niveau“; von Wiesbaden nach Bonn, 320 km Länge, 11.700 Höhenmeter) und den Malerweg („König aller Wanderwege“; Rundwanderweg von/bis Pirna, 112 km Länge, 4.000 Höhenmeter) erkundet. In diesem Jahr soll es der Rennsteig („Historischer Rennweg“; von Blankenstein bis Eisenach, 168 km, 2.350 Höhenmeter) sein. Immerhin in meiner Heimat Thüringen.

Teile des Weges bin ich seit meiner frühen Kindheit immer einmal wieder bei Tagesausflügen gelaufen, doch einmal komplett wandern möchte ich ihn unbedingt. Am Stück werde ich es zeitlich nicht schaffen, aber an ein paar verlängerten Wochenenden sollte es machbar sein. Mein ursprünglicher Plan war von Eisenach nach Blankenstein zu laufen. Allerdings fand an dem von mir ausgesuchten Wochenende der Rennsteiglauf, ein riesiges Ereignis mit Halbmarathon, Marathon und Ultramarathon statt, das bedeutete viel los auf dem Weg, keine Ruhe und Abgeschiedenheit. Und genau das möchte ich ja beim Wandern haben, also entschied ich mich „anders herum“ zu laufen. Da meine Eltern auch gerne wandern, schlossen sie sich für zwei kleine Etappen an. So startete mein Rennsteig – Teil 1 in Blankenstein.

Der Steinerne Wanderer

Größte Schwierigkeit ist es, zu den Etappen an- und abzureisen. Zwar berührt der Rennsteig Ortschaften, allerdings eher kleinere, in denen mit Glück noch zweimal am Tag ein Schulbus fährt, also öffentliche Verkehrsmittel sehr rar sind. Wir fuhren daher für unsere vorgesehene Strecke nach Saalfeld, parkten dort das Auto um mit dem Zug zum Startpunkt nach Blankenstein zu fahren, wo wir erst gegen 10.30 Uhr mit der Wanderung starten konnten.

Bei der Abfahrt hatten wir sehr schlechtes Wetter, Gewitter, starke Regenfälle. Glücklicherweise schien jedoch in Blankenstein die Sonne. Herrlich! Wir machten uns zur Wanderung auf und zu unserer Überraschung gab es wenig Wald. Daher hatten wir schöne Weitblicke, mühten uns aber teilweise in der Hitze bergauf ziemlich ab.

Nach den ersten 3,4 Kilometern mussten erste Blasen versorgt werden, glücklicherweise einmal nicht an meinen Füßen. Der Weg war sehr abgeschieden und nur selten begegneten wir anderen Wanderern. 

An dem ersten und einzigen Imbiss, in Rodacherbrunn, unterhielten wir uns eine zeitlang mit der Besitzerin. Sie erzählte uns, dass auf diesem Abschnitt des Rennsteigs nur noch wenige Wanderer unterwegs seien.

In dem Gebiet gibt es selbst für die Einheimischen wenig Infrastruktur, keine Busse, keine Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten weit entfernt. Auch sie selbst versucht den Imbiss zu verkaufen, daher wird diese nette Einkehrmöglichkeit wohl auch bald verschwinden.

Während wir uns dort aufhielten, holte uns das Unwetter ein. Als es leicht zu regnen begann und wir den Donner in der Ferne schon hören konnten, beschlossen wir, nicht mehr bis Steinbach zu laufen, sondern unser Hotel dort zu stornieren und in nächster Umgebung eine Pension zu finden. Auch das nicht einfach, zunächst wegen dem schwachen Angebot als auch dem sehr schlechten Telefon- und Internetempfang. Wir hatten jedoch Glück und konnten im Rennsteighaus in Brennersgrün noch ein Zimmer reservieren. Der Betreiber bietet einen kostenfreien Transport zur Pizzeria in Grumbach an, damit auch für das abendliche leibliche Wohl gesorgt wird. Kurz nach dem wir wieder zur Wanderung aufbrachen, erreichte uns das Unwetter heftig. Gewitter, starke Regenfälle und dann auch noch Hagel. Der Wanderweg und auch die kreuzenden Straßen waren innerhalb von wenigen Minuten zu Flüssen geworden.

Es gießt wie aus Kannen…

Wie wir später hörten, gab es im Umkreis riesige Überschwemmungen. Bis auf die Unterhose durchnässt kehrten wir direkt in der Pizzeria ein, da sie vor der Unterkunft lag. Wirklich sehr empfehlenswert! Netter Besitzer und sehr gute Pizza.

Was für eine Belohnung für müde Wanderer!
Idyllische verschlafene Ortschaften mit viel Schiefer, welches hier abgebaut wurde.

Auch der anschließende Transport zur Unterkunft klappte hervorragend. Hier nahmen wir alle Heizungen in Anspruch um unsere Kleidung zu trocknen.

Nach einem guten Frühstück ging es dann am nächsten Morgen weiter nach Steinbach. Wir hatten beschlossen, nur eine kurze Etappe zu laufen, da wir von Steinbach direkt mit dem Zug wieder nach Saalfeld fahren konnten.

Die Etappe verlief größtenteils im Wald, entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Dieses Stück kann erst wieder seit der Wende gelaufen werden, da 14 Kilometer auf Bayrischem Gebiet verlaufen.

Beeindruckende Buchen

Grenze Thüringen Bayern

Es war aber nicht nur diese Grenze interessant, sondern auch die noch viel älteren Grenzsteine, teilweise 500 Jahre alt.

500 Jahre alter Grenzstein
Der Weg ist sehr gut markiert

Vorbei an einem Skigebiet gelangt man nach Steinbach am Wald. Die erste Möglichkeit seinen Proviant aufzufüllen.

Wir besichtigten das Städtchen und fuhren nach einem ausgedehnten Picknick mit dem Zug nach Saalfeld (auch die Züge hier fahren nur ein paar Mal am Tag).

Der groß angepriesene Obelisk in Steinbach befindet sich im Kreisverkehr, schön ist anders…

Da wir schon in Saalfeld waren, schauten wir uns auch diese Stadt an. Der historische Stadtkern mit der riesigen Kirche und den aufwendig gestalteten Fassaden ist wunderschön, allerdings alles darum herum nicht wirklich ansprechend.


Ein schöner Ausflug und obwohl wir nur zwei Tage unterwegs waren, kam es uns länger vor. Schöne Auszeit!


2 Gedanken zu “Rennsteig: Blankenstein bis Steinbach am Wald 29 km – Wanderwege in der Heimat erkunden 19.-20.05.2017

  1. Liebe Peggy, uns hat es auch sehr gut gefallen, ein paar Tage auf Schusters Rappen mit dir zu verbringen.
    Man sollte als Thüringer wenigstens ein mal den Rennsteig entlang gewandert sein. Deshalb werden wir versuchen, dass in diesem oder nächsten Jahr zu schaffen.Danke für die schöne Zeit.

    Mutti und Vati

    Gefällt 1 Person

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