​Bali: Sanur – Ogoh-Ogoh-Parade und Hausarrest an Nyepi (Neujahr, Tag der Stille) 27.3.-28.3.2017

Nachdem ich bereits die Melasti-Zeremonie (3 Tage vor Nyepi) miterleben konnte, war ich gespannt auf Tawur Kesanga (Tag vor Nyepi), an dem abends die Ogoh-Ogoh-Paraden stattfinden würden. Bereits während des ganzen Tages herrschte eine besondere Stimmung in Sanur. Die Kinder und Jugendlichen schienen aufgeregt, erste Figuren für den Umzug wurden auf die Straßen gebracht. Fast alle Geschäfte und Restaurants schlossen bereits mittags oder nachmittags. Eigentlich ähnlich wie Silvester bei uns. Überrascht war ich allerdings, dass aich die Geldautomaten abgestellt waren. Damit hatte ich nicht gerechnet. Zum Glück kam ich mit meinem Bargeld noch aus und würde vor meiner Abreise auf die Gili-Inseln auch noch genug Zeit haben, Geld zu besorgen (dort gibt es nicht überall Geldautomaten und die vorhandenen sind nicht immer zuverlässig).

Die Millionen sind schnell ausgegeben…

Hintergrund der Umzüge an diesem Tag ist die Durchführung einer Exorzismus-Zeremonie. An der Hauptstrasse der jeweiligen Dörfer (dem gedachten Treffpunkt der Dämonen) werden karnevalsähnliche Umzüge veranstaltet. Dabei werden Ogoh-Ogoh genannte riesige Figuren mitgeführt, welche alle bösen Geister symbolisieren. 

Noch viel mehr Opfergaben vor den Hauseingängen an diesem Tag

In touristischen Regionen sind diese Geister auch entsprechend beeinflusst. So führte einer beispielsweise einen Handystick bei sich. Die nähere Bedeutung lasse ich mal dahingestellt sein…Sinn der Zeremonie ist die Verbannung aller bösen Geister aus den Dörfern und dem Leben der gläubigen Balinesen, um so wieder ein Gleichgewicht zwischen den Göttern, den Menschen und der Natur herzustellen. Der Umzug in Sanur begann 19.50 Uhr und war sehr beeindruckend. Die teils mehrere Meter hohen Gestalten wurden ganz unbalinesisch nicht auf motorisierten Gefährten transportiert, sondern hauptsächlich von Gruppen von Kindern und Jugendlichen getragen. Für viele mussten die Stromleitungen mit langen Stöcken angehoben werden, was immer wieder zu Verzögerungen führte. Dabei wurde laut musiziert. 

Die ersten Figuren wurden schon tagsüber an die Straße gebracht

Die Parade war gut besucht

Nach der letzten Gruppe schloss ich mich vielen Besuchern des Umzugs an und wir folgten bis zu einem großen Platz in der Nähe des Meers und eines Tempels. 

Die Balinese zauberten plötzlich ihre Roller her, um der Parade zu folgen, laufen kennen sie nicht, für mich akute Erstickungsgefahr aufgrund der Abgase

Nach ca. 40 langen Minuten, die moderiert worden, natürlich auf indonesisch, wurde jede Ogoh-Ogoh-Figur noch einmal ausführlich vorgestellt und gezeigt. Dabei bewegten sich die Träger sehr schnell und ich wunderte mich, dass lediglich zwei Figuren abbrachen. Auch hierbei wurde laut musiziert. Die Prozedur war interessant anzusehen, aber irgendwann endlos. Gegen 23 Uhr entschied ich mich, den Rückweg zu meiner Unterkunft anzutreten, immerhin über 3 Kilometer im Dunkeln. Viele andere Touristen waren schon viel früher gegangen. Eigentlich sollen die Ogoh-Ogoh’s zum Schluss verbrannt werden. Ob das noch passierte weiß ich nicht, kann es mir aber nicht vorstellen. Ich habe bereits öfter gelesen, dass dies nicht mehr überall gemacht wird, da die Figuren sehr teuer sind.

Am folgenden Tag war dann Nyepi, der Neujahrstag und wichtigster hinduistischer Feiertag. Nach dem indischen Saka-Kalender beginnt heute das Jahr 1937. Nyepi selbst beginnt um 6 Uhr morgens und dauert bis 6 Uhr morgens des folgenden Tages. In diesen 24 Stunden müssen folgende Regeln streng beachtet werden:

Amati lelanguan (keine Festivitäten): absolute Stille, Fasten, keine Vergnügungen jeglicher Art

Amati lelungan (Reiseverbot): die Häuser dürfen nicht verlassen werden

Amati karya (Arbeitsverbot): es darf nicht gearbeitet werden

Amati geni (Feuerverbot): kein Feuer, kein Licht

Der gläubige Balinese verbringt den Tag in Meditation (Tapa/Yoga brata).

Diese Regeln werden in Bali sehr strikt eingehalten. An Nyepi sendet keine Radio- oder Fernsehstation. Der Flughafen ist für sämtlichen Flugverkehr unterbrochen, es fährt kein einziges Fahrzeug auf den Straßen (Rettungsfahrzeuge ausgenommen). Es werden keine Fußgänger auf den Straßen oder an den Stränden geduldet. Eine große Stille liegt über der gesamten Insel, am Abend und in der Nacht ist es fast völlig dunkel. Auf den Straßen patrouilliert die Tempelpolizei in schwarz-weiß karierten Sarongs, welche die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Die Einhaltung der Regeln (zumindest des Ausgehverbots) wird auch von den Touristen erwartet. Zum Glück habe ich das frühzeitig erfahren und mir deshalb in Sanur auch eine Unterkunft gebucht, bei der man gemütlich am Pool sitzen kann, obwohl das Meer nur 5 Minuten entfernt ist und mich im Supermarkt mit Lebensmitteln eingedeckt. 

Tieferer Sinn von Nyepi ist ein Neuanfang in möglichst großer Reinheit. Die geübte Selbstkontrolle soll zur spirituellen Reinheit führen. Eine andere Interpretation von Nyepi besagt, dass durch die Stille und Dunkelheit den vorbeiziehenden Dämonen und bösen Geistern vorgegaukelt werden soll, die Insel sei verlassen, so dass sie weiterziehen und die Menschen vor ihrem schlechten Einfluss bewahrt werden.

Am Ngembak Geni (Tag nach Nyepi)     besuchen sich die Balinesen gegenseitig, um sich um Vergebung zu bitten und so gereinigt in das neue Jahr zu starten. Das soziale Leben wird wieder aufgenommen. Der gläubige Hindu verbringt den Tag aber auch mit dem Studium der alten Schriften, Gesänge und Gedichte.

Ich reise morgen auf die Gilis und hoffe, dass mein Kapitän die Schriften bereits heute studiert hat…
Jedenfalls ein besonderes Erlebnis und eine Empfehlung, zu dieser Zeit Bali zu besuchen. Dazu befindet sich Bali zu dieser Zeit in der Nebensaisson am Ende der Regenzeit, ist nicht überlaufen und die Schauer ab und zu fand ich nicht störend. 


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