​Bali: Eine Woche Canggu – zwischen Reisfeldern, Streetart und Surfern 19.3.-24.3.2017

Nachdem ich am Sonntag morgen noch einmal beim Yoga war, frühstückte ich in Ruhe, checkte aus und orderte mir über die „Grab a Taxi“-App einen Fahrer für 130.000 Rubiah (statt 300.000 Rubiah für ein Taxi mit langen Verhandlungen versteht sich), um mich nach Canggu zu bringen. Es gibt zwar einen Überlandbus, der einige wenige Orte anfährt, das war mir allerdings zu umständlich, um im Endeffekt 3-4 € zu sparen. Der sehr junger Fahrer kam pünktlich in einem guten Auto. Er war schon länger unterwegs und fragte mich ganz freundlich, ob er unterwegs kurz Pause machen dürfe um eine Zigarette zu rauchen. Natürlich, ich wollte ja keinen Unfall provozieren, weil mein Fahrer unter Nikotinmangel litt… 

Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit und in Bali und der damit einhergehenden Erkenntnis, dass mir die Insel nicht ans Herz wachsen wird, habe ich für mich beschlossen, meine Zeit hier so gut wie möglich relaxt zu verbringen. Das bedeutet hauptsächlich, dass ich von meiner Natur abweiche und nicht jede Ecke der Insel erkunden will. Ich weiß, dass es mir keinen Spaß machen würde. Also begrenze ich meine Erkundungstour auf vier Ziele, jede Woche ein Ziel. Daher habe ich meine zweite Woche in Canggu an der Küste verbracht. Ich hatte eine sehr schöne Unterkunft (Ayu Guesthouse 2), inmitten von Reisfeldern, allerdings etwas abseits vom Zentrum. 

Reisfeld direkt neben meiner Unterkunft

Grundsätzlich mag ich das, da ich gerne ein Stückchen in den Trubel laufe, allerdings ist Spazierengehen auch in dieser Ecke von Bali nicht möglich. Erneut keine Gehwege. 

Roller überall

Die Straßen haben keinen Seitenstreifen und da hier noch nicht alles zugebaut ist und zwischen den Häusern immer wieder ein Reisfeld liegt, verlaufen rechts und links an der Straße die Bewässerungskanäle für die Felder. Dadurch ist ein Ausweichen von der Straße nicht im Geringsten möglich. Die Kanäle sind tief und gut gefüllt. Allein die 150 Meter von meiner Unterkunft zum benachbarten Yogastudio waren eine gefährliche Herausforderung. Die Autos und Roller versuchen einen auch noch ständig wegzuhupen, aber wo bitte schön soll ich denn hinspringen? Da ich mich mittlerweile nicht mehr davon aus der Ruhe bringen lasse, habe ich am Anfang der Woche natürlich trotzdem einige Erkundungstouren zu Fuß unternommen. Die Erste führte mich Richtung Strand, durch ein traumhaftes Restaurant (einen anderen Strandzugang habe ich nicht gefunden). Vielmehr eine ganze Anlage wie aus einer anderen Welt. Das La Laguna lädt zum Verweilen ein (und zwar wiederholt). 

Bevor ich mich dort niederließ, ging ich aber erst einmal an den Strand. Balis Strände sind nicht spektakulär, das wusste ich, also war ich auch nicht von dem eher schmalen grobkörnigen Sandstrand enttäuscht. 

Wenn das Wasser nicht zu hoch steht, kann man die Lagune durchqueren und zu den anderen Stränden spazieren. Ich lief nur ein wenig den Strand entlang und war sehr erschrocken, wie dreckig es hier war. Müll überall im Sand, hauptsächlich Plastik, weggeworfen und angespült, ekelhaft. So ging ich zurück und erkundete noch etwas die Umgebung in dieser Richtung von meinem Homestay aus, was am Rande von Canggu liegt, schon Richtung Seminyak. Die Ecke ist nett, muss man aber nicht ein zweites Mal aufsuchen. Empfehlenswert ist das Watercress hier, ein tolles Lokal mit gesundem Essen, etwas teurer aber es lohnt sich. 

Die Erkundungstour Richtung Canggus Zentrum dauerte dann direkt einen ganzen Tag, aber hauptsächlich weil ich bewusst im Zick-Zack lief und ausgiebig in tollen Lokalen verweilte. Da muss ich erneut sagen, dass hier eine Location nach der anderen absolut phantastisch ist. 

Cloud 9 inmitten von Reisfeldern-absolut empfehlenswert
Captain Catch, direkt am Beach
Varung Varuna – original indonesisches Essen zum Spottpreis -absolut empfehlenswert!
Shady Shack-Healthy Food

Milk and Madu-tolles Ambiente, tolles Essen

Old Man’s, die angesagte Beachbar, meines Erachtens Massenabfertigung, unpersönlich, ungemütlich

Die eine mitten im Reisfeld, die andere am Strand, die nächste im Trubel des Zentrums und dann eine an einer Straße, wo man niemals solch ein tolles Restaurant vermuten würde. Zwar ist hier alles teurer als in Ubud, trotzdem noch im Vergleich zu Deutschland preiswert und vor allem sehr gut. 

????????

Das Hauptzentrum Canggus ist einladend. Eine nette Shopping-und Schlemmermeile mit Gewehgen. Man gelangt von dort schnell zu den Hauptstränden, an denen sich die Surfer tümmeln. 

Die Strömung hier an der Küste bietet optimale Bedingungen zum Surfen, je nach Strandabschnitt für Anfänger bis zum Profi. Schwimmen ist bei der Strömung und den hohen Wellen nicht möglich, es reicht eher für eine Abkühlung, wenn man sich traut es mit den heranpreschenden Wellen aufzunehmen. 

Der Strand ist etwas voller aber nicht überfüllt. Es gibt viele Surfbuden, Fressbuden und fliegende Händler. Dort, wo sich die meisten Touristen aufhalten ist der Strand etwas sauberer, wahrscheinlich reinigt man hier. 

Geht man allerdings ein paar Meter weiter, um zu den anderen Strandabschnitten zu spazieren, begegnet man wiederholt richtigen Müllhalden. Es gibt hier oft freiwillige Strandsäuberungsaktionen. Eine beobachtete ich und es war unglaublich, wieviel Kilo Müll in einer Stunde gesammelt wurde. Ich konnte meine Hilfe nicht anbieten, da ich Strandverbot verordnet bekommen hatte (hierzu später mehr).

Die bittere Wahrheit…Zu allem Übel wird der Müll dann auch noch am Strand verbrannt…

Ein bisschen Berlinfeeling kam bei mir auch auf, als ich an dem Strandabschnitt landete, der von einer riesigen Mauer abgrenzt wird (dahinter werden riesige Hotelanlagen gebaut). Diese ist komplett mit Streetart versehen und zwei Künstler übermalten gerade ein altes Bild. 

Absolut wie die freie Künstlerfläche im Mauerpark, nur eben Strand daneben. Ein Kran im Hintergrund machte das „Berlin-Bild“ dann noch perfekt. 

Überhaupt ist in Canggu viel Streetart vorhanden, beim Fotografieren braucht man aber Geduld, bis gerade mal kein Auto oder Roller ins Foto fährt, Mut, sich nicht anfahren zu lassen und Ruhe, um das Gehupe der Fahrzeuge über sich ergehen zu lassen. 

Für den Rückweg hatte ich mir vorgenommen, mich fahren zu lassen. Es wird bereits kurz nach 18 Uhr dämmrig und im Dunkeln die Straßen entlang zu laufen ist fast Selbstmord. Straßenbeleuchtung gibt es natürlich nicht. Dummerweise war aber selbst im Zentrum keine Fahrmöglichkeit über die hier verwendeten Apps zu bekommen. Das wunderte mich doch sehr, morgens hatte ich es von meiner Unterkunft versucht, da klappte es auch nicht. Es ging hier übrigens nur um eine 2 Kilometer Strecke wohlgemerkt, so fern ab wohnte ich auch nicht. Auf der Straße war natürlich auch kein Fahrer. Sonst wird man ständig angequatscht und wenn man dann mal fahren will, findet man niemanden. Also machte ich mich auf den Weg, leuchtete mit dem Handy immer nach hinten, damit ich nicht ins Reisfeld abgedrängt wurde. Nach ein paar Minuten hielt ein Taxi, Zeit für Verhandlungen blieb nicht, da es mitten auf der Straße hielt, Haltebuchten gibt es natürlich auch nicht. Dem jungen Burschen war mein Ziel und alles in der Nähe völlig unbekannt. So navigierte ich ihn mit meinem Handy den 10 minütigen Weg. Leider hatte er ein Rechts-links-Problem, was die Zielfindung stark verzögerte. Es dauerte, bis sich Gelegenheiten zum Wenden fanden. Dann verlangte er auch noch einen horenden Preis, mehr als ich für die ganze Fahrt von Ubud bis hierhin gezahlt hatte. Als ich ihm sagte, dass es aber sehr teuer sei wurde er laut und frech, die Autos hinter uns hupten auch schon, also bezahlte ich natürlich. Quintessenz von erneuter Abzocke der „freundlichen“ Balinesen: entweder früh nach Hause oder das nächste Mal ein Fahrrad ausleihen. Sicherlich auch eine spannende Geschichte, aber einen Versuch wert. 

Roller traue ich mich bei diesem Verkehr weiterhin nicht, insbesondere da ich nirgends etwas üben kann. Meine letzte Motorradfahrt liegt 20 Jahre zurück und Roller bin ich noch nie gefahren. 

Meine Motivation etwas zu unternehmen sank allerdings von Tag zu Tag, aufgrund der schrecklichen Umstände mit dem Verkehr hier. Außerdem nervte mich der Lärm. Ich kann nicht sagen, dass es hier entspannt zugeht, zumindest wird man sehr schnell wieder aus seiner Entspannung gerissen, sobald man eine Straße überqueren muss. Mit Kindern würde ich hier schon mal gar nicht hinfahren, was muss das für ein Stress sein.

Ich besuchte 6 Yogastunden á 90 Minuten in einem traumhaften Studio (Desa Seni), wie gesagt nur 150 Meter von meiner Unterkunft entfernt. 

Der Name bedeutet „Kunst Dorf“ und spiegelt genau das wieder, was man sich auf den ersten Gedanken vorstellt: ein wunderschön angelegtes kleines balinesisches Dörfchen, verschönert mit traditionellen, indonesischen Kunstwerken (wie man es sich vorstellt, es aber in der Realität nicht antrifft). Beim Betreten spürt man sofort die beruhigende und energetisierende Stimmung, die sich in einem breit macht. Der Garten ist einfach nur ein Traum, die kleinen balinesischen Gästebungalows sind sehr detailverliebt dekoriert. Die Lehrer sind sehr darauf bedacht, die Schüler zu korrigieren. Da die Klassen hier kleiner sind als im dem Studio in Ubud ist eine persönliche Betreuung möglich. Nach jeder Stunde wurde Tee gereicht und man konnte sich unbegrenzt auf dem Gelände aufhalten. Für mich ein absolut perfekter Platz zum Relaxen und Wohlfühlen. Eine Steigerung zu einem noch schöneren Yogabereich ist für mich nicht vorstellbar. Direkt hier zu wohnen ist jedoch sehr teuer, eine Nacht beginnt bei 140 US $. Da kann man doch besser nebenan wohnen und das Ressort mitbenutzen…

Bis vor kurzem wurde der Felsen für Yogadarbietungen genutzt, jetzt wurde ein Tempel darauf gestellt.

Leider hatte ich direkt am Anfang meines Aufenthaltes in Canggu eine sehr schlechte Erfahrung gemacht. Ich ging spontan auf dem Rückweg vom Frühstück (ist hier nicht in meiner Unterkunft möglich) zum Waxing. Die nette Dame hat mir dabei die Beine derart verbrannt, zum Teil wurde ich gehäutet, das ich tagelang Schmerzen hatte, die Wunden eiterten zunehmend. Nach einem Apothekenbesuch beschloss ich doch nach 2 Tagen einen Arzt aufzusuchen. Verbrennungen 2. Grades und starke Entzündungen. Ich musste meine Beine bedeckt lassen, vor der Sonne schützen, Antibiotika verwenden und bekam Strandverbot. Soviel dann zum Tag am Strand bei 30 Grad…Irgendwas ist einfach immer, selbst wenn ich keinen Sport mache, oder wandere. Erst waren es Blasen zwischen den Zehen von den Flipflops, dann entzündete Branntwunden an den Beinen, herrlich…  

Romantische Trauung am Strand (wenn man die anderen Strandbesucher und den Müll nicht mit fotografiert…)

Ebenfalls ist auch Canggu von wiederholten Stromausfällen betroffen, wahrscheinlich die ganze Insel. 

Ein weiteres nicht so schönes Highlight: am 22.3.2017 bekam ich das Erdbeben mit, kurz nach 7 Uhr morgens rüttelte die gesamte Unterkunft und ich dachte, ein mächtiger Sturm wäre aufgezogen. Aber draußen nichts zu sehen. Später erfuhr ich, dass es ein Erdbeben Stärke 6,4 war, dass ich gespürt hatte. Hervorgerufen durch die vulkanischen Aktivitäten. Größere Schäden wurden zum Glück nicht verursacht und auch der befürchtete Tsunami blieb aus. 

Ich glaube wirklich, dass Bali wohl einfach nicht meine Insel ist und muss das nicht noch ständig mit irgendetwas Neuem präsentiert bekommen…

Die Wahrheit zwischen den Reisfeldern: Leider nicht die einzige Ecke, die so aussieht.

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