Bali: Eine Woche Ubud – vom Schock zur Entspannung 13.-18.3.2017

Nun bin ich bereits eine Woche auf Bali, habe eine Woche in Ubud, dem soganannten spirituellem Zentrum, hinter mir und bin noch unschlüssig, wie meine Meinung zu Bali schlussendlich ausfallen wird.
Aber zunächst zu Ubud…

Meine Anreise aus Auckland/Neuseeland über Brisbane/Australien nach Denpasar/Bali klappte reibungslos. Bei der Einreise am Flughafen ging es dann aber schon los: die Regierungsbeamten erklärten mir, dass ich bei der Ausreise eine Gebühr von 300.000 Rupiah (21 €) zahlen müsse, da der Zeitraum vom 13.3.-12.4. mehr als 30 Tage beträgt. 30 Tage sind frei, da mein Flug allerdings am 12.4., wohlgemerkt um 1 Uhr nachts, geht, sind die 30 Tage überschritten. Hier hat mein Reisebüro bei der Beratung und Buchung der Flüge ja phantastisch aufgepasst (30 Tage sind nicht gleichbedeutend mit einem Monat)… Aber was soll es, nun ist es so. Sobald man den Zoll passiert hat, wird man direkt von den Taxifahrern überfallen. Ich war darauf vorbereitet und glücklicherweise kannte ich von einer Freundin auch den tatsächlichen Preis bis Ubud. Man zeigte mir Listen, die 600.000 Rupiah auswiesen, immerhin 1,5 Stunden Fahrtzeit, was über Googlemaps auch durch die Fahrer bewiesen wurde. Der tatsächliche Preis liegt allerdings bei 300.000-350.000 Rupiah. Also durfte ich schön verhandeln, was ich hasse. Irgendwie fühle ich mich immer abgezockt, ob es so ist oder nicht, meistens weiß man es ja nicht. Für 350.000 Rupiah ging die Fahrt dann los, für mich überraschend in einem sehr neuen und hochwertigem Auto. Sobald der Flughafen verlassen war, Verkehr ohne Ende. Hunderte Autos, tausende Rollerfahrr, keine Regeln, alles kreuz und quer, total chaotisch. Mein Vorhaben, mir eventuell einen Roller zu leihen wurde sofort von der Liste gestrichen. Ich wartete ewig darauf, dass wir Denpasar endlich hinter uns lassen und durch schöne Landschaften nach Ubud fahren, weit gefehlt. Die Strecke ist komplett zugebaut, ich habe gar nicht mitbekommen, wann eine Ort in den nächsten übergegangen ist. Alles andere als schön. Auch das Ankommen in Ubud machte meinen ersten Eindruck nicht besser, viel Verkehr, laut, zugebaut bis in die letzte Ecke. Glücklicherweise hielt meine Unterkunft, das Dewi Antara Homstay, was sie versprach. Eine idyllische Unterkunft bei einer sehr netten Familie, ein Doppelzimmer mit Bad und eigener Terasse, schöner Pool und lediglich 8 Wohneinheiten, Frühstück auf der Trasse serviert. Das alles für ca. 84 €, das versöhnte etwas, gerade nach dem teuren Neuseeland mit den Hostelunterkünften.

Sonnenaufgang von meiner Terasse aus.
Auch die entfernten Vulkane konnte ich von meiner Terasse sehen.
Was für ein Frühstücksspot…

Mir war allerdings sofort klar, dass Bali nicht meinst ist. Eigentlich hätte ich es wissen müssen, denn Asien hat mich noch nie angezogen und nach meinem ersten Versuch in Sri Lanka hatte sich mein Gefühl auch bewahrheitet. Die Lebensart und Kultur ist einfach nicht mein Ding. Ich fragte mich wirklich, was ich mir dabei gedacht hatte, vier Wochen hier verbringen zu wollen bzw. auszuhalten. Aber nun war es so. Nach einem zweistündigen Spaziergang ohne ein einziges Foto  (totale Überforderung) atmete ich tief durch, genehmigte mir einen Cocktail, beruhigte mich und nahm die Herausforderung an, mich auf das Leben hier einzulassen. 

Ganz normale Hauseingänge in Ubud, liebevoll dekoriert.

Ich kann schwer in Worte fassen, was es eigentlich ist, was mich stört. Es sind Dinge, wie das Aussehen, man ist hier immer ganz offensichtlich der Tourist (und in einem ärmeren Land wie Bali gleichbedeutend mit reich, da gibt es also was zu holen), kann nicht in der Menge untertauchen, wenn einem danach ist. Die ewigen Preisverhandlungen mag ich nicht, wie bereits erwähnt, ich kann viel zu schlecht einschätzen, was etwas wert ist und was qualitativ hochwertig ist oder eben nicht. Ich kann nicht in Ruhe durch Geschäfte schlendern und mir einen Überblick verschaffen, sondern man muss direkt Kontakt mit den Verkäufern aufnehmen, um die ungefähre Preisvorstellung zu erfahren, dann wird man die Verkäufer allerdings nicht mehr los. Das gleiche gilt natürlich auch bei Taxis. Darüber hinaus habe ich immer das Gefühl, mich nicht wirklich frei bewegen zu können. Nicht normal in der Stadt, das ist kein Problem, aber beispielsweise joggen gehen ist nicht möglich. Gehwege sind kaum vorhanden und wenn, dann stark beschädigt, so dass man immer wieder auf die Straße ausweichen muss, auf der man dann aber fast jedesmal von Autos und vor allem Rollerfahrern fast angefahren wird. 

Opfergaben überall auf den Gehwegen, Straßen, Fenstern…

Das Umland ist sehr zugebaut und eine vernünftige Joggingstrecke zu finden einfach nicht möglich. Selbst wenn ich eine gefunden hätte, würde ich hier nicht joggen gehen. Man wird in Ubud in einer Minute gefühlte hundert Mal angesprochen, ob man ein Taxi benötigt, selbst auf der Shoppingmeile (nein, ich möchte nicht von einem Geschäft zum nächsten gefahren werden…), was sollte das denn geben, wenn man die Straße entlangjoggt. Quintessenz für mich also: Sport nicht wirklich möglich, für mich gehört aber eine Joggingrunde einfach zur Erholung dazu. Wie dem auch nun war, ich konnte die Umstände nur annehmen und das Beste für mich daraus machen. 

Noch ein ganz normaler Eingang zu einem Wohnhaus.
Wunderschöne handgeschnitzte Türen.

Nach einer Woche kann ich durchaus sagen, dass mir dies gut gelungen ist. Ich war 5*beim Yoga je 90 Minuten, hatte Maniküre, Pediküre, Körperpeeling, Waxing, eine Fussreflexzonenmassage, eine Gesichtsbehandlung und vier Ganzkörpermassagen sowie zwei Vormittage alleine am Pool. Es könnte schlechter sein. Die Anwendungen sind sehr günstig und in Ubud befindet sich an jeder Ecke ein schönes Studio. 

Mein Yogastudio, The Yogabarn – sehr schön, gute Kurse auch für Anfänger

Zwischen diesem Stress war mindestens zweimal am Tag Essen gehen angesagt. 

Warung Don Biu-Nasi Goreng mit Huhn und frisch gepresster Wassermelonensaft 1,75 €

Auch dies kann man sehr gut und günstig. Es gibt endlos viele schöne Warungs. Das sind kleine offene Restaurants, größtenteils aber sehr modern, stylisch, gemütlich. Viele sind auf vegetarisch und vegan, zum Teil sogar makrobiotisch und Rohkost spezialisiert. Hauptsache gesund. 

Mein Favorit: Dayu’s Warung mit Blick auf einen schönen Tempel; hier: Elektrolytecocktail (Zitrone, Ingwer, Papaya, Wassermelone, Minze), Thunfisch in Bananenblättern, Reis, Spinat, Kokosnuss, Salat , scharfe Gewürze ca. 6 €; empfehlenswert auch die phantastischen, außergewöhnlichen Kaffee- und Kuchenkreationen (zB Kürbis-Erdnuss-Mandel-Kuchen und Kaffee mit Ingwer, frischer Kokosmilch, Zimt und Palmenzucker-ein Traum!); unschlagbar der Süßkartoffel-Rote Beete-Tempeh-Burger 

Entsprechende Getränke werden auch angeboten, alles frisch gepresst, vom normalen Saft bis zum Energiebooster, Detox- oder Antioxidantgetränk. Selbst kochen ist hier immer teurer als essen zu gehen, lohnt sich also nicht, schon gar nicht bei den interessanten Kreationen. 

Warung Sopa – in mehreren Blogs empfohlen, freundliches Personal, gutes Essen, aber es gibt gemütlichere

Clear Café
ganz besonders, stylisch,  interessante Kompositionen beim Essen; etwas teurer aber das Erlebnis lohnt sich. Es ist ein sehr gefragtes Restaurant, daher geht leider etwas die Gemütlichkeit und das Familiäre verloren, das man bei den kleinen Warungs hat. Hier: Pfeffer-Thunfischsteak mit Tamarindsoße an Wasabi-Kartoffelpüree, Detoxgetränk aus Aloe Vera,  Minze, Ingwer, Tumeric, Honig und Seasalt, geeister Limetten-Kuchen im Cashew-Kokosmantel und Kaffee mit frischer Minze und Cashewmilch 13 €

Ganz witzig: man bekommt eine Nummer für seine Schuhe, die etwas andere „Garderobe“ 

Allerdings nach einer Woche in Cafés etc. abzuhängen, habe ich es auch über und freue mich darauf, irgendwann wieder einfach für mich vernünftig kochen zu können. Meine Spaziergänge durch Ubud führten mich kreuz und quer durch die Straßen. Das Zentrum erwies sich dann doch als sehr schön, vor allem als ich mich endlich an den Verkehr und die verrückte Fahrweise gewöhnt hatte. 

Täglicher Markt

Es bringt nichts zu warten bis die Straße frei ist, was selten vorkommt, man muss eben einfach loslaufen, irgendwie kommt man lebend auf der anderen Strassenseite an. Wiederholt musste ich das GPS im Handy nutzen, da ich mich ein paar Mal verlief, irgendwie sahen die Straßenecken immer gleich aus. Es gibt sehr schöne Geschäfte und Boutiquen, zum Schlendern und Anschauen optimal. Auch der Markt ist nett anzusehen, aufgrund meine Abneigung zum Handeln habe ich allerdings nichts gekauft. Die Wohnhäuser sind beeindruckend. Viele sehen aus wie kleine Tempel. Was mir als Erstes auffiel, es riecht überall gut. Hauptsächlich verursacht von den vielen liebevoll gestalteten Opfergaben, die die Bewohner vor ihre Häuser auf den (sowieso schon spärlichen) Gehwegen platzieren, fast immer mit Räucherstäbchen dekoriert (also noch mehr aufpassen beim Spazierweg). 

Abends ist in vielen Restaurants und Bars Livemusik. Ich bin ab und zu abends an den Bars vorbeispaziert, wollte aber nicht allein einkehren. Wie auch tagsüber trifft man meistens Pärchen oder Gruppen an. Entgegen aller Voraussagen ist es eher schwierig hier in Kontakt zu kommen, die Erfahrung machte auch eine andere Freundin. Zwei Kontakte knüpfte ich allerdings zufällig. Der erste war ein Einheimischer. So richtig weiß ich gar nicht mehr, wie es passiert ist. Jedenfalls hat er mich abends auf dem Rückweg zum Homestay angesprochen, weil er meinte ich hätte so eine positive Aura und irgendwie kamen wir ins Gespräch, saßen ca. 1 Stunde auf dem Bordstein und quatschten. Erst gegen Ende erzählte er, dass er Guide und Taxifahrer sei und mit seinem Roller für alle Fahrten zur Verfügung stände. Im Gegensatz zu seinen Kollegen würde es ihm aber nicht nur ums Geld gehen, sondern in erster Linie, sein Land zu präsentieren und den Touristen einen schönen Aufenthalt zu bereiten.
Die Bezahlung erfolge dann ausschließlich nach der Meinung des Gastes, wieviel ihm die Fahrt wert gewesen sei. Natürlich konnte ich nicht einfach so das Gespräch beenden, sondern musste seine Telefonnummer annehmen und quasi eine Fahrt verabreden. Im Endeffekt in Ordnung, da ich sowieso vorhatte, einen Fahrer für einen Tag zu buchen, um das Umland von Ubud zu erkunden, bestätigte aber auch wieder meine Befürchtungen… Öffentliche Verkehrsmittel gibt es für so etwas nicht. Da mir Wayan einigermaßen sympathisch war unternahm ich dann auch zwei Tage später eine Fahrt mit ihm. Hierzu dann ein separater Bericht. 

Kostenloses WIFI gibt es fast überall.

Außerdem habe ich eine geführte Radtour gemacht, mit einem ortsansässigen Anbieter, eine typische Touristentour, die sich allerdings interessant anhörte und ich hoffte, nicht allein zu sein. Auch hierzu später. Der zweite Kontakt ergab sich auch abends, als ich auf dem Heimweg war und mich Yanni ansprach, ein Rastazopf-Typ aus Sumatra, der Heilmassagen anbietet. Wir unterhielten uns zunächst nett, dann wurde ich ihn allerdings nicht mehr los. Selbst nach mehreren Abhängungsversuchen wich er mir nicht mehr von der Seite und bestand darauf, mich zu meiner Unterkunft zu bringen. Da es bereits dunkel war, konnte ich schlecht in einen anderen Hauseingang gehen. So musste ich widerwillig meine Unterkunft preisgeben. Yanni ließ sich dann erst abweisen, als ich ihm versprach, gemeinsam am nächsten Tag einen Roller zu leihen und etwas im Umland herumzufahren. Ob er tatsächlich am nächsten Tag aufgetaucht ist weiß ich nicht, ich war jedenfalls mit meinem Fahrer unterwegs. Das hat man dann vom freundlich und offen sein. Wirkliche schade…

Der Palast in Ubud wurde gerade restauriert, unabhängig davon wirkt er allerdings nicht besonders zwischen den Tempeln und schönen Häusern in der Stadt. 

Bau- und Pflegearbeiten am Palast

Absolutes Must-See ist der Affenwald, der sich direkt in der Stadt befindet. Ein schönes Areal mit hunderten Affen, die interessant zu beobachten sind, aber auch sehr unverschämt werden können. 

Man kann Bananen kaufen, die sich die Affen dann sofort holen. Ich habe darauf verzichtet, da ich nicht scharf darauf war, dass die Affen auf mir herumklettern. Trotzdem sprang mich irgendwann ein Affe von hinten an und ließ sich auf meiner Schulter nieder. 

I see you….

Später fiel mich ein riesiger Affe an und klaute mir meine Wasserflasche. Die Biester haben echt viel Kraft. Er öffnete sie tatsächlich und trank sie zur Hälfte aus. Ein Wärter nahm sie ihm dann weg und entsorgte sie. Ich hatte Durst, 30 Grad… Zum Glück haben sie mir nichts Wertvolles abgenommen. 

Ab und zu fällt der Strom in Ubud aus, entweder in der ganzen Stadt oder in einzelnen Strassenzügen. Einen Abend durfte ich das auch erleben. Zum Glück gibt es Handytaschenlampen. Erst gegen 3 Uhr nachts funktionierte der Strom wieder. Die Einheimischen nehmen es entspannt, gehört eben dazu.

Sonnenaufgang

Momentan ist in Bali das Ende der Regenzeit. In der letzten Woche habe ich drei große Regenschauer erlebt, jeweils nachmittags. Zwei hielten zwei Stunden an, es goss wie aus Eimern. Aber es bleibt warm. Die Zeit kann man dann gut im Massagesalon verbringen…

Wenn ich heute zurückblicke, ist die Zeit dann doch verflogen. Ich habe mich an die andere Lebensweise hier gewöhnt und kann meine Zeit genießen, auch wenn mein Herz nicht hier ankommt. 


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