​Taupo – Ironman und neuer Reisebegleiter 3.-4.3.2017

3.3.2017
Die Nacht war genauso schlecht wie die vorige. Zusätzlich war es im Zimmer unruhig, da nach 1 Uhr noch ein Mädel anreiste und ewig herumpackte und einer der beiden Männer im Damendorm (irgendwie scheint nicht nur bei meiner Buchung etwas schief gelaufen zu sein) öfter das Zimmer verließ und noch nicht herausgefunden hatte, dass die Tür nicht zuknallt, wenn man sie festhält. Ich stand 6 Uhr auf, ebenfalls das Mädchen, welches so spät gekommen war. Sie entschuldigte sich zumindest bei mir. Ihre Fähre (von der Südinsel) hatte fast 1 Stunde Verspätung und dann musste sie noch über 30 Minuten zum Hostel laufen. Sie fuhr direkt 6.40 Uhr mit dem Bus nach Auckland weiter. Was für ein Streß, da bin ich doch sehr dankbar, dass ich nicht so extrem auf das Geld achten muss und solche Strecken einfach fliegen kann. 

Nach dem Frühstück machte ich mich zum Bus auf, circa 25 Minuten Fußweg. Was bin ich froh, dass ich den Rucksack nicht mehr täglich über lange Strecken tragen muss. Ich habe mich so an den Tagesrucksack gewöhnt, dass mir der große schon nach den wenigen Minuten zu schwer wurde. 7.45 Uhr ging es dann Richtung Taupo, circa 6 Stunden Busfahrt, die aber schnell vergingen. Am interessantesten waren die letzten 1,5 Stunden, die wir am Tongariro Nationalpark vorbeifuhren. Schneebedeckte hohe Berge und große Vulkane gut sichtbar. Ich freue mich schon sehr auf die Wanderung dort, die ich von Taupo aus machen werde und hoffe auf gutes Wetter. 

In Taupo bei Sonnenschein angekommen, checkte ich in dem chilligsten YHA ein, dass ich bisher hatte. Klein und super gemütlich. Ein schöner Innenhof/-garten, in dem einige andere Gäste bei Musik entspannten. Zumindest in meinem Raum nur Einzelbetten, keine Etagenbetten (gibt es allerdings in anderen Zimmern). Hier hatte ich sofort das Gefühl von Urlaub. Toll. 

Ich fragte direkt nach dem Shuttle zu der Wanderung, allerdings wurde für morgen alles abgesagt, da das Wetter wechselhaft sein soll. Ich hatte es mir schon gedacht, also hoffe ich auf übermorgen. Da dies öfter vorkommt, habe ich vorsichtshalber 3 Nächte hier gebucht. Unter Umständen muss ich noch verlängern. Das Tongariro Crossing war und ist mein Nr. 1 Must-Do in Neuseeland und darauf will ich keinesfalls verzichten. Ich machte mich erst einmal auf, die Stadt zu erkunden und natürlich den See. Lake Taupo ist der größte See Neuseelands und befindet sich im Herzen der Nordinsel. Es ist ein vulkanischer See. Von Taupo aus sieht man an der gegenüber liegenden Seite die Berge des Tongariro Nationalparks. 

Taupo selbst hat einen Uferweg über 10 Kilometer lang direkt am See. Das verlockt mich doch tatsächlich, endlich einmal wieder joggen zu gehen. Mal sehen, ob sich eine Gelegenheit findet. 

Morgen findet der Ironman Neuseelands in Taupo statt, ein riesiges Event. Entsprechend ist alles für die große Herausforderung aufgebaut. Morgen früh 6.15 Uhr findet eine typische Maoribegrüßung statt, bevor es mit Schwimmen im See losgeht. Ich hoffe, ich bekomme als Zuschauer Zutritt. Das würde ich mir gerne ansehen. Vor allem, da erst kurz nach 7 Uhr die Sonne aufgeht. Ich bin gespannt. 

Aber abgesehen von meinem schönen Hostel, war Taupo selbst eine große Überraschung. Ich hatte mir nichts von der Stadt selbst erhofft bzw. erwartet und dann entdecke ich eine schöne kleine saubere und gepflegte Stadt mit tollen Cafés und Restaurants, netten Boutiquen aber auch allen anderen typischen Geschäften, die Supermärkte sehr zentral gelegen und richtig gute Streetart! In jedem Hinterhof konnte ich welche entdecken. 

Auf jeden Fall ein Städtchen, in dem ich es länger aushalten könnte. Wie bei Cromwell bestätigt es sich auch hier: ohne Erwartungen werde ich immer positiv überrascht. Aber Erwartungen abzuschalten ist nicht so einfach-Thema „Loslassen“… Ich setzte mich an den See, aß etwas und schaute mir an, was ich hier machen könnte. Taupo ist ein guter Ausgangspunkt zu Ausflügen in alle Richtungen, allerdings benötigt man dazu ein Auto. Ich entschied mich, die berühmten Wasserfälle morgen zu besichtigen. Die kann ich auch zu Fuß von der Stadt aus besuchen, auch wenn die offizielle Wanderung erst am Parkplatz außerhalb beginnt. 

Selbst die Gullideckel sind schön gestaltet

Zurück im Hostel bei Kaffee und Kuchen im gemütlichen Garten buchte ich noch eine 2 stündige Bootstour. Wenn ich schon einmal an dem See bin und Zeit habe, kann ich auch mal entspannt Bötchen fahren. Über bookme.nz.com konnte ich sogar 14 $ sparen. Nach einem Telefonat mit meinen Eltern, ging ich nochmal an den See um den Sonnenuntergang anzuschauen. Wunderschön. 

Dann musste ich mich im Supermarkt erst einmal mit Lebensmitteln eindecken, kochte daher erst gegen 21.30 Uhr. Aber die 4 Mädels in meinem Zimmer quatschten sowieso noch ewig. Alle sehr jung, wie die meisten Reisenden hier. Zwischen 18 und 25 Jahren und zu 90 % Deutsche. Anders als bei den Wanderern bleiben sie länger auf und schlafen teilweise bis 10 Uhr. Ganz anderer Rhythmus. Ich merke bei mir, dass ich keine Lust habe mich zu unterhalten. Die Interessen sind so verschieden und ich habe keine Lust auf einen Austausch. 

Allerdings hatte ich heute zwischendurch zum ersten Mal etwas Einsamkeit verspürt. Nach der langen Zeit mit Bettina ist es doch gewöhnungsbedürftig, keinen Austausch mehr mit jemandem zu haben und die Erlebnisse nicht teilen zu können. Ich bin gespannt, wie das die kommenden 10 Tage sein wird und vor allem die 4 Wochen auf Bali. Aber wer weiß, was sich ergibt und vielleicht freue ich mich ja doch auf die weitere Zeit nur mit mir…

4.3.2017

Die Nacht war wieder schlecht. Wenig Schlaf. Trotzdem fühlte ich mich ein wenig erholter. Um 5 Uhr stand ich auf, um den Start des Ironman Neuseelands mitzuerleben. Ich machte mich im Dunkeln Richtung See auf. Zunächst war ich für 3 Minuten der einzige Mensch auf der Straße und nach einer Abbiegung waren plötzlich Hunderte Menschen auf dem Weg zum Start. Es war sehr interessant über das riesiges Areal zu laufen, vorbei an den den unzähligen nummerierten Fahrrädern, die bereits gestern eingechekt werden mussten. 

Noch 32 Minuten bis zum Start

Es herrschte eine tolle Stimmung, im Dunkeln, die angespannten Athleten, das ganze Drumherum. Auch wenn ich niemanden der Startenden kannte, fieberte ich mit und habe immer noch größten Respekt vor der Herausforderung. Am Wasser fand die traditionelle Maori Begrüßung ohne Ankündigung statt. Aus dem dunklen See kamen sie plötzlich mit dem klassischen, wunderschön verzierten Ruderboot und hielten am Strand ihre Aufführung ab. Beeindruckend! 

Nachdem sie wieder weggepaddelt waren, begann ganz langsam der Sonnenaufgang und das Warm Up der Athleten im Wasser. 

Warm up der Profis
Start der Profis

6.45 Uhr starteten zunächst die internationalen Profis, 15 Minuten später alle anderen. Was für ein Spektakel mitten im Sonnenaufgang.  

Warm up

Start

So viele Boote und zwischendrin die Athleten, leider mussten einige später per Boot herausgebracht werden

Dafür hat sich das frühe Aufstehen definitiv gelohnt. Nach dem Start bin ich erst einmal zurück ins Hostel, sprang unter die Dusche und genoss gemütlich mein Frühstück. 

Noch ist das Ziel leer

Habe ich gestern noch das Gefühl von Einsamkeit kurz gehabt, meldete sich meine Freundin Tanja (dicken Knutscher an dieser Stelle) zufällig und wir telefonierten. Irgendwie kam das mal wieder genau zur richtigen Zeit, aber es sollte sich im Laufe des Tages noch steigern…

Für 10.30 Uhr hatte ich die 2 stündige Bootstour auf dem See gebucht, die zu einem Felsen ging, in den riesige Steinfiguren und Muster in und um ein Felsentor gehauen waren-Maori Art. Die ganze Geschichte ist allerdings erst 40 Jahre alt, aber das wußte ich vorher. 

Es war eine entspannte Kaffeefahrt, für 2 Stunden völlig in Ordnung. 

Am aufregendsten war der starke Wellengang. Ein paar Mal befürchtete ich, beim Fotografieren über Bord zu gehen. Zumindest sorgten die Wellen für nasse Füße. Der Kapitän erzählte viel über den See und das Maoritor, allerdings bekam ich nichts mit, denn ich hatte Chris kennengelernt, einen 24jährigen Schweizer, der seit Monaten in der Welt auf Reisen ist. Wir tauschten uns aus und beschlossen sehr schnell, die nächsten 3 Tage gemeinsam zu reisen. Für morgen hatte er sowieso auch das Tongariro Crossing vor und als ich ihm von White Island erzählte, der Insel mit dem aktiven Vulkan, war er sofort begeistert und wir beschlossen, gemeinsam dorthin zu fahren. Chris ist mit dem Auto unterwegs, was die Planung viel einfacher macht, als mit dem Bus zu fahren. 

Am Nachmittag wanderten wir gemeinsam zu den Huka Falls, eine 6 Kilometer Wanderung. Der Weg war nett, aber unspektakulär. Da bin ich nach dem Te Araroa leider verwöhnt. 

Schöne Bucht, genutzt zum Bungeejumping
Mutige gefunden…

Auch die Wasserfälle waren nett. Wenn man zufällig in der Nähe ist, kann man kurz halten, aber kein unbedingtes Muss. 

Wir hatten keine Lust mehr zurück zu laufen und so schlug ich Chris vor zu hitchhiken. Immerhin muss man das in Neuseeland einmal gemacht haben 😉 Und er erklärte sich auch sofort bereit, Leute auf dem Parkplatz anzusprechen. Für ihn das erste Mal und nach nur 5 Minuten hatten wir eine Mitfahrgelegenheit in einem Camper. Wunderbar! Unser Shuttle zur Wanderung geht morgen bereits 5.20 Uhr, da ich gerne die Gipfelbesteigung noch machen möchte. Chris, übrigens kein Wanderer, stellt sich der Herausforderung. Von Null auf Hundert, aber er wird definitiv begeistert sein. Gegen 16.30 Uhr trennten sich daher unsere Wege, um noch Snacks für morgen zu besorgen, im Hostel zu chillen und früh ins Bett zu gehen. So schnell hat sich das Problem mit der Einsamkeit erledigt, total verrückt. Danke liebes Universum!


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