Te Araroa: Te Anau bis Longwood Hill – Schlamm, Hitze und der letzte Berg 16.-19.02.2017

​Te Anau bis Aparima Hut

16.02.2017

23 Kilometer 8 Stunden 

Eine windstille trockene Nacht im Zelt. Abends traf ich im Bad noch eine weitere Hikerin, die wir schon öfter getroffen hatten. Irgendwie trifft man hier überall jemanden, den man kennt. Das passiert mir zu Hause in Berlin nicht. Kurz nach 5 Uhr stand ich auf, um noch einmal in den Genuss einer heißen Dusche zu kommen. Die letzte für die nächsten 7 Tage. Nachdem wir alles gepackt und gefrühstückt hatten machten wir uns wieder auf zum Highway um unser Tramperglück zu versuchen. Wir liefen ein Stück, um uns an einer Stelle zu positionieren, wo noch eine weitere Straße auf den Highway läuft. Das Wetter war gut, keine Wolke am Himmel. Allerdings sehr kalt. Es dauert immer ein paar Stunden, bis es die Sonne es geschafft hat, die Luft zu erwärmen. Wir mussten erneut lange warten, bis uns gegen 8 Uhr, nach über einer Stunde, ein netter Kiwi halb erfroren einsammelte. Nach 25 Kilometern setzte er uns am Trail ab. Aufgewärmt waren weder wir noch die Luft. Also mussten wir uns warmlaufen. 

Für Schafe und Kühe sind wir immer eine Attraktion 😉

Zunächst ging es einen Feldweg entlang, vorbei an Schaffarmen und Kuhherden bis zur Lower Princhester Hut, zu der wir eigentlich gestern noch laufen wollten. 

Ab da wurde der Trail dann sehr unangenehm. Nicht nur, dass es im Wald steil auf und ab ging, nein, das alles auch noch im Schlamm. Im Megaschlamm! 

Das soll der Weg sein…Verborgene Schlammlöcher im Farn…

Als es endlich mal aus dem Wald ging, mussten wir durch Sumpfgebiete. Und das nun abwechselnd, Schlamm – Sumpf, über unendlich lange 17 Kilometer. Dann auch noch durch Farn- und Graslandschaften, die so hoch waren, dass wir den Trail nicht sehen konnten. Auch die Trail-Markierungen waren zeitweise schlecht zu finden, so dass ich ein paar Mal den Weg verlor. Über die Flussdurchquerungen muss ich ja nicht berichten. Immerhin wurde dadurch der kiloschwere Schlamm von den Füßen gespült. Alles schrecklich. 

Sumpfgebiete

Wahrscheinlich muss der Trail jetzt nochmal so übel werden, damit man das Ende herbeisehnt. Die Landschaft um uns herum konnte ich gar nicht genießen. 

Bettina ist auch nach dem Hinfallen unglaublich. Sie steht fix auf und marschiert einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Ich habe immer eine Schrecksekunde und brauche 2-3 Atemzüge bis ich mich wieder gefangen habe (übrigens sind alle anderen, die wir in der Hütte trafen auch mehrmals gestürzt). Irgendwie war heute nicht mein Tag. Ich kam nicht richtig in Gang und dann auch noch der ätzende Weg. Kurzzeitig wünschte ich, ich wäre im Auto sitzen geblieben. Unser Fahrer fuhr nämlich nach Invercargill, wo wir circa 9 Tage hin benötigen. 

Aber das hätte ich natürlich bereut. Ich möchte den Trail ja zu Ende bringen, immerhin sind es nur noch knapp über 200 Kilometer in 1,5 Wochen. Ich war froh, als wir endlich an der Aparima Hut ankamen. Vor uns waren 2 Männer bereits da, es wurde aber noch sehr voll. Unter anderem kam auch das zweite amerikanische Pärchen, dass wir letztmals auf dem Queen Charlotte Track getroffen hatten. 

Ich machte mich zum Fluss auf und wusch mich und meine Sachen erst einmal. Der Schlamm hatte sich so in die Haut gefressen, dass es sehr schwer war ihn abzubekommen. Ich kochte dann direkt und verzog mich auf meine Matratze.

Aparima Hut bis Telford Campsite 

17.02.2017

23 Kilometer 9 Stunden 

Ich hatte gut geschlafen und fühlte mich viel besser. Nach dem Frühstück  musste ich erst einmal meine Füße verarzten, die Blasen sind viel besser, immerhin seit 3 Tagen ohne Schmerztabletten. Dafür ist mir die linke Fußsohle an einer Stelle ziemlich tief aufgerissen. Immer was Neues. Aber es lösen sich auch einmal wieder 3 Zehnägel, die blau waren. Also wieder keine offenen Schuhe die nächsten Monate, das kenne ich ja schon… Als wir gegen 7.30 Uhr mit immer noch nassen kalten Schuhen starteten, froren wir wieder sehr. Es ging direkt in den Wald und die Schlammgeschichte von gestern fand eine Fortsetzung, immerhin heute ohne Sumpf, dafür aber auch Null Aussicht. Es wurde sehr warm und in dem feuchten Wald, beim ständigen Auf und Ab schwitzen wir sehr. Einmal stützte ich nicht so weich, rutschte an einer unspektakulären Stelle in eine knietiefe Schlammgrube und schlug mir den Knöchel stark an. Nach ein paar Minuten konnte ich wieder auftreten und im Laufe des Tages wurde es glücklicherweise besser. Da kam die Flussdurchquerung auch mal zur richtigen Zeit, um den Knöchel etwas zu kühlen. Auch die Wairaki
Hut nach 4,5 Stunden war im Wald. Nichts zu sehen, nicht ein Foto gemacht. 

Der Wald ist auch nicht schön. Viel Laubbäume und Farne. Riechen tut er fast nicht, höchstens ab und zu muffig. Da liebe ich doch die Nadelwälder, mit ihrem tollen Geruch. Nach der Mittagspause an der Hütte ging es plötzlich auf 1.000 Meter hoch. Ich dachte, die hohen Berge sind hinter uns und wir gehen nur noch höchsten auf 700 Meter. Wo kam dieser blöde Berg mitten im Wald her? Ich kraxelte irgendwie hoch, klitschnass geschwitzt. Ich glaube nicht, dass wir bisher so viel geschwitzt hatten, wie in den letzten beiden Tagen. Es ging immer höher und höher, immer steiler und steiler. Kurz vorm Ziel waren die Trailmarker alle beschrieben, die einzige Ablenkung, denn ich war ja im Wald mit Null Aussicht. 

Ich fand die Marker ganz witzig, allerdings hat das Mädel richtigen Ärger bekommen. Sie hatte es auf Facebook gepostet, es war als Motivation für ihre Freundin. Anscheinend haben auch andere hier zu kämpfen. Sie hat später allerdings Geld gespendet, für neue Marker. Und tatsächlich an der höchsten Stelle: nur Bettina im Wald, die auf mich wartete. 

Also machten wir noch etwas Pause, bevor wir uns an den Abstieg machten. Allerdings schien Bettinas Karte die falsche Stelle als höchste markiert zu haben und es ging noch höher. Überraschung: 360 Grad Panoramablick bis zur Küste! 

Wir konnten es nicht fassen. Und wir saßen zur Pause in dem blöden Wald! Wir genossen die Aussicht und einige Minuten später traf auch das amerikanische Pärchen ein. Wir beschlossen, bei dem tollen Blick gemeinsam noch auf dem Berg zu bleiben und chillten fast eine Stunde. Wirklich toll. 

Damit hätte ich nicht mehr gerechnet. Vom Gipfel ging es zunächst den Bergkamm entlang, bevor der steile Abstieg, teilweise in rutschigem Geröll anstand. 

Später ging es am Hang lang und über Wiesen, endlich kein Wald mehr und freier Blick. An dem Campingplatz angekommen (Acker/Wiese mit einem Plumpsklo) bauten wir mal wieder unsere Zelte auf, badeten im Fluss…Alles wie immer. Den Amerikanern gefiel der Platz nicht und sie campten nebenan auf privatem Farmland. Das ist verboten, ein Schild wies auch noch einmal darauf hin, naja… Wir fanden den Platz jedenfalls nicht schlecht und machten es uns gemütlich. Sandflies waren natürlich auch da, diesesmal aber nicht ganz so aggressiv, so konnte ich sogar außerhalb meines Zeltes essen (allerdings nur mit langer Kleidung).

Telford Campsite bis Woodlaw Forrest

18.02.2017

35 km 10 Stunden 
Es hatte glücklicherweise nachts nicht geregnet oder gestürmt. Allerdings war die Luft sehr feucht und Zelt und Schlafsack morgens nass. Mein Knöchel hat mich dann doch noch mehr beschäftigt, als gedacht. Ich bin mehrmals vor Schmerzen aufgewacht und morgens war er sehr geschwollen. Also wieder Schmerzmittel. Die Sandflies warteten schon auf uns und waren plötzlich wieder mega aggressiv. Wir starteten erst kurz vor 8 Uhr. 

Zur Abwechslung mal wieder direkt am Beginn eine größere Flussdurchquerung des Wairaki River. Warum versuche ich eigentlich immer abends meine Schuhe zu trocknen? 

Die zweite Überquerung verlief dann über eine Hängebrücke, es geht doch. Dann ging es durch Farmland zunächst entlang und über Zäune in teilweise unwegsamen Gelände, dann aber stundenlang über 10 Kilometer auf unbefestigten Straßen. 

Auch hier erst mal bergauf, 2 Kilometer lang. So hatten wir dann aber tolle Blicke über die Landschaft. 

Unzählige Schafe überall, hin und wieder auch Kühe und Pferde. Leider auch 2 tote Kühe und mindstens 3 tote Schafe, teilweise nur noch Knochen mit Fell. Man lässt die hier anscheinend einfach so liegen… 

Leider nicht das einzige tote Tier unterwegs

Anschließend ging es wieder querfeldein, natürlich bergauf. Die Sonne brannte, hier wollte uns wohl jemand beweisen, dass Neuseeland doch Sommer kann… Die letzten Tage zu viel Bäume und Wald, heute nicht ein bisschen Schatten. 

Zur Mittagspause fanden wir dann doch ein schattiges Plätzchen und versuchten nebenbei unsere Zelte etwas zu trocknen. Vorher stürzte ich aber noch einmal auf einer steil abfallenden Wiese und griff aus Reflex an den angrenzenden Zaun. Dummerweise stand dieser unter Strom. So war ich zumindest ruckzuck wieder hellwach. Nach dem Mittag ging es über eine richtige Straße erneut über Farmland. Wir liefen entlang eines Eukalyptus-Waldes. 

Das ist mal ein schöner Wald. Doch kurz dahinter wieder offene Farmen, Wiesenlandschaften und der Weg gefühlt senkrecht bergauf bis auf über 550 Meter. Kein Baum, kein Wind. Ich dachte, ich bekomme einen Hitzeschlag. Ich kämpfte mich irgendwie hoch und trank unterwegs mein ganzes Wasser aus, es wurde ja direkt wieder ausgeschwitzt. Endlich oben angekommen, kam der Wald und wir relaxten eine halbe Stunde im Schatten. Die ersten Kilometer führten Feldwege durch den Wald, bevor wir zum Schluss noch einmal richtig in den Wald eintauchten mit schwierigen steilen Abschnitten und Schlamm. Ich war froh, dass der Weg heute die meiste Zeit zumindest gut zu laufen war, ohne die ständige Gefahr umzuknicken oder auszurutschen. Mein Knöchel hat sich dabei erholt und die Schwellung nahm im Laufe des Tages ab. Mitten in dem unschönen Wald zeltete das amerikanische Pärchen. Wir wollten aber weitergehen und hofften auf eine bessere Möglichkeit. 

An einem Rinnsal von Fluss musste ich mein Wasser auffüllen und begann mit dem zeitaufwendigen Filtern. Wo bitte sind die Flüsse, wenn man sie tatsächlich mal braucht? Wir beschlossen, hier auch direkt unser Abendessen zu kochen, so konnten wir zumindest das Geschirr noch spülen. Hier waren wir richtig im Outdoorfeeling angekommen. Keine bequeme Hütte oder Kochen am Zelt, sondern einfach mitten im Wald auf 2 Quadratmetern Platz. 

Und immerhin stand heute die erste Nacht für mich an, bei der es keine Möglichkeit zum Waschen gab, kein Fluss weit und breit. Weiter im Wald entlang kamen wir im Nadelwald an, der besser zum Campen ist, da er trockener ist. Aber es dauerte eine Weile, bis wir einen Platz gefunden hatten. Da die meisten Wälder hier sich selbst überlassen sind, ist auch überall Dickicht. Aber wir fanden versteckt eine Möglichkeit und ich versuchte noch etwas meinen Schlafsack zu trocknen. Er blieb aber feucht. Auch das Zelt war nicht wirklich trocken. Nach ein paar Minuten spürte uns witzigerweise ein deutsches Pärchen auf, so gut versteckt waren wir dann doch nicht. Sie gehen auch den Te Araroa, wie Bettina auch den kompletten Weg, und kannten Bettina, da sie ihrem Blog folgen. Schon witzig, wie Bettina ständig erkannt wird. Sie ist eine kleine Berühmtheit hier. Wir quatschten etwas und dann gingen die beiden weiter, sich auch einen Platz zum Zelten suchen. 

Ich hoffe mal wieder auf eine trockene Nacht…

Woodlaw Forrest bis Longwood Hill

19.02.2017

36 km 11 Stunden 

Eine gute Nacht, trocken und windstill. Gegen 7.30 Uhr starteten wir. Zunächst auf gut zu laufenden Wegen aus dem Wald und durch Farmland. 

Unendliche Straße im Nirgendwo und plötzlich eine Telefonzelle…

Wieder viele Schafe, aber auch Kühe und Wild. 

Morgens überlegte ich noch, ob ich nicht aufhöre, irgendwie nach Invercargill fahre und nur noch die letzte Etappe nach Bluff mitlaufe. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, da ich ständig wieder das Gefühl hatte, Bettina aufzuhalten. Als ich sie darauf ansprach, meinte sie natürlich, es sei Quatsch. Sie habe eher ein schlechtes Gefühl, weil sie mich immer noch einen Berg mehr hochjagt. Genauso Quatsch. Außerdem seien wir sehr gut in der Zeit, also kein Grund zur Sorge. So beschloss ich, heute erst einmal weiter zu laufen. Da die Wege gut zu laufen waren, hatten wir mittags bereits 20 Kilometer geschafft. Die Sonne brannte wieder und so waren wir diesmal froh, als es in den Wald ging.

Straßen im Wald…

Zunächst auch hier eine schöne einfache Strecke, wenn auch bergauf. Vor allem viel Eukalyptuswald, der wunderbar roch. Als es allerdings den letzten 800 Meter hohen Berg, den Bald Hill, zu erklimmen galt, mussten wir uns wieder in die Schlammkuhlen werfen. 

Die Schlammbäder nehmen kein Ende und sind noch schlimmer als sie aussehen.

Auf der Hälfte des beschwerlichen Aufstiegs machten wir Mittagspause, so konnten wir die Strapazen etwas abmildern. Und tatsächlich waren wir schneller als gedacht auf dem Gipfel. Allerdings durch einige Schlammlöcher. In einem steckte ich heute sogar bis zum Oberschenkel und hatte einige Probleme, mein Bein wieder herauszuziehen. Auf dem Gipfel angekommen, chillten wir noch etwas mit 3 anderen deutschen Hikern. Leider konnte ich den Ausblick mal wieder nicht einfangen. 

Verschwitzt aber happy 😀

Beim Abstieg mussten wir an einem kleinen Rinnsal Wasser abfüllen und filtern, da auf den nächsten fast 20 Kilometer nichts mehr kam. 

Da haben wir die Tage, an denen wir am meisten schwitzen und dreckig sind, voller Schlamm und es gibt keine Möglichkeit sich zu waschen. Wieso sind die Berge hier so nass, voller Schlamm und Sumpf, aber kein Fluss in Sicht? Sehr seltsam. Heute Vormittag hatten wir an einem Haus  (das einzige Haus an dem Trail) nach Wasser gefragt und unsere Flaschen auffüllen dürfen. Nachdem wir von über 800 Metern wieder abgestiegen waren, standen noch drei 700 Meter hohr Berge an. 

Also wieder bergauf, wieder im Schlamm, auf den Gipfeln Sumpf. Aber die Ausblicke entlohnten, wir können mitterweile das Ziel sehen. 

Selbst der Wald hier war schön. Sehr vermoost, wirkte wie ein verwunschener Märchenwald. 

Auf dem letzten Gipfel beschlossen wir zu zelten. Dies ist nun tatsächlich der letzte Berg, ab jetzt geht es nurnoch bergab Richtung Küste. 

Da wollten wir doch einen Sonnenuntergang sowie einen Sonnenaufgang hier oben erleben. Wir bauten die Zelte auf, versuchten den Schlamm etwas von unseren Körpern zu entfernen und kochten mit tollem Ausblick. Vor dem Sonnenuntergang musste ich mich etwas ins Zelt verkriechen, es wurde doch sehr kühl. Der Sonnenuntergang war traumhaft schön, wenn wir auch anschließend sehr durchgefroren waren. Übrigens: keine Sandflies!!!

Hoffentlich bleibt es windstill, sonst haben wir so ungeschützt ein Problem. 
Jedenfalls bin ich froh, weiter mitgekommen zu sein, es war ein schöner Tag und ich freue mich auf die nächsten!


3 Gedanken zu “Te Araroa: Te Anau bis Longwood Hill – Schlamm, Hitze und der letzte Berg 16.-19.02.2017

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