Te Araroa: Queenstown bis Te Anau – Wetterchaos und Tagträume 11.- 13.02.2017 

Queenstown bis Taipo Hut

11.02.2017 

21 Kilometer 6,5 Stunden 

Eine wunderbare Nacht in einem wunderbaren Zimmer. Ich habe gut geschlafen, bin nur ab und zu aufgewacht. Ich sollte mir zukünftig wohl öfter ein eigenes Zimmer leisten, anstatt immer im Dorm zu schlafen, aber das ist sehr teuer. Mal sehen… Wir hatten morgens bis 8 Uhr Zeit und frühstückten ausgiebig mit Bagel und Rührei. In Queenstown ist der Te Araroa am See unterbrochen und geht erst auf der anderen Seite des Lake Wakatipu am Greenstone Carpark weiter. Man kann für die Überfahrt ein Wassertaxi nehmen, ca. 600 $, sein Glück mit Trampen versuchen oder ein Shuttle für 55 $ pro Person buchen. Wir entschieden uns für den sicheren Weg des Shuttles, das uns 8 Uhr an unserem Hostel abholte. Wir waren die einzigen Fahrtgäste. 

Kurzer Stopp an einem Aussichtspunkt an der Straße

Die Fahrt dauerte über 1,5 Stunden und ich war sehr froh, dass wir es nicht mit Trampen versucht hatten. Der erste Hälfte der Fahrt war auf Serpentinenstrassen, wo kein Auto stoppen konnte, die zweite Hälfte auf unbefestigter, sehr schmaler Straße, fast ein Offroad-Abenteuer, durch 3 Flüsse hindurch. 

An dem Parkplatz des Startpunktes standen zwar einige Autos, allerdings habe ich unterwegs kein Auto außer unserem gesehen. Wer weiß, wie lange wir hätten warten müssen. Da war mir die sichere Variante schon lieber. Die Fahrt an sich lieferte uns tolle Panoramablicke auf die wunderschöne Berglandschaft um Queenstown. Heute morgen hingen Wolken tief in den Bergen, knapp über dem See, die Bergspitzen schauten aber aus den Wolken heraus und zwischendurch schien die Sonne. Ein tolles Naturschauspiel, welches ich aus dem Auto leider nicht fotografieren konnte, aber in meiner Erinnerung ist es gespeichert. 

Der Fahrer, ein netter älterer Herr, erzählte uns viel über Unfälle auf der Zubringerstrasse, Sturm mit umstürzenden Bäumen und Todesfällen im Wandergebiet, Geschichten, die man eigentlich nicht vor dem Start einer Wanderung hören möchte. Aber Unfälle passieren überall und wir ließen uns nicht verrückt machen. Am Greenstone Carpark starten mehrere Wanderwege und so waren wir anfangs erschrocken, als eine Gruppe von über 10 Personen vor uns startete. Aber sie hatten nur Tagesrucksäcke dabei, also keine Gefahr für unsere Plätze in der Hütte. Zunächst ging es zur Greenstone Hut. Einen schönen Waldwanderweg zum Greenstone River und über eine Swingbridge. 

Es ging ab und zu auf und ab, viel im Wald, aber auch durch kleinere offene Täler und an mehreren Wasserfällen vorbei. 

Bereits nach 3 Stunden erreichten wir die Hütte, schneller als angegeben und pünktlich zur Mittagspause. Die Hütte ist sehr schön. Neuwertig und riesig, mit zwei getrennten Schlafsälen und einer richtigen Toilette mit Wasserspülung. 

Die neue Greenstone Hut und die alte Hütte, nun Quartier des Rangers

Aber wir wollten noch bis zur nächsten Hütte, der Taipo Hut. Der Weg führte erst hinauf zum Passburn Valley und dann um dieses herum. 

Es ging über einen Sattel, der jedoch gar nicht so steil und hoch war, sodass wir ihn kaum wahrnahmen. Aus den hohen Bergregionen sind wir nun heraus, daran müssen wir uns erst wieder gewöhnen. 

Auch, dass es hier wieder feuchter ist, das bekamen wir mit riesigen Schlammbädern und Sumpfgebieten präsentiert. Bis 200 Meter vor der Hütte schaffte ich es durch Springen und Balancieren trockene Füße zu behalten, aber dann war es vorbei. Sumpf weit und breit. Kein Stein, kein Baumstamm oder Ast. Also ab in den Schlamm. 

Uns wurde auch schon berichtet, dass dies nur der Anfang sei und auf den nächsten Etappen noch viele Schlammbäder auf uns warten würden. Zweimal landete ich zuvor auch auf meinem Po, einmal ist der Weg unter mir weggebrochen (doch zuviel gegessen?) und das andere mal rutschte ich im Schlamm bergab aus. Aber alles weiche Landungen. 

Die Taipo Hut, eine kleine alte aber gepflegte Hütte, liegt am Mararoa River. Wir hatten Glück und bekamen noch einen Schlafplatz, allerdings zum Kuscheln, da die Matratzen etwas breiter waren und man zu zweit auf einer schlafen musste. 

Nigel, ein Australier, der uns seit ca. 3 Tagen kreuzt und ein amerikanisches Pärchen, das Bettina bereits seit der Nordinsel kennt und die wir vor vielen Wochen auf dem Queen Charlotte Track getroffen hatten, waren auch da. Irgendwie trifft man immer einige bekannte Gesichter. Ich ging zum Fluss zum waschen. Direkt in der Nähe der Hütte ist ein toller Pool im Fluss, da das Wetter aber nachmittags umgeschlagen war, windig, bewölkt und kalt, tauchte ich nicht zum schwimmen ein, sondern beließ es bei einer schnellen Wäsche. In der Hütte dann gemütliches Chillen, lesen, essen und früh schlafen.

Taipo Hut bis Mavora Camping Area

12.02.2017

28 Kilometer 7 Stunden 

Die Nacht war sehr unruhig. Mäuse in der Hütte! Ich nahm meinen Essensbeutel mit ans Kopfende meines Bettes, da ich ihn nirgendwo in der Hütte sicher aufhängen konnte. Allein deshalb schlief ich in „Hab-Acht-Haltung“. Immer wieder hörte ich die Mäuse durch die Hütte rennen und auch über uns, wahrscheinlich im oder auf dem Dach. Ständig rechnete ich damit, dass mich eine Maus ansprang. Bettina schlief auch nicht besser. Der Trail heute war einfach zu laufen, zunächst 12 Kilometer bis zur Boundary Hut parallel zum Fluß. 

Blick zurück zur Taipo Hut mit Swingbridge

Das Wetter spielte etwas verrückt, zunächst starker Wind, dann ab und zu ein paar Regentropfen, dann Sonne. 

Wunderschöner Regenbogen

Aufpassen mussten wir wieder wegen der großen Sumpfgebiete. An der Boundary Hut vorbei überquerten wir den Mararoa River über eine Swingbridge. 

Ab hier wurde der Weg noch einfacher, feldwegähnlich. 

Nicht alles auf dem Trail überlebt…
Stacheldrahtzäune auf dem Trail müssen auch bezwungen werden…

Lediglich riesige Pfützen, fast Seen, waren manchmal schwierig zu umgehen und das ein und andere Mal steckten meine Füße tief im Schlamm. Wir blieben immer weiter im Tal, entlang des Flusses. Irgendwie hatte der Weg heute etwas meditatives, gefühlt immer einfach gerade aus, ohne wirkliche Highlights. So verfiel ich ständig in Tagträume und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Auch einmal schön und in manchen Dingen aufschlussreich. Der Fluss mündete in den North Mavora Lake, einen großen See, an dessen Ufer der Weg nun weiterverlief. 

Auch der Regen kann mir die Laune nicht verderben

Über eine weitere Swingbridge erreichten wir die Careys Hut, in der wir eine lange Mittagspause einlegten, pünktlich, als es richtig zu regnen begann. Nigel und das amerikanische Pärchen waren auch da. 

Nachdem sich der Regen gelegt hatte, liefen wir weiter, immer entlang des Sees bis zur 10 Kilometer entfernten Mavora Camping Area direkt am See gelegen. 

Hier gab es Toiletten und da wir morgen nur ca. 30 Kilometer zu laufen hatten, erneut auf einfachem Weg, beschlossen wir zu bleiben. Außerdem war es unsicher, ob auf den nächsten 10 Kilometern noch ein passender Platz zum Zelten kommen würde. Ich sprang kurz zum Waschen in den See, leider schien die Sonne nicht, sodass es zu kalt war, um länger zu baden. Dann hieß es schnell ins Zelt, obwohl es erst nachmittags und draußen eigentlich schön war und es Picknicktische gab. Aber meine Freunde die Sandflies waren zu Tausenden da und super aggressiv. Nach 10 Minuten, während des Zeltaufbaus, war ich schon total zerstochen. Wer braucht diese Viecher eigentlich? 

Sandflies ohne Ende…Ich kann das Zelt nicht mehr verlassen…

Also las ich im Zelt und kochte später auch drinnen. Dann hieß es früh schlafen legen.

Mavora Camping Area bis Te Anau

13.02.2017

24 Kilometer 6 Stunden 

Die Nacht war windstill, dafür regnete es ununterbrochen. Ich wachte immer wieder auf, da es durch den Regen recht laut im Zelt war. Gegen 4.30 Uhr fror ich ab und zu auch etwas und döste nur noch leicht. Auf Frühstück kochen hatte ich keine Lust, die ersten Sandflies saßen schon wieder in den Startlöchern. Ein Müsliriegel genügte erst einmal. Also packte ich in Ruhe alles zusammen und sobald es richtig hell war, starteten wir. Welche Überraschung, es hatte geschneit! 

Alle Berge um uns herum waren wie mit Puderzucker bestäubt. Und das im Sommer und obwohl die Berge hier gar nicht mehr so hoch sind. Es war allerdings auch sehr kalt. Zwar hatte der Regen aufgehört, aber es herrschte eine eisige nasse Kälte. 

Anfangs ging es nach einer Swingbridge durch ein Tal, mit zum Teil mannshohem Gras. So waren nicht nur die Schuhe direkt wieder nass, sondern auch der Rest. 

Ansonsten führte der Weg 12 Kilometer entlang des Sees uns später des Mararoa River am Waldrand entlang, schöne Waldwege, teilweise sehr rutschig durch den Regen. Das amerikanische Pärchen trafen wir ca. 5 Kilometer vom Campingplatz entfernt in ihrem Zelt. Wir waren froh, dass wir uns gestern richtig entschieden hatten. In dem Wald gab es kaum Möglichkeiten ein Zelt aufzubauen und die beiden hatten auch keinen wirklichen guten Platz gefunden, zelteten fast auf dem Trail.

Nach einer Weile kämpfte sich die Sonne durch und der South Mavora Lake sah wunderschön aus. Strahlte Ruhe und Frieden aus. Ich träumte schon wieder ständig vor mir hin und vergaß dabei, Bettina an den Fersen hängen zu bleiben, sodass ich ab und zu echt Gas geben musste, um sie wieder einzuholen. 

Eine Flussüberquerung bescherte uns dann auch endlich total durchgeweichte Schuhe mit pitschnassen Füßen… An der Swingbridge nach 12 Kilometern mussten wir uns entscheiden, ob wir weiter dem Trail folgten oder einer unbefestigten Straße über 39 Kilometer. 

Der Trail war abhängig vom Wasserlevel des Mararoa River und der war wirklich hoch und hatte starke Strömungen. So entschieden wir uns für die Straße. Wieder verfiel ich ständig in Tagträume… Nach circa 2 Stunden setzte Regen mit Hagel und kaltem Wind ein. Es sah auch nicht so aus, als sei es nur ein kurzer Schauer. So wollten wir versuchen, ein Auto zu stoppen, in den letzten Stunden sind ca. 3 vorbeigefahren. Nach einer Weile nahm uns ein Farmer ein paar Minuten mit. Dabei überholten wir Nigel, der sich anscheinend auch gegen den Fluss entschieden hatte. 

Endlose Straße

Nach weiteren circa 2 Kilometern zu Fuß kam ein anderes Auto vorbei, hielt aber nicht. 200 Metern später stoppte es dann doch und winkte uns zu kommen. Also mit Rucksack auch noch joggen. Der Fahrer setzte seinen Freund zum Angeln ab und wollte uns die 10 Kilometer zum Highway mitnehmen, von dem aus wir nach Te Anau trampen wollten. Eigentlich war für heute noch eine Nacht im Zelt geplant, aber bei dem Wetter in unsere sowieso noch nassen Zelten, das musste nicht sein. Der Fahrer, ein ehemaliger Polizist, fuhr uns dann doch noch die 30 Kilometer bis Te Anau, da der Regen immer schlimmer wurde und er sich schlecht gefühlt hätte, uns an der Straße abzusetzen. So nett! Er fuhr auch noch einen Umweg, damit wir einen schöneren Weg fuhren und er uns einige Dinge in der Umgebung zeigen konnte. Er war sehr stolz auf seine Heimat. Somit hatten wir ein schönes Touristenprogramm. Unfassbar. Er setzte uns am YHA Hostel ab, indem wir für morgen bereits eine Reservierung hatten. Allerdings war es heute ausgebucht und wir konnten nicht bleiben. Bettina telefonierte alle anderen Hostels ab, alle ausgebucht. Im Holiday Park gab es schließlich noch die Möglichkeit 2 Einzelzimmer für je 45 $ zu buchen, also schlugen wir zu und liefen die knapp 2 Kilometer bis dahin. Wir waren froh, im Warmen und Trockenen zu sein, uns uns unter einer heißen Dusche aufzuwärmen, ich war so durchgefroren. Durch die Einzelzimmer (erinnerte an ein Studentenwohnheim) konnten wir unsere Sachen auch gut ausbreiten und trocknen. Wir verließen die Anlage nicht mehr und erholten uns bei Kaffee und Kuchen, Nachmittagsschlaf, kochen und einfach chillen. 


2 Gedanken zu “Te Araroa: Queenstown bis Te Anau – Wetterchaos und Tagträume 11.- 13.02.2017 

  1. geliebte Freundin,
    ich freue mich über jeden Beitrag, beim lesen deiner Worte füllt sich mein Freundinnenherz! Manchmal kullern mir die Tränen (vor Freude, oder wenn du Schmerzen hast) sehr oft lache ich auch, ich freue mich so sehr für Dich! Seit einigen Tagen habe ich richtige Sehnsucht nach Dir, du bist mir einfach zu weit weg! Gestern hätte ich gern an deinen Tagträumen teilgenommen und mit dir Eis geschleckt 🙂
    Nun kommen die letzten Tage des Trails auf Dich zu, ich sende dir alles was du brauchst für den Endspurt!

    Cousini und ich waren vor einigen Tagen Singen, es war ein richtig schöner Abend, unter anderem sangen wir ein Lied in Maori Sprache, es ist doch verrückt, es gibt 100000000000000 Lieder und Texte und wir singen in der Sackeifel Maori Lieder?! Nun… da du mich kennst, muss ich nicht groß erklären wie ich das empfunden haben.

    Ich summe diese Worte zur Zeit ständig vor mich her:

    Te Aroha
    Te Whakapono
    Te Rangimarie,
    Tatou Tatoue

    übersetzt:
    Friede sei in Dir
    Liebe hülle Dich ein
    Sei getragen von Vertrauen,
    all das mögen sein ❤

    und DAS IST ALLES 🙂

    PS: bin ich froh das es hier keine Sandflies gibt 😉

    LOVE !!!!

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