​Greymouth – alles kommt anders… 21.-22.01.2017

Nachdem ich aus meinem Hostel in Christchurch ausgecheckt und ein paar Lebensmitteleinkäufe erledigt hatte, machte ich es mir 2,5 Stunden am Busbahnhof gemütlich, las und schrieb Postkarten. Auf das Museum, was ich eigentlich anschauen wollte hatte ich irgendwie keine Lust mehr. Als mein Bus kam, war der Fahrer sehr überrascht, das ich da war, da ein Halt in Arthur’s Pass nicht möglich sei, der Highway sei immer noch aufgrund der Überschwemmungsschäden gesperrt, frühestens in 2 Tagen (Montag) wieder geöffnet. Ich hatte eigentlich einen Anruf der Agentur erhalten sollen. Tatsächlich hatte ich gestern eine Voicemail erhalten, diese aber vergessen abzurufen. Es bestanden daher die Möglichkeiten nach Greymouth mitzufahren (ca. 1,5 Stunden an Arthur’s Pass vorbei an die Westküste) und eventuell von dort frühestens Montag zurück nach Arthur’s Pass, oder noch in Christchurch zu bleiben. Bedenkzeit 5 Minuten und kein WLAN an Board. Also entschied ich spontan, bis Greymouth mitzufahren und dann weiter zu sehen. Der Busfahrer informierte sein Büro und bat, für mich eine Backpacker-Unterkunft zu reservieren. Ich schrieb noch schnell meiner bereits gebuchten und bezahlten Unterkunft in Arthur’s Pass eine Mail, dass ich nicht kommen kann und hoffte, dass ich die gebuchten Nächte auf später verschieben kann, bzw. mir die Kosten erstattet werden. Abends hatte ich auch die Antwort, dass ich mir keinen Kopf machen solle und mich melden soll, wenn ich Näheres weiß.
So fuhr ich mal spontan von der Ost-an die Westküste.

Das Busbüro rief ein paar Minuten später zurück und teilte mit, dass es mir ein Hostel für 2 Nächte gebucht hätte. Bezüglich Mehrkosten, da ich nun ja weiter fuhr, äußerte sich niemand (so landete ich für 38 statt 51 $ in Greymouth, muss hier aber auch irgendwie wieder wegkommen). Aufgrund der Straßensperren um Arthur’s Pass musste der Bus einen ca. 100 km Umweg fahren, daher statt meinen vorgesehen 1,5 nun 5 Stunden Fahrt. Der Busfahrer hatte anscheinend Gefallen an mir gefunden und redete ständig mit mir, ich verstand allerdings nichts. Im Gegensatz zu dem Fahrer gestern nach Akarua (den ich sehr gut verstand) sprach er einen seltsamen Dialekt. So fuhr ich die komplette Route zurück, die ich von Boyle Village gekommen war. Der Fahrer zeigte mir die Überschwemmungsschäden, aufgrund der dieser Highway Anfang der Woche gesperrt war. Erschreckend, wie hoch der mittlerweile wieder normale Fluss angestiegen war. Im Übrigen regnete es die ganze Zeit in Strömen, ein Ende nicht absehbar. Statt am normalen Busstopp fuhr mich der Fahrer direkt vor die Tür meines Hostels. Wieder unfassbar nett! Ich war sehr überrascht, fand ich mich doch in einem wunderschönen familiären Hostel wieder. Das Noahs Ark Backpackers befindet sich in einem ehemaligem Kloster, ein sehr schönes Haus. Ich bekam ein Bett im Schaf-Frauen-Raum „sheep“.

Mein schönes Hostel Noahs Arc.

In der Küche traf ich die Mutter mit ihren 2 Kindern aus Israel wieder, die auch in Collingwood/Golden Bay die ganze Zeit mit in unserer Unterkunft war. Neuseeland scheint tatsächlich klein zu sein. Ich hörte im Hostels, dass die Straße nach Arthur’s Pass angeblich erst am Dienstag wieder geöffnet würde, ich hoffte trotzdem auf Montag. Da auch der Transalp-Zug die Strecke fährt, versuchte  ich diesen zu buchen, trotz der hohen Kosten, aber er war nicht buchbar, entweder tatsächlich ausgebucht oder er fährt auch nicht aufgrund der Schäden (wie ich später erfuhr, konnte er nur noch Richtung Christchurch von Arthur’s Pass fahren, da die andere Richtung tatsächlich vom Erdrutsch betroffen war). Und zu allem Übel meldete sich Bettina abends und teilte mir mit, dass sie gerade in Arthur’s Pass angekommen sei, nach 2 krassen Tagen. Wie konnte sie denn so schnell dahin kommen? Und wie geht es jetzt weiter? Ich wollte auf gar keinen Fall, dass sie so lange auf mich wartet. Also alle Pläne erneut umwerfen? Das war mir erst einmal alles genug und ich las noch ein wenig über Greymouth, schrieb noch ein paar Postkarten und legte mich schlafen. Vielleicht sähe die Welt am nächsten Tag schon wieder ganz anders aus…

Es regnete die ganze Nacht und nach dem Frühstück sah es auch nicht so aus, als wollte der Regen aufhören, also verzog ich mich wieder auf mein Zimmer. Selbst in Regenkleidung war ein Spaziergang nicht möglich, so heftig regnete es. Bettina berichtete, dass sie früher den Te Araroa verlassen musste, da es alles viel zu gefährlich war und durch den neuen Regen noch viel gefährlicher wurde. Die beiden letzten Tage wären der Alptraum des Trails gewesen. Ohne Begleitung, sie hatte Shelley getroffen, der wir schon früher begegnet waren, hätte sie es nicht durch die Flüsse geschafft. Der Trail war an vielen Stellen überspült, zu großen Teilen ganz weggespült, vor allem an steilen Hängen. Die beiden waren pitschnaß und kalt genau dort herrausgekommen wo der Erdrutsch war und die nette Polizei hat sie bis Arthur’s Pass gebracht. Sie schickte mir Fotos vom Erdrutsch und der ist definitiv nicht bis Dienstag beseitigt! Mehrere 100 Meter ist der Berg auf den Highway gerutscht und hat diesen unter sich begraben. Sie selbst müsse zumindest einen Tag Pause machen, wegen dem schlechten Wetter und weil sie ihr Knie verletzt hat, als sie mit Shelley im ersten Fluß gestürzt ist. Ich bin so froh, dass sie jetzt in Sicherheit ist und dass ich genau zum richtigen Zeitpunkt meinen Urlaub vom Trail genommen habe. Da es nun klar war, dass ich keinesfalls nach Arthur’s Pass kommen würde, planten wir getrennt und würden schauen, wann wir uns wo wieder treffen würden. Also buchte ich Bus und Unterkunft und fahre morgen zum Franz Josef Gletscher, in der großen Hoffnung, dass sich das Wetter endlich bessert. Bettina konnte übrigens meine Hostelbuchung in Arthur’s Pass übernehmen, somit kein Kostenverlust.

Gegen 13.30 Uhr beschloss ich trotz des Regens einen Spaziergang durch Greymouth zu machen. Greymouth ist die größte Stadt an der Westküste (trotzdem sehr klein für eine Stadt) und nicht wirklich einladend. Lediglich der verblichene Charme einer ehemaligen Goldgräber- und Kohlesiedlung. Daran erinnern alte Minenwagen und 2 verrostete große Kräne am Hafen. 

Der Floodwall Walk, ein schön angelegter Fußweg, führt entlang des Flusses Grey bis zu dessen Mündung in die Tasmanische See. 

Und tatsächlich, Greymouth hat einen riesigen Strand! 

Natürlich kein Sand, sondern graue Steine, Grey eben….Allerdings wunderschön. Das Meer ist wie überall an der Westküste sehr aufbrausend, riesige Wellen, sehr laut. Unglaublich, aber kaum hatte ich den Strand erreicht, hörte es tatsächlich auf zu regnen. Der Nebel verzog sich etwas aus den unmittelbaren Bergen um den Ort und in der Ferne konnte ich die schneebedeckten Gipfel des Alpenkammes sehen. Bei klarer Sicht ist Greymouth mit Sicherheit um einiges schöner, es liegt zumindest in traumhafter Lage, hohe Berge und Meer zusammen, meine perfekte Konstellation. 

Ich setzte mich an den Strand, der nur mir gehörte und beobachtete das Treiben der gigantischen Wellen. Nach einem langen Strandspaziergang ging ich noch zur Mündung des Grey-River, die gleichzeitig die Hafeneinfahrt ist. 

Blick vom Meer auf die Mündung des Grey-River
Hier trifft der Grey-River auf die Tasmanische See

Was für ein Spektakel, meterhohe Wellen preschen vor die Hafenmauer und schossen in die Hafeneinfahrt, dabei hatten wir keinen starken Wind. Was hier bei Sturm los ist, kann ich mir nicht vorstellen. 

Auch die Möwen schauen sich das Spektakel an…

Es war leider auch eine große Gedenktafel für all jene angebracht, die hier im Wasser gestorben sind, jüngst 2013. Ausserdem gab es bereits 49 Schiffe, die hier zum Wrack wurden. Was für ein Schicksal, die Fahrt übers Meer überstanden und dann am Hafen gekentert. Die Fotos waren gruselig. 

Gegen Abend zurück in meiner Unterkunft konnte ich mich tatsächlich auf die Veranda setzen, da es trocken blieb. Nach etwas lesen, Blog schreiben, anschließend kochen unterhielt ich mich noch mit einem Holländer, der schon oft in Neuseeland war. Wir schauten zusammen eine Reportage über den Wiederaufbau von Christchurch, Kosten 28 Billionen $. Kein Wunder, dass es so aussieht wie es derzeit aussieht. Gegen 21.30 Uhr verkroch ich mich dann in mein Zimmer. Doch noch ein schöner entspannter und interessanter Tag.


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