Venedig – meine Perle 01.-02.09./09.-11.09.2016

„Venedig, eine stinkende überbewertete Stadt, nicht sehenswert.“ So viel zu dem, was in meinem Kopf verankert war. Da ich mich allerdings mit meiner Freundin Bettina in den italienischen Dolomiten treffen wollte, war Venedig der bestmögliche Ausgangspunkt für die An- und Abreise. Und wenn ich schon über diese Stadt anreisen musste, wollte ich sie mir natürlich auch anschauen. venedig2

Los ging es am Donnerstag. Bis 13 Uhr wütete ich noch im Büro, total angemessen im Outdoor-Outfit, da ich ja nur Handgepäck gebucht hatte und mein Hauptaugenmerk auf den Bergen lag. Die Anreise nach Venedig mit Ryan Air klappte problemlos. Wie üblich ging ich zu Fuß vom außerhalb gelegenen Busbahnhof in die Stadt, obwohl mir am Flughafen wegen der Dauer abgeraten wurde. Aber das schreckt mich ja nicht ab. Erstaunlicherweise habe ich mich sehr schnell zu Recht gefunden und musste nicht lange nach meinem Hostel, dem B&B Bella Venezia, im beliebten Stadtteil Cannaregio suchen. 6Das Hostel war sehr sauber und lag direkt am Kanal (wie fast alles in Venedig). Da es schon früher Abend war, schlenderte ich ziellos zwei Stunden durch die Stadt und genoss den Sonnenuntergang mit herrlichem Licht über der Stadt. Da ich nicht einkehren wollte, aß ich ein Focaccia am Kanal und spazierte durch das junge Barviertel in Cannaregio zurück zum Hostel. Es herrschte ein tolles Feeling in der Stadt, heiße Sommernacht, total romantische Stimmung. Mein Hostelzimmer teilte ich mir mit Mandy, einer Deutschen die sich durch Italien treiben ließ; spät nachts kamen noch zwei Männer dazu, obwohl wir ein Frauenzimmer gebucht hatten, aber das störte mich nicht. venedig1

Am Freitag bin ich schon gegen acht Uhr aus dem Hostel. Da ich bis zum frühen Nachmittag Zeit hatte, bevor mein Zug in die Berge fuhr, spazierte ich quer durch die verschiedenen Viertel der Stadt. Erstaunlicherweise waren schon verhältnismäßig viele Menschen unterwegs, was ich in anderen Städten bisher so nicht erlebte. Zufällig landete ich am Markusplatz, der noch relativ leer war und genoss mein Frühstück, was ich mir abends besorgt hatte, und die Aussicht über den Platz. Nach und nach wurden die Touristenbuden angekarrt und aufgebaut und die Menschenschlangen am Dom nahmen immer mehr zu. Ich schlenderte weiter und fand einen netten Platz zum Kaffee trinken und lesen, über den Kaffeepreis spreche ich lieber nicht. Nachdem ich im Hostel meine Sachen geholt hatte, gönnte ich mir ein Eis und setzte mich mit meinem Buch noch etwas ans Wasser. Bei einem netten Touri-Stand kaufte ich mir ein Armband, was ich sonst nie tue, aber irgendwie hat mich die Stadt in ihren Bann gezogen. Am Kanal wurde ich von einer netten Kalifornierin angesprochen und wir quatschten etwas. Sie war beruflich für einen Tag hier und bewunderte beim Abschied mein gutes Englisch…(wer mich kennt, weiß, was das für mich heißt…). Total entspannt erreichte ich um 13.50 Uhr meinen Zug nach Trento.venedig3

Ich fühlte mich so wohl und entspannt in Venedig, alles war sauber, überall herrschte eine romantische idyllische Stimmung, es gab viele nette Menschen, die einem ein Lächeln schenkten. So freute ich mich schon auf meine Rückkehr am folgenden Wochenende.

5Am folgenden Freitag fuhr ich mit dem Zug von Trento zurück nach Venedig, wo ich gegen 18.30 Uhr ankam. Erneut fand ich direkt den Weg zum Hostel, diesmal das wunderbare We Crociferi Venezia, ein ehemaliges Kloster. Unterwegs habe ich mir im Vorbeigehen noch eine Handtasche gekauft, musste sein. Das Hostel ist der Hammer, ich konnte es gar nicht fassen. Statt dem gebuchten Acht-Zimmer-Raum bekam ich ein Appartement mit riesiger Küche und Bädern, drei Doppelzimmern und sogar Handtüchern. Das Hostel ist nicht preiswert, aber für die Lage und Ausstattung, inclusive Frühstück wirklich gut. Die erste Nacht hatte ich mein Doppelzimmer sogar für mich allein. Ich machte noch einen Spaziergang im Sonnenuntergang und gönnte mir eine leckere Spinat-Ricotta Pizza vor der Tür des Hostels mit Campari Soda…La dolce Vita!

Samstag frühstückte ich zunächst im Hostel. Es wurde ein Buffet angeboten, was ausreichend war. Dann machte ich erneut einen großen Spaziergang quer durch die Stadt. Gegen Mittag wurde es allerdings sehr voll in der Innenstadt. Zufällig landete ich auf dem großen Rialto Markt mit Fisch, Meeresfrüchten, Obst, Gemüse. Sehr empfehlenswert. venedig4Nach ca. vier Stunden ging ich zurück zum Hostel und genehmigte mir einen Mittagsschlaf. Mit Käse und Crackern setzte ich mich anschließend in der Nähe des Hostels ans Wasser und beobachtete die vielen Boote und Fähren. Das Treiben war sehr interessant und abwechslungsreich. Mit einem Eis und meinem Buch machte ich es mir auf dem Platz vor dem Hostel gemütlich und beobachtete die Kinder beim Fußballspielen und die vielen verliebten Pärchen an der anliegenden Brücke. Beim Abendspaziergang gönnte ich mir nochmals ein leckeres Getränk und eine Kleinigkeit zu essen, die Italiener können einfach zu gut kochen, bevor ich aufs Zimmer ging, was ich mir diese Nacht mit einer weiteren Frau teilte.

4Das Frühstück am Sonntag genoss ich gemeinsam mit meiner Zimmernachbarin. Sie ist Sizilianerin, die in Rom lebt und zur Biennale di Venezia in der Stadt war. Sie liebt Berlin und würde gerne hierhinziehen. Neben vielen Vorzügen der Stadt schwärmte sie vor allem vom öffentlichen Nahverkehr, da merkt man wieder, auf welch hohem Level wir jammern, wenn mal eine S-Bahn ausfällt, woanders gibt es gar keine bzw. nicht so oft.

Am Campo Apostoli vor der Kirche setzte ich mich noch etwas mit meinem Buch. Um mich herum waren alles Einheimische, die sich zum Sonntagvormittag hier trafen und quatschten, Zeitung lasen oder auch einfach nur das Treiben beobachteten. Mit einem kleinen Imbiss setzte ich mich später wieder ans Wasser bevor ich langsam zum Flughafenbus spazierte.3

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Obwohl Venedig nie auf meiner to-do-Liste stand, war ich von der ersten Minute an absolut überwältigt! Paris und Rom hatten für mich nichts romantisches, daher bin ich entsprechend auch von Venedig davon ausgegangen, dass alles übertriebenes Geschwätz sei. Aber Venedig ist Romantik pur! Die prunkvollen Prachtbauten treffen auf bröckelnde Fassaden der Wohn-und Geschäftshäuser, große Plätze auf schmalste Gassen. Man kann sich tatsächlich noch vorstellen, wie früher hier gelebt wurde, abgesehen von den mittlerweile viel zu vielen Motorbooten… Ja, Venedig wird von Touristen überrannt und vor allem am Wochenende ist es voll, trotzdem verliert die Stadt dadurch an nichts. Früh morgens und abends, wenn die Tagesgäste wieder weg sind ist die Idylle wieder hergestellt. Und treibt man sich wie ich abseits der touristischen Highlights herum, findet man immer einsame relaxte Ecken.

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Ciao Venezia, du öffnest mein Herz, ich komme wieder, mit einem Mann, den ich liebe…

 


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