Alpenüberquerung 11.-18.07.2014

Alpenüberquerung auf dem E 5 von Oberstdorf nach Meran 

47,45

Einmal zu Fuß über die Alpen!

Sicherlich ein Abenteuer und eine Herausforderung zugleich! Eingerahmt von der manchmal lieblichen, oft imposanten, vielerorts märchenhaften, aber auch respekteinflößenden Gebirgslandschaft ist diese Tour ein besonderes Highlight in den Alpen. Die für die Allgäuer Alpen typischen Blumenwiesen und steilen Grasberge, atemberaubende Ausblicke auf markante Felsformationen in den Lechtaler Alpen, die beeindruckenden Gletscher und gewaltigen Bergriesen in den Zentralalpen und das bereits mediterrane Klima in Meran haben diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Zunächst wollte ich die Tour allein machen, aber eine Freundin, die alpenerfahren ist, riet mir, zumindest beim ersten Mal in den Alpen einen Bergführer in Anspruch zu nehmen. Also entschied ich mich zu einer Tour mit dem DAV Summit Club. Der E 5 ist sehr gut beschildert und gut ohne Guide machbar. Allerdings empfiehlt es sich, zumindest zu zweit zu gehen, vor allem über Schnee- und Gletscherabschnitte.

Auch wenn man oft hört, dass der E 5 überlaufen ist, kann ich das nicht bestätigen, zumindest nicht während meiner Reisezeit. Weite Strecken waren wir allein und abends umso überraschter, als wir die gleichen Leute wie am Vorabend wieder auf den Hütten antrafen, obwohl wir ihnen unterwegs gar nicht begegnet waren.

Startpunkt war Oberstdorf. Ich reiste bereits einen Tag früher an, da die Strecke von Berlin nicht gut angebunden ist und daher viel Zeit in Anspruch nimmt. Oberstdorf liegt in den Allgäuer Alpen und ist heilklimatisierter Kurort und Kneippkurort. Außerdem dienst es mit seinen alpinen Skigebieten am Nebelhorn, dem Söllereck und dem Fellhorn/Kanzelwand, den Langlaufloipen, dem Eisstadion und auch den Skisprungschanzen und auch der Skiflugschanze als Wintersportplatz und ist zudem ein beliebtes Ziel für Bergsteiger. Da wir uns am ersten Tag erst um 13 Uhr trafen, nutze ich den halben Tag um Oberstdorf und die direkte Umgebung etwas zu erkunden. Ich wanderte zu den Ski-Schanzen und in einem großen Bogen um die halbe Stadt herum. Eine sehr schöne Umgebung und auch der Ort machte einen gemütlichen Eindruck. Gegen Mittag stieg natürlich die Spannung, was und vor allem wer mich erwarten würde. Ich bin nicht unbedingt der Gruppen-Reise-Typ, sondern lieber allein oder mit Freunden unterwegs. Allerdings erwies sich die Gruppe als sehr angenehm und im Laufe der Zeit, wurde es sehr lustig und ungezwungen.

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Ski-Schanzen in Oberstdorf

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  1. Tag: Kemptner Hütte, 1840 m

13 Uhr traf sich unsere Gruppe mit unserem Bergführer in einer Gaststätte in Oberstdorf. Nach einer kurzen Vorstellung ging es per kurzer Taxifahrt in die Spielmannsau. Von der Spielmannsau aus ging es über einen mittelschweren, alpinen Anstieg. Etwa nach der Hälfte des finalen Hüttenanstiegs erreichten wir eine kleine Kapelle am sogenannten Knie. Hier machten wir eine kurze Pause und nahmen einen kleinen Snack ein. Da es mittlerweile begonnen hatte zu regnen, zogen wir spätestens hier unsere komplette Regenausrüstung über. Wetterbesserung war nicht in Sicht. Im anschließenden Sperrbachtobel wurde zum ersten Mal bereits ein gewisser Grad an Schwindelfreiheit gefordert, bevor wir über das obere Mädele unser erstes Etappenziel erreichten. Es war ein sehr abwechslungsreicher Hüttenaufstieg durch malerische Trettachtal und das wilde Sperrbachtobel zur Kemptner Hütte. Der Regen und Nebel verwandelten das Gebirge und gaben ihm etwas Mystisches. Glücklicherweise konnten wir auf dem letzten Stück unseren Rucksack in die Materialseilbahn legen. Auf der Hütte angekommen, brachten wir unsere nassen Sachen in den Trockenraum und wärmten uns bei einem guten Abendessen.

Hm ↑ 850 Gehzeit 3 Stunden

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  1. Tag: Memminger Hütte, 2242 m

Eine in vieler Hinsicht abwechslungsreiche Hüttenverbindung. Bergauf-bergab ging es von Deutschland nach Österreich und von den Allgäuer in die Lechtaler Alpen. Von der Kemptner Hütte führte der Weg anfangs hinauf ins Mädele Joch auf 1974 m, wo er die Grenze nach Österreich überschritt.43 Am höchsten Punkt angekommen, führte die Route teilweise recht steil bergab durch das Höhenbachtal Richtung Holzgau im Lechtal, 1103 m. Am Parkplatz in der Nähe der Materialseilbahn Talstation angekommen, ging es durch teilweise dichtes Gebüsch und durch wunderschöne, blumenreiche Almwiesen in ca. 2 ¼ Stunden hinauf zur Memminger Hütte. In Holzgau, wo wir eine längere Rast machten, entschieden sich einige andere Wanderer dazu, nicht zur Memminger Hütte zu gehen, sondern im Ort zu bleiben, da Deutschland an diesem Abend im Finale der Fußball-WM stand. Die Hütten auf unserer Tour waren zwar alle bewirtschaftet, Radio-, TV- oder Handyempfang oder warmes Wasser waren allerdings nicht vorhanden. 113Wir hofften trotzdem, dass wir auf der Hütte irgendwie von dem Ausgang des Spiels erfahren würden. Und tatsächlich hatten sich die Hüttenwirte ins Zeug gelegt und über das Satellitentelefon die Radioübertragung des Spiels hinbekommen. So war der Gastraum der Hütte am Abend gefüllt mit lauschenden Bergsteigern. Es war eine tolle Atmosphäre, hoch angespannt, jeder konzentriert…es kam mir vor, als wäre es die WM von 1954. Ein tolles Erlebnis, insbesondere natürlich, weil Deutschland Fußball-Weltmeister wurde! Die Hüttenwirte nahmen an diesem Abend auch die Schließzeit von 22 Uhr nicht ernst und nach Spielende verschwanden die Wanderer sowieso sehr schnell in den Bettenlagern, da die Meisten gegen 6 Uhr morgens schon wieder weiterzogen.

Hm ↑ 960 ↓ 900 Gehzeit 5–6 h

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Holzgau

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  1. Tag: Zams, 767 m, im Inntal

Der steile und sehr lange Abstieg durch das Zamser Loch belohnte mit einer märchenhaften Berglandschaft, führte aber insbesondere ungeübte Beine und Oberschenkel an ihre Grenzen. Nach dem Aufbruch von der Hütte ging es an den drei malerisch gelegenen Seewiseen vorbei, ca. 350 Höhenmeter hinauf über teilweise steilere Kehren und schmale Wege zur 2599 m hoch gelegenen Seescharte. Hier am Übergang lohnte es sich für einige Zeit zu verweilen um den herrlichen Ausblick ins Zamser Loch und die übrige Umgebung (Lechtaler Alpen und den Alpen-Hauptkamm) zu genießen. Wir hatten Glück und konnten die meist sehr scheuen Steinböcke sehen und fotografieren. Mit Hilfe der Hände kletterten wir über die felsige Scharte. Weiter ging es 1800 Höhenmeter bergab! Der Abstieg führte zunächst über steile Felsschotter und anschließend über Kehren hinab zur Oberlochalm, 1799 m, eine Hochebene mit märchenhaften Bergwäldern tiefer ins Tal. Ab hier begleitete uns der Lochbach auf dem Weg nach Zams im Inntal. Spektakulär war der Weg durch das Zammer Loch mit seinem Wasser-Erlebnis-Steig. Eine Pause legten wir auf der Unterlochalm im Zamsloch ein. Mittlerweile hatten sich auch die letzen Wolken verzogen, es war warm und sonnig, die Kühe liefen um uns herum…einfach herrlich! Vor allem nach den verregneten ersten zwei Tagen und den schrecklichen Minuten am Abend, wenn es durchgefroren noch unter die kalte Dusche ging und am Morgen, wenn man in die nassen Sachen wieder hinein musste, die natürlich nicht in den Trockenräumen trocken wurden. Der Weg von der Alm war noch weit. Selbst wenn man den Dächern von Zams schon ganz nahe schien, gab es noch einige steil nach unten führende Serpentinen zu überwinden, bevor wir den Talboden erreichten. Von hier war es nicht mehr weit bis zum Zentrum von Zams, wo wir eine Hotelunterkunft hatten. Statt uns etwas in einem richtigen Bett schlafen zu legen oder Wäsche zu waschen, gönnte ich mir mit einer Mitreisenden ein erfrischendes Weizenbier auf unserem Balkon und wir genossen die Sonne. Als ich das Bier an der Hotelbar holte, wurde ich etwas unfreundlich von den Einheimischen Österreichern angepöbelt, die dort saßen. Sie gönnten uns Deutschen den WM Sieg nicht. Ich erwiderte freundlich, dass wir es auf jeden Fall verdient haben und ich mich darüber freuen würde und zog mit dem Bier schnell wieder ab. Mir war bisher nicht klar, dass es anscheinend eine Feindschaft zwischen den Österreichern und den Deutschen gibt. Meine Mitwanderer berichteten mir aber, dass sie schon oft in Österreich als Deutsche schlecht behandelt wurden. Schade! Am Abend teilte uns eine Frau aus unserer Gruppe mit, dass Sie die Wanderung nicht fortsetzen würde, da sie unser Wander-Niveau nicht halten könne. Sie blieb ein paar Tage im Hotel und wir trafen sie in Meran wieder.

Hm ↑ 360 ↓ 1840 Gehzeit 5–6 h

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Beeindruckende Spiegelung

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Steinböcke

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Der beschwerlicher Aufstieg am frühen Morgen lohnt sich….

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Trittsicherheit braucht man

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Toilette auf der Alm

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lecker….

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  1. Tag: Braunschweiger Hütte, 2758 m

Wir befanden uns mittlerweile im Zentrum der Alpen, abwechslungsreich und eindrucksvoll! Konditionell vor allem aufgrund des finalen Hüttenanstieges am Nachmittag aber sicherlich eine der anstrengendsten Etappen. In der Früh ging es mit der Venet-Bergbahn auf den 2208 m hohen Krahberg. An der Bergstation angekommen, führten zwei Varianten nach Wenns im Pitztal. Wem der Abstieg über das Zamser Loch noch in den Knochen steckt, wird sich hier für die angenehme und zeitsparende Variante über die Goglesalpe direkt nach Wenns entscheiden. Für konditionsstarke Bergsteiger empfiehl sich die aussichtsreiche aber auch anspruchsvollere Gipfeltour über die Glander Spitze (2512m) und das Wannejöchl (2497m) nach Wenns. Da die Gipfeltour komplett in dicken Wolken hing, wir also keine Aussicht gehabt hätten, entschieden wir uns für die Panoramatour, die sich wirklich lohnte. Unterwegs genossen wir ausgiebig auf einer Alm frisch gebackenen Kuchen in der Sonne, bevor wir weiter nach Wenns wanderten. In Wenns, 1300 m, angekommen, ging es nun ein Stück mit dem Bus nach Mittelberg. Am Talende des Pitztales führte der Hüttenanstieg von der Bushaltestelle über die Materialseilbahntalstation, dem Mittelbergferner entgegen. Hier konnten wir unsere Rucksäcke in die Materialseilbahn verladen, um dann noch den steilen Aufstieg zur Hütte zu bewältigen. Zunächst entlang eines Gletscherbaches, später über einige steile Serpentinen stieg der beeindruckende Weg zur Braunschweiger Hütte auf. Der Blick auf den Gletscher und die Feststellung seines erschreckenden Rückganges in den letzten Jahren waren einfach nur beeindruckend und machten sprachlos. Ein finaler Tagesanstieg, für den noch einmal viele Kräfte mobilisiert werden mussten.

126In der Hütte angekommen, war unsere Gruppe schnell beim Bier versackt und wir waren so eine lustige Runde, dass man sich vorkam wie früher als Kind im Ferienlager. Wir hatten zusammen ein abgetrenntes Lager und lachten noch sehr lange, die Beschwerden der anderen Wanderer, die wegen unserem Lärm nicht schlafen konnten, erreichten uns dann am Folgetag…

Hm ↑ 1300 ↓ 1500 Gehzeit 7–8 h

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endlich Sonne und kein Regen mehr

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geschafft, tolle Lage der Hütte

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  1. Tag: Martin-Busch-Hütte, 2501 m

Weiterhin befanden wir uns im Zentrum der Alpen, zwischen beeindruckenden gewaltigen Berggipfeln und eisigen Gletschern. Allerdings wurde hier auch die Übergange höher und die Luft dünner. Die Tagesetappe begann vor Sonnenaufgang mit einem steilen Anstieg zum Pitztaler Jöchl, mit 2996 m, die bis jetzt höchste Stelle der Alpenüberquerung. Ein überwältigender Blick auf die mächtigen Gletschergipfel der Ötztaler- und Stubaier Alpen. Auf dieser Strecke musste man früh starten, damit man über den Gletschern war, bevor die Sonne die obere Schicht angeschmolzen hatte. Dann ist es nicht nur noch beschwerlicher voranzukommen, sondern auch sehr gefährlich. Vom Jöchel führte der Weg bergab zur Skilift-Talstation des Rettenbachferners. Es war eine witzige Angelegenheit, die Ski-Abfahrtsstrecke zu Fuß im Schnee herunter zu stapfen. Eine andere Gruppe benutzte ihre Raincover als Unterlage und rutschte zur Station. Wir sonnten uns im Schnee – traumhaft.115

Von hier ging es mit dem Bus durch einen längeren Tunnel bis zum benachbarten Tiefenbachferner (Talstation Gletscherbahn), von wo aus ein Panoramaweg mit herrlichen Ausblicken in die Stubaier und östlichen Ötztaler Berge hinunter in das Bergsteigerdorf Vent führte. In Vent angekommen, verführten einige gemütliche Gaststätten zu einer Einkehr samt Mittagessen. Nach einer genussvollen Stärkung stieg der gemütliche aber sich hinziehende Anstieg, durch das Niedertal zur Martin Busch Hütte auf.

Dabei hatte man den Similaun immer im Blick. Der Rucksack wurde glücklicherweise von Vent auf die Hütte befördert.

Hm ↑ 840 ↓ 1200 Gehzeit 7–8 h

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  1. Tag: Auf Ötzis Spuren

Neben dem höchsten Übergang mit 3014 m den es zu überwinden galt, machte eine mögliche Besteigung des Similauns (Voraussetzung sind gute Witterungsverhältnisse, was erst vor Ort eingeschätzt werden konnte), ein Besuch der Ötzi-Fundstelle und des smaragdgrünen Vernagt-Stausee die Tagesetappe zu einem Höhepunkt der Alpenüberquerung. Durch ein breites Hochtal, dem früheren Verlauf einer Seitenmoräne des Niederjochferners, ging es am Morgen der Similaun-Hütte, 3019 m entgegen. Der höchste Übergang der Alpen stellt gleichzeitig die Grenze zwischen Italien und Österreich dar. Hier am Fuße des Similaun befindet sich auch die Fundstelle des Ötzis.

130Für sportliche Bergsteiger mit entsprechender Ausrüstung beginnt hier die Gipfelbesteigung des 3606 m hohen Similaun-Gipfels. Glücklicherweise hatten wir gute Verhältnisse und waren noch am frühen Vormittag angekommen, so dass sich ein Teil unserer Gruppe zur Besteigung des Similaun aufmachte. Mit Steigeisen und Sicherungen stiegen wir vorsichtig bergauf, unser Bergführer voran, da er wusste, wo sich unter dem Schnee die Gletscherspalten verbargen. Der Aufstieg war beschwerlich, aber ein unvergessliches Erlebnis und der Rundblick vom Gipfel unbeschreiblich. Hier wurden Glückshormone ohne Ende ausgeschüttet! Zurück an der Similaun-Hütte stärkten wir uns, meiner Meinung nach das beste Essen, was ich auf der Tour hatte (konnte aber auch den noch überströmenden Glückshormonen geschuldet sein), bevor der Abstieg zunächst noch etwas steiler über das Tisental hinunter ins Schalstal nach Südtirol führte. Hier war der smaragdgrüne Vernagt-Stausee schon von weit oben in den Bergen zu sehen. Am Ufer des Sees angekommen, relaxten wir auf den Wiesen in der Sonne und fuhren dann das letzte Stück mit dem Bus in das idyllische Meran. Hier hatten wir ein paar Stunden für uns, bevor wir die Tour genussreich im Hotel und anschließend noch in einer Weinbar ausklingen ließen.

Hm ↑ 510 ↓ 1250 Gz 4 h, mit Gipfel: Hm ↑ 1110 ↓ 1850 Gehzeit 7–8 h

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beschwerlicher Aufstieg über den Gletscher

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das sind wir 🙂

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geschafft-Glücksmoment

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Der beste Kaiserschmarrn der Welt!

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Unsere Gruppe am Ziel der Tour

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Meran

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  1. Tag: Mit dem Bus fuhren wir nach Oberstdorf über den Reschenpass zurück.

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Heute geht es wieder nach Deutschland…

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Eine wunderschöne Tour, sehr gut durch den DAV Summit-Club http://www.dav-summit-club.de organisiert und mit einer liebenswerten Wandergruppe!


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