Meine Pilgerreise auf dem Jakobsweg – Camino Portugues 2.-18.10.2015

 

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Meine Route des Camino Portugues

Wandern, Bewegung, Natur das sind die Dinge, bei denen ich mich wohlfühle, wo ich entspannen und schnell abschalten kann. Abschalten vom beruflichen und privaten Stress, endlich das Kopfkino ausschalten. Und da ich auf einen Urlaub aus war, bei dem ich auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen muss, es keine Anpassungen und Kompromisse mit anderen geben sollte, entschied ich mich, einen Trekkingurlaub allein zu machen. Die interessanten Trekkingpfade in den USA reizten mich extrem, aber dafür müsste ich eine längere Auszeit nehmen, was zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage kam. Und man muss ja nicht immer über die Ozeane in die Ferne streifen, wenn so viele Möglichkeiten in unserem schönen Europa zu finden sind. Auf meiner Suche stieß ich auf das eigentlich Naheliegende, den Jakobsweg. Wobei es ja nicht „den Weg“ gibt, sondern hunderte, alle mit dem Ziel Santiago de Compastella. Der Camino de France schied von vornherein für mich aus, da er die letzten Jahre einfach zu touristisch geworden ist, für den spanischen Küstenweg hatte ich nicht genug Zeit, also fiel meine Wahl auf den Camino Portugues von Porto nach Santiago. Ein Weg, der gut beschildert sein sollte, es genügend Herbergen gab und der gut in 11 bis 14 Tagen zu machen sei. 16 Tage standen mir zur Verfügung, mit dem Plan am ersten Tag in Porto zu bleiben, dann loszulaufen und wenn ich es in 11 Tagen schaffen sollte, noch zum Kap Finisterre, ans Ende der Welt zu laufen oder zu fahren. Gebucht habe ich also den Hin-und Rückflug nach Porto und die erste Unterkunft in Porto. Alles andere ohne Sicherheit vor Ort finden, schauen, wohin es mich treibt und in zwei Ländern, deren Sprache ich nicht spreche spontan klarzukommen.

Soweit der Plan, der Ablauf fügte sich dann so…

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Freitag, 02.10.2015

Da mein Flug erst spät abends ging, hatte ich noch einen entspannten Tag zum Packen und zum Friseurbesuch. Friseur vor einer Pilgerreise, wo Herbergen und alles andere als Luxusbäder auf mich warten würden, also den Luxus und das Verwöhn-Programm noch einmal voll genießen.

Der Weg zum Flughafen Schönefeld in der S-Bahn wurde von einem herrlichen Sonnenuntergang über Berlin begleitet, ein schöner Abschied von zu Hause und ein guter Start in den Urlaub, dachte ich. Am Flughafen ging alles sehr schnell, kaum war ich da, war mein Rucksack schon abgegeben und ich war durch die Sicherheitskontrolle und dann: 1,5 Stunden Flugverspätung. Das bedeutete, dass ich nicht 23 Uhr, sondern erst nach Mitternacht in Porto ankommen würde. Ich war sehr froh, dass ich zwei Tage vor Abflug doch noch einen Transfer vom Flughafen zu meiner Pension gebucht hatte. Da mich ja fast nichts aus der Ruhe bringt, wartete ich geduldig und es dauerte nicht lange, da wurde ich von einer hilfesuchenden Frau angesprochen, auf Russisch. Herrlich! Russisch kann ich zwar noch lesen, aber nicht mehr verstehen geschweige denn sprechen. Und die Dame sprach kein Wort deutsch oder englisch. Wie sich herausstellte, flog Sie auch nach Porto. Ich versuchte ihr klarzumachen, dass unser Flug Verspätung habe und als sie verstand, dass ich auch nach Porto wollte, setzte sie sich neben mich und wartete mit mir. Schön, dass ich mich um niemanden kümmern wollte. Zwischendurch erzählte sie mir irgendwas in schönstem Russisch, ich verstand nichts, aber das schien bei ihr nicht anzukommen. Also nickte ich ab und zu, lächelte schön und sie war zufrieden. Als unser Flugzeug endlich da war, hing sie sich an mich heran und selbst im Flugzeug kam sie noch einmal zu mir und sagte irgendwas, ich nickte und sie ging zufrieden wieder zu ihrem Platz. Ich vermutete, dass sie wollte, dass wir in Porto den Flughafen zusammen verlassen, worauf ich natürlich gar keine Lust hatte. Aber sie war sehr freundlich und dankbar. Das verstand ich.

Im Flieger hatte ich natürlich einen tollen Mittelplatz zwischen einer jungen, wahrscheinlich Portugiesin, die die ganze Zeit hustete und schnupfte. Toll, das fehlte mir jetzt noch, mit einer Erkältung starten. Auf der anderen Seite ein Hippie, ich schätze in meinem Alter. Er sah total durchgeknallt aus, Hippie-Sack-Klamotten, Rasta Zöpfe, Nickelbrille. Am Flughafen war er mir schon aufgefallen, da er mehrmals aufgescheucht hin- und herrannte, verunsichert, wahrscheinlich wegen unserer Flugverspätung. Als er rannte musste ich kurz überlegen, ob es nicht doch eine Frau sei, hatte ich da nicht hüpfende Brüste gesehen? Aber er war wohl doch männlich, auch wenn er sehr ängstlich im Flieger neben mir saß und glaube ich sehr froh war, dass er den Flug überlebt hat. Damit er nicht auf die Idee kommt mich anzusprechen, habe ich mir sofort meine Kopfhörer ins Ohr gesteckt. Schon wieder kümmern, um einen Hippie mit Flugangst, nein danke. Trotz der Verspätung klappte der Shuttletransport super. Es waren noch ca. acht weitere Gäste im Fahrzeug und los ging es mitten in der Nacht in die City. Der Shuttle fuhr kreuz und quer durch die Stadt, um alle zu Ihren Unterkünften zu bringen, gefühlt musste Porto so groß wie Berlin sein. Alle Straßen schienen Einbahnstraßen zu sein, entweder sehr eng oder dann sogar doppelspurig, aber immer ohne Gegenverkehr. Das war dann wohl auch der Grund, warum wir so viel fahren mussten. Wie ich später feststellte, fuhren wir immer nur zwischen zwei Plätzen hin und her. Ich war natürlich die Letzte im Bus, ich hatte ja Zeit, Urlaub und früh schlafen gehen wird auch überbewertet. Ich war natürlich sehr auf meine Pension gespannt. Da das Pilgerleben zumindest so halb eingeläutet werden sollte, hatte ich eine Pension gebucht, in der ich zwar ein Einzelzimmer hatte, aber ein Gemeinschaftsbad. Als mich der Fahrer absetzte und auf die blinkende Leuchtreklame der Pension Franca hinwies, war mir klar: das hätte ich nie vor Ort gebucht. Ich hätte wahrscheinlich etwas Anstößiges dahinter vermutet. Aber im Internet und auch in meinem Reiseführer (wie ich später aber erst feststellte) wurde die Pension empfohlen und für 15 € pro Nacht mitten in der Stadt mit Einzelzimmer wirklich ein Schnäppchen. Zum Glück war die Rezeption noch besetzt, ich hatte vorher per Mail angekündigt, dass ich spät ankomme. Wie ich später feststellte, wohnte die Betreiberfamilie selbst auch in dem Haus. Ich bekam eine kleine Dachkammer zugewiesen, sehr einfach aber funktionell und sauber und WLAN for free. Was ich natürlich nicht bedacht hatte, es war Freitagnacht, mitten in der City und meine Unterkunft befand sich in unmittelbarer Nähe zu zahlreichen Bars und an einem großen Platz, wo sich nachts alles traf. Hieß, es war sehr laut auf der Straße und blieb es auch bis ca. 5 Uhr morgens. Schön, dass ich nicht mit Ohrstöpseln schlafen kann, ich freue mich auf die Herbergen…

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Samstag, 03.10.2015

Foto4Trotz dass ich so spät erst ins Bett gegangen bin und ich aufgrund des Lärms kaum geschlafen hatte, war ich gegen sechs Uhr wach. Mein Biorhythmus eben. Allerdings war es draußen noch stockdunkel. Stimmt, die eine Stunde Zeitverschiebung machte sich bemerkbar. Gegen sieben wurde es dann endlich hell und statt einem Hahn schrien die Möwen, herrlich, Urlaub. Ich startete meinen Stadtspaziergang. In meinem Reiseführer war eine Route beschrieben, der ich folgte. Ich schlängelte mich durch die engen Gassen des Barviertels bei meiner Pension, querte größere Straßen, landete in Fußgängerzonen und sah wunderschöne Häuser und Kirchen mit den tollsten, buntesten Kacheln. Zum Teil waren die Fassaden bzw. die ganzen Häuser am Zerfallen, aber gerade das machte die tolle Stimmung der Stadt aus. Morgens, wenn gerade alles erwacht ist für mich einfach immer die schönste Zeit für solche Spaziergänge. Auf dem berühmten Markt Mercado do Bolhao genehmigte ich mir erst einmal zwei leckere süße Gebäckteilchen zum Frühstück, setzte mich auf eine Treppe und beobachtete das Markttreiben. Hier gab es wirklich alles von Backwaren, Gewürzen, Fisch, Tischdecken bis zu lebendem Geflügel. Eines der Wahrzeichens Portos ist die Clérigos-Kirche mit ihrem hohen Turm, den man für drei Euro besteigen kann um eine wundervolle Aussicht über die Stadt zu genießen. Als kleines Vorbereitungstraining auf meine Pilgertour wollte ich mir die 225 Stufen natürlich nicht entgehen lassen. Der Aufgang war sehr eng und ich fragte mich, ob es eine zweite Treppe zum Abstieg gibt. Oben hatte man wirklich einen phantastischen Rundumblick und ich genoss den Ausblick und ließ mir viel Zeit. So langsam füllte sich die Stadt mit Menschen und auch der Turm. Ich musste mich irgendwie durchquetschen, um wieder die Treppe zum Abstieg zu erreichen. Ich durfte feststellen, dass es natürlich keine zweite Treppe zum Abstieg gab und so begann ein tolles „Aneinandervorbeigequetsche“. Ist man etwas fülliger gebaut, hat man hier definitiv verloren. Es dauerte ewig, bis ich wieder unten war und plötzlich wurde meine Zeit eng, da ich um 11 Uhr in der Kathedrale zum Pilgergottesdienst sein wollte. Vom Turm aus hatte ich zumindest eine Ahnung, in welche Richtung ich gehen musste. Allerdings ist es in Porto etwas problematisch einfach diagonal querfeldein den kürzesten Weg benutzen zu wollen, denn die Stadt ist extrem bergisch und direkte Wege nicht wirklich gegeben. So landete ich in einer Ecke, wo es immer weiter bergab ging, ich wusste aber, dass die Kathedrale oben auf einem Berg liegt. Also lief ich kreuz und quer bergauf, bergab in einem Affentempo, schwitzte wie verrückt, marschierte den nächsten steilen Berg hoch, in der Hoffnung, dann endlich irgendwie in der Nähe der Kathedrale zu sein. Toll, erst Zeit schinden und dann ins Hetzen verfallen. Zack, war ich wieder unten, direkt an der Brücke Ponte Luis I, wow, beeindruckend, aber jetzt keine Zeit, nächster Berg hoch und endlich, da war sie die Kathedrale. Ich schaffte es gerade noch so um Punkt elf Uhr. Ich brauche ja nicht erwähnen, dass der Weg von der Kirche mit dem Aussichtsturm zur Kathedrale bequem in 15 Minuten zu schaffen ist, wenn man weiß, wo man lang muss.

Die Kathedrale war wunderschön, der Pilgergottesdienst interessant anzusehen. Natürlich auf Portugiesisch. Zwischendurch sang eine Frau, wirklich ergreifend. Etwas nervig fand ich allerdings die anderen Touristen, die in die Kathedrale kamen, Fotos machten und wieder gingen. Ich würde es mich nie trauen, während eines Gottesdienstes zu stören, geschweige denn, bis zum Altar vorzugehen um ein Foto zu machen, aber viele sind da einfach schmerzfrei. Zumindest verhielten sie sich ruhig.
In der Kathedrale erhielt ich dann auch meinen ersten Pilgerstempel in meinen Pilgerpass.

Anschließend setze ich meine Stadtbesichtigung fort, gönnte mir ein leckeres Essen mit Prosecco, phantastischem Blick auf die Altstadt, die Schiffe und die Brücke Ponte Luis I. Die Brücke mit ihren verschiedenen Ebenen ist wirklich beeindruckend und ich kletterte natürlich noch bis auf den höchsten Aussichtspunkt über der Stadt, klar, hatte ja Erholungstag, bevor es richtig los ging. Auf dem Aussichtspunkt fragte mich ein Brasilianer, ob er mich fotografieren solle, sehr schön, da muss ich nicht selbst jemanden ansprechen. Das ist auch total old-school, denn jeder hatte hier einen Selfie Stick, ich konnte es kaum fassen. Abends gönnte ich mir in der Nähe meiner Pension noch ein sehr leckeres Abendessen, natürlich Fisch, wie auch mittags und ein Bierchen. Ich wusste ja nicht, wann ich wieder was Gutes zu essen bekam, was die nächsten Tage auf mich wartete.

Foto5Foto8Foto10Foto7Foto11Foto9Foto6Sonntag, 04.10.2015

Porto – Povoa de Varzim Am Morgen sieben Uhr verlasse ich meine Pension in Richtung Kathedrale. Es herrscht leichter Nieselregen aber es ist eine schöne Stimmung im Morgengrauen im fast leeren Porto. Ein paar Partyleute sind noch unterwegs, auf dem Weg nach Hause, der Suche nach einer Pommesbude (wie ich es um diese Zeit bin, wenn die Nacht plötzlich schnell in einer Bar vorbei ging) und einige knutschende Pärchen, die sich anscheinend die Nacht gefunden haben. Ich freue mich für sie und hoffe, dass ich das auch bald wieder erleben darf. An der Kathedrale angekommen, starte ich allein meinen Weg (port.: caminho). Ich entscheide mich zunächst für den Küstenweg und verlasse Porto durch die Altstadt immer entlang des Rio Douro Richtung Meer. Unterwegs komme ich an zwei Clubs vorbei, aus denen noch lauter Techno dröhnt und vor einem Club darf ich einem kotzenden Besucher begegnen – sehr lecker. Leider zieht sich der Himmel immer mehr zu, der Regen wird stärker, der Wind zum Sturm und anstatt dem tollen Blick von der Flussmündung auf das offene Meer blicke ich in eine dicke Nebelschwade. Foto12Zwischenzeitlich ist es hell, einen Sonnenaufgang gab es allerdings nicht zu sehen. Ich kämpfe mich durch Sturm und Regen, vorbei an zahlreichen Strandbars, die allerdings bei dem Wetter alle geschlossen sind. Am riesigen Strand von Mathosinos bauen mehrere Fußballmannschaften Tore auf, hier scheint ein größeres Turnier stattzufinden und das Wetter niemanden zu stören. Hier finde ich auch eine Strandbar, die geöffnet hat und nach fast drei Stunden unterwegs beschließe ich, ein kleines Frühstück einzunehmen. Die Tür zur Bar ist von Sandwehen versperrt, aber ich kämpfe mich durch. Zu meiner Enttäuschung darf in der Strandbar geraucht werden, aber noch schlimmer, hier gibt es nur Getränke, kein Essen. Sehr schön…Zumindest schmeckt der Kaffee und es gibt WLAN, so dass ich mich kurz aufwärmen und ein Lebenszeichen an meine Familie und Tanja schicken kann. Tanja hat meine Überwachung übernommen, verfolgt digital meinen Weg, damit zumindest Einer weiß, wo ich bin, falls doch mal etwas passieren sollte. An dieser Stelle noch einmal ein dickes DANKE dafür! Ich ziehe wieder im Sturm und Regen los, eine Wetterbesserung scheint nicht in Sicht. Glücklicherweise habe ich Müsliriegel dabei, auch ein gutes Frühstück. Der Weg an der Küste und durch die Dünen ist wunderschön. In den Dünen wurden Holzwege angelegt, auf denen es sich gut laufen lässt. Andere Pilger sind nicht in Sicht, auch sonst treibt sich bei dem Wetter niemand draußen herum. Da der Sturm zum Teil so stark ist, dass ich mehrmals befürchtete umgeblasen zu werden, beschließe ich, auf den Landweg zu wechseln.

Foto13Ich folge den Pfeilen, kann aber in meinem Buch nicht wirklich nachvollziehen, wo ich mich genau befinde. Solange die Pfeile mir aber den Weg weisen, bin ich nicht beunruhigt. Irgendwann komme ich an eine Kreuzung, wo zwar ein Pilgerschild steht, aber kein Hinweis, in welche Richtung der Weg weitergeht. Ahnungslos bleibe ich stehen, mein Reiseführer beschreibt irgendwie was ganz anderes, als plötzlich eine nette Portugiesin rufend über die Kreuzung rennt um mir zu helfen. Sie spricht glücklicherweise englisch und fragt mich, ob ich an der Küste oder den Landweg laufen möchte und zeigt mir dann die Richtung auf den Landweg. Ich folge ihrer Beschreibung und am Ende des Ortes tauchen auch wieder Pfeile auf. Später entdecke ich tatsächlich einen Pilger vor mir. In einem Ort entschließe ich mich zur Rast und finde glücklicherweise einen Bäcker. Mit einem deftigen Blätterteiggebäck mache ich es mir auf dem Marktplatz gemütlich und versuche noch einmal in meinem Reiseführer nachzuvollziehen, wo ich denn ungefähr sein müsste, aber keine Chance. Egal, die Pfeile sind da und auch der andere Pilger, der unweit von mir ebenfalls Rast macht, also kann ich ja nicht so falsch sein. Ich gehe weiter, der Pilger folgt mir mit Sicherheitsabstand. Als ich an einer Kirche kurz stoppe um ein Foto zu machen, spricht er mich an, ob ich denn sicher auf dem richtigen Weg sei. Wir gehen ein Stück zusammen, er meint, bis zum nächsten Ort, Vila do Conde, (der auch wieder in meinem Reiseführer auftaucht) sei es nicht mehr weit. Er ist Australier und macht eine Europarundreise. Den caminho will er vier Tage an der Küste folgen, dann müsste er weiter. Wir treffen ein kanadisches Pärchen, die ziemlich fertig aussehen, aber als sie uns erzählen, dass sie in einem Luxus Spa Hotel absteigen, tun sie mir nicht mehr leid. Ich gönne es den Beiden wirklich. Mein Australischer Begleiter beschließt in Vila do Conde die Herberge aufzusuchen. Da es zwischenzeitlich aufgehört hat zu regnen und ich tatsächlich meine nassen Sachen trocken gelaufen hatte, beschließe ich noch bis Rates zu laufen, nach meiner Einschätzung sollte ich das in zwei Stunden schaffen, also vor Einbruch der Dunkelheit. Ich folge weiter den Pfeilen, schaue nicht in meinen Reiseführer und lande nach gefühlt einer Stunde wieder am Strand. Moment Mal, wieso Strand auf dem Landweg? Es kommt mir alles sehr seltsam vor und trotz der guten Pfeilmarkierung merke ich, dass irgendwas nicht stimmen kann. Ich bin in einem riesigen Ort mit einer tollen Strandpromenade und bin jetzt doch ziemlich kaputt. Da ich mir nicht sicher bin, wo ich mich überhaupt befinde und es auch bald dunkel wird, beschließe ich, mir eine Unterkunft zu suchen und halte entlang der Promenade Ausschau nach einem kleinen Hotel. Plötzlich hält neben mir ein Auto und ein Pärchen stoppt mich und fragt, ob ich Pilgerin wäre und eine Herberge suche. Ich bin einfach nur müde und habe keine Lust mehr zu laufen, dass ich Ihnen sage, dass ich auf der Suche nach einer Unterkunft sei und die beiden beschreiben mir den Weg zur Herberge. Ich muss etwas zurücklaufen und vertraue den beiden einfach mal. Sicher bin ich mir nicht, ob ich sie überhaupt richtig verstanden habe. Aber Vertrauen heißt die Devise und ich mache mich auf den Weg zur beschriebenen Unterkunft. Es ist unglaublich, neben der Kirche, in die ich eine halbe Stunde zuvor einen Blick geworfen hatte, befindet sich tatsächlich eine öffentliche Pilgerherberge. Sie scheint ganz neu zu sein und ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Vor der Herberge stehen zu meiner Überraschung auch der Australier und ein weiterer brasilianischer Pilger. Das beruhigt mich dann doch. Hier scheint alles mit rechten Dingen zu zugehen. Der Australier ist ebenfalls überrascht mich zu sehen. Ich gestehe ihm, dass ich nach einer Stunde Weiterlaufen doch beschlossen hätte, eine Unterkunft zu suchen, er war ziemlich fertig, dass er noch so weit laufen musste. Das Pärchen, das die Herberge betreut ist sehr freundlich und hilfsbereit. Der Mann fragt mich, wo ich denn lang pilgern möchte und war von meiner Auskunft, dass ich auf dem Weg nach Rates sei sehr überrascht. Er führt mich zu einer Übersichtskarte, auf der alle caminhos von Porto nach Santiago eingezeichnet waren und zeigt mir wo ich bin, nämlich ganz woanders, als ich dachte. Um nach Rates auf den Zentralweg zu kommen, müsste ich ein ganzes Stück zurücklaufen oder besser den Bus nehmen meint er. Ich befand mich mitten auf dem Küstenweg. Ich wäre also niemals in Rates angekommen! Ich danke dem Universum und den beiden Engeln, die mich gesichtet und in die Herberge geführt haben. Und natürlich meinem Bauchgefühl, dass in dem Ort, übrigens Povoa de Varzim, ein Hotel suchen wollte. Da es anscheinend so sein sollte, beschließe ich den Küstenweg weiter zu gehen. Ich fotografiere die Karte ab, da die Route in meinem Reiseführer nicht beschrieben ist. Der Autor weißt zwar auf die Route hin, auch dass sie schön sei, aber aufgrund der wenigen Herbergen nicht für jeden geeignet und daher nicht näher beschrieben. Auch stelle ich in meinem Reiseführer fest, dass hier eine Beschreibung enthalten ist, dass man in Vila do Conde aufpassen solle, da man hier schnell auf dem Küstenweg landen könne, wenn man den falschen Pfeilen folgt. Eine Unterscheidung der Pfeile in Zentralweg und Küstenweg gibt es nämlich nicht. Wie auch immer, jetzt war ich hier und würde auch weiterhin dem Küstenweg folgen.

Wir drei bleiben die einzigen Gäste, erhalten jeder einen Schlüssel und ich bekomme ein eigenes Zimmer mit sechs Betten. Das Pärchen verabschiedet sich, für die Bezahlung gibt es einen Kasten, in den man Geld hineinwerfen kann. Alles freiwillig, keine Vorgaben. Die Sonne kommt tatsächlich etwas durch die dicken Wolken und ich beschließe, am Strand ein dickes Eis zur Belohnung zu essen. Die Jungs gehen essen, aber ich möchte mich ihnen nicht anschließen, da ich keine Lust habe, mich jetzt noch auf englische Kommunikation zu konzentrieren. Das Eis ist super, allerdings schafft es die Sonne nicht durch die Wolken und so komme ich total durchgefroren zurück zur Herberge, nehme eine heiße Dusche und lege mich früh schlafen. Foto14

Wanderung ca. 42 km 11,5 h
 

Weisheiten des Tages: Keinen Schritt zurück…wenn nicht wirklich notwendig und das Ziel sichtbar ist. Den Zeichen folgen.

Vertrauen.

Montag, 05.10.2015

Povoa de Varzim – Viana do Castello

Ich habe die Nacht einigermaßen geschlafen und mache mich kurz vor sieben Uhr im Dunkeln wieder auf den Weg, die Jungs schlafen noch. Die Strandpromenade ist leicht beleuchtet und daher im Dunkeln gut begehbar. Das Meer ist sehr stürmisch und Foto15wahnsinnig kraftvoll. Mir fehlen die Worte hierfür, um es zu beschreiben. Bei einem Bäcker hole ich mir etwas zum Frühstück auf die Hand. Ein Radfahrer hält kurz neben mir, um mir einen guten Weg zu wünschen und fragt, ob ich denn die ganze Nacht gelaufen wäre, oder ob ich auch geschlafen hätte. Als ich ihm mitteilte, dass ich gerade losgelaufen bin, schien er beruhigt. Die Menschen sind wirklich sehr nett hier, sowohl die Pilger, vor allem aber die Einheimischen. Auch wenn wir uns nicht über Sprache verständigen können, sind sie immer bemüht zu helfen, schenken einem stets ein Lächeln und wünschen einem immer einen guten Weg und alles Gute. Es scheint auch wirklich von Herzen zu kommen, das sind keine Floskeln.

Leider ist auch heute aufgrund der dicken Wolkenschicht kein Sonnenaufgang zu sehen.

Nach einiger Zeit verlasse ich den Strand und laufe sehr lange durch Gemüseplantagen. Sie scheinen endlos zu sein. Nach ca. drei Stunden setzt der Regen wieder ein, irgendwann so stark, dass ich denke, dass ich bis auf die Unterhose nass bin. Die Wege sind zum Teil überschwemmt und ich versuche einigermaßen heile durch die Schlammmassen zu kommen. Gegen Mittag bin ich in einer Stadt und beschließe, mich irgendwo hinzusetzen, etwas zu essen und vielleicht dabei ein wenig zu trocknen. Ich finde lediglich eine kleine Pommesbude. Egal, Hauptsache eine kurze Rast. Ich bin der einzige Gast und zum Glück sind die Gerichte mit Bildern hinterlegt. Nach fünf Minuten drängen gefühlt fünfzig Schüler/innen in die Bude, anscheinend haben sie große Pause und wollen sich ebenfalls unterstellen. Ein Teil bestellt etwas zu essen, andere quetschen sich einfach zum Schutz mit hinein. Dass ich an einem Tisch sitze und esse interessiert keinen. Ich werde eingekesselt und habe das Gefühl gleich zerquetscht zu werden. Es ist NERVIG!!! Also halte ich mich nicht lange auf, trocknen konnte ich nicht. Ich marschiere wieder los und finde meinen Weg nicht mehr, also laufe ich mehrmals an der Pommesbude vorbei, auf der Suche nach meinen Pfeilen. Endlich finde ich den Weg und stelle fest, dass die Pommesbude gar nicht auf meinen Weg lag. Ich sollte die Abbiegung wohl verpassen, sonst hätte ich nichts zu essen bekommen. Auf dem weiteren Weg kommt nämlich keine Einkehrmöglichkeit mehr.

Andere Pilger begegnen mir weiterhin nicht. Überhaupt begegnet mir fast niemand. Foto16Vorteil davon ist, dass ich ohne lange zu suchen immer eine Ecke für die Notwendigkeiten des Toilettenganges finde. Groß Verstecken brauche ich mich ja nicht. Also muss ich irgendwann mal wieder und gehe hinter ein kleines Mäuerchen an einer Straße und prompt kommen zwei Fahrradpilger vorbei! Herrlich, wo kommen die denn her? Ich tue so, als mache ich eine Trinkpause und entdecke hinter mir am Baum eine Tüte mit der Aufschrift LOVE und eine Jeanshose daneben. Witzig, mitten im Nichts, ich deute das mal als Botschaft, dass die Liebe nicht weit ist oder was auch immer, jedenfalls als positives Zeichen. Nachdem die Fahrräder außer Sicht waren, kommt ein Fußgänger anspaziert. Wo will der denn hin? Ich kann es kaum glauben, aber irgendwann komme ich zu meinem dringenden Bedürfnis.

Der Regen wird weniger und im Laufe des Tages klart es auf und am Nachmittag zeigt sich tatsächlich die Sonne das erste Mal. Ich kann endlich meine Regensachen ausziehen. Gegen 13.30 Uhr bin ich an der Herberge in Marinhas angelangt, diese öffnet aber erst 17 Uhr. So lange zu warten habe ich keine Lust, also beschließe ich weiter zu gehen. Der folgende Weg war wunderschön, ganz anders als bisher. Es ging viel durch Wälder, über Flüsse auf schmalen Wegen entlang, die zum Teil Trittsicherheit abverlangten. Irgendwann geht es wieder durch kleine Dörfer auf befestigten Straßen bzw. Kopfsteinpflaster und der Weg beginnt sich zu ziehen. Meine Lust zu Laufen nimmt rapide ab und irgendwie habe ich dann gar keine Lust mehr. Ich befürchte, dass meine Füße voller Blasen sind, zumindest fühlen sie sich so an. Jetzt verstehe ich auch, dass der Weg in meinem Reiseführer (noch) nicht beschrieben wird, hier gibt es einfach nicht viele Möglichkeiten eine Unterkunft zu bekommen. Ich muss also bis zur nächsten Herberge in Viana do Castelo durchlaufen. Langsam bekomme ich Panik, es im Hellen nicht mehr zu schaffen. In der Abenddämmerung gegen 19 Uhr erreiche ich endlich über eine riesige Brücke Viana do Castelo. Der Ort sieht riesig aus und ich frage mich, wie ich hier die Herberge finden soll. Ich gehe rechts von der Brücke Richtung Stadt und beschließe an einer riesigen Kirche, dass ich wohl umdrehen muss, da sich das Stadtzentrum genau entgegengesetzt befindet. Meine Füße brennen, aber ich will jetzt nur noch schnell zur Herberge, also laufe ich schnell voran. In einem Restaurant frage ich nach der Herberge und die Bedienung kann mir tatsächlich helfen. Ich muss natürlich zurück auf die andere Seite der Stadt, da sich die Herberge in der Nähe der großen Kirche befindet. Dort soll ich in einem Kaffee noch einmal fragen. Also laufe ich zurück. Zwischenzeitlich ist es ganz dunkel. Ich frage in einem Kaffee und ein sehr netter Herr kommt direkt mit mir und führt mich zur Herberge, die sich in der Kirche befindet. Leider ist alles zu, da die Herberge 18 Uhr schließt. Der Mann klingelt und holt direkt sein Handy raus, da eine Telefonnummer angegeben ist. Ich finde das super freundlich, vor allem, da er anscheinend keinen Foto17Kehlkopf mehr hat und nur mit einem Gerät sprechen kann. Glücklicherweise wird die Kirche dann aber doch von innen geöffnet und ich bekomme noch einen der letzten beiden Plätze in der Herberge. Ich folge durch die Kirche durch zahllose Gänge und irgendwann gelangen wir zu den Räumlichkeiten, die als Herberge dienen. Ein großer Raum für zwölf Personen (sechs Doppelstockbetten), zwei Duschen nur mit Vorhängen abgehängt, zwei Toiletten und ein Aufenthaltsraum. Ich kann mich zwischen den beiden freien Betten entscheiden, die natürlich beide oben sind. Grundsätzlich schlafe ich gerne oben, aber diese Betten hier sind der reinste Horror. Selbst im Stehen kann ich nicht auf das obere Bett schauen, es muss daher mindestens zwei Meter hoch sein und eine Leiter oder ähnliches gibt es nicht. Ich beschließe zu duschen und ignoriere die Sauberkeit, verbiete mir noch etwas zu trinken, damit ich ja nicht nachts aus dem Bett zur Toilette muss, esse ein paar Kräcker zum Abendbrot und versuche mein Bett zu erklimmen. Wie werden die anderen das wohl machen? Zum Glück beobachtet mich niemand, die Meisten sind im Aufenthaltsraum. Total erschöpft lege ich eine akrobatische Meisterleistung hin und gelange auf mein Bett. Oben angelangt stelle ich fest, dass es so schmal ist, dass ich mich keinesfalls nachts drehen darf, da dann die Gefahr besteht, dass ich herunterfalle. Im Schlafsack von zwei Metern Höhe aus dem Bett fallen dürfte nicht so gesund sein. Also liege ich die ganze Nacht kerzengerade in meinem Bett und ruhe, schlafen kann man es kaum nennen. Als die anderen irgendwann in ihre Betten klettern, beginnen auch die Schnarcher und Lautatmer die Ruhe zu stören. Irgendwann schlafe ich dann doch vor Erschöpfung ein.

Wanderung ca. 45 km 12,5 h

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Dienstag, 06.10.2015

Viana do Castello bis Caminha Die Nacht war erstaunlich ruhig und ich fühle mich einigermaßen erholt. Ich stehe erst auf, als sich auch ein paar andere bewegen und versuche vorsichtig, aus meinem Bett wieder auf den Boden zu kommen. Zum Glück schaffe ich es, Erleichterung. Gegen acht Uhr mache ich mich auf den Weg, ich bin gut gelaunt, meine Füße sind in Ordnung. Tatsächlich sehe ich einmal morgens die Sonne, leider muss ich aber wenige Minuten später feststellen, dass sie sich nur ein kurzes Schauspiel geleistet hat. Viana do Castelo ist wirklich eine schöne Stadt. Mein Weg führt mich durch die Altstadt in Richtung Gebirge aus der Stadt hinaus. Die Strecke geht heute sehr viel hoch und runter, Gebirge, Wald, Bergdörfer. An einer netten Stelle im Wald beschließe ich eine kurze Pause zu machen, da kein Ort mit einer Essensmöglichkeit in Sicht ist. Kaum habe ich mich gesetzt und meine Müsliriegel ausgepackt, setzt der Regen ein. Also packe ich alles schnell wieder zusammen und gehe weiter, da hört der Regen wieder auf. Dankeschön, Pause ist mir wohl nicht gegönnt. In Ancora gelange ich wieder an die Küste und mache endlich eine größere Pause. Ich kehre in einer Strandbar ein, hier gibt es diesmal auch etwas zu essen. Die Karte ist nur auf Portugiesisch. Ich bestelle erst einmal einen Kaffee und bin ganz mutig, zeige auf irgendeinen in der Aufzählung, Milchkaffee ist auf Dauer ja auch langweilig, und bin gespannt, was ich bekomme. Serviert wird mir dann ein Kaffee mit einer riesigen Sahnehaube und gerösteten Kaffeebohnen. Foto21Das Ding ist so mächtig, dass es als Nachtisch genügen würde. Obwohl ich keine Sahne mag, verdränge ich das erfolgreich und lasse mir den Kaffee schmecken. Anschließend genehmige ich mir ein Omelett mit Kartoffeln, das Einzige, was ich mir sicher aus der Karte erschließen kann. Immerhin habe ich in der Pommesbude gelernt, was Kartoffel heißt. Mir geht es gut, es schmeckt und ich entscheide, online ein Hotelzimmer zu buchen. Herberge genügt mir erst einmal nach der letzten Nacht, ich möchte einfach ein sauberes Zimmer mit eigener Dusche. Außerdem müsste ich ein paar Sachen durchwaschen. Ich finde ein gutes günstiges Hotel und schon fällt mir das Laufen viel leichter. Auf dem weiteren Weg treffe ich irgendwann am Strand auf drei Leute, die mit mir in der letzten Herberge waren. Da sie nach mir gestartet sind, scheinen sie direkt an der Küste entlang gegangen zu sein und nicht den caminho durch die Bergdörfer. Das Wetter ist endlich schön und ohne Sturm und Regen an der Küste entlang zu laufen hat auch etwas. Als der caminho wieder ins Landesinnere abbiegt, entscheide ich mich, trotzdem an der Küste weiter zu laufen. Ein paar Mal treffe ich auf meinen Weg noch auf den caminho, bleibe aber weiterhin an der Küste. Ich streife durch wunderschöne Kieferwälder, Dünen und kontrolliere meinen Weg ab und zu per GPS. In Caminha erwartet mich ein schönes Hotelzimmer, mitten am Marktplatz mit toller Aussicht. Ich dusche ausgiebig, wasche meine Wäsche und dekoriere mit ihr mein Zimmer. Essen gehen möchte ich nicht, also kaufe ich mir ein paar Leckereien und mache ein ausgiebiges Picknick im Bett. Herrlich! Zu Hause würde ich so etwas natürlich niemals machen. Von meinem Bett aus sehe ich den Sonnenuntergang und schlafe früh ein.Foto22

Wanderung ca. 25 km 8,5 h Weisheit des Tages: Auch mal andere Wege gehen als geplant. Ich brauche einen Mann, der mich ab und zu ausbremst 😁

Mittwoch, 07.10.2015

Caminha bis Tui Den Luxus meines Hotelzimmers koste ich lange aus, lasse mir Zeit beim Aufstehen und Packen und starte erst gegen 8.30 Uhr. Leider sind meine Sachen nicht ganz trocken, also muss ich sie erst einmal in die wasserdichten Beutel verpacken.

Ich werde den Küstenweg nun verlassen und Richtung Hauptweg laufen, da ich gerne die beiden Grenzstädte Valencia und Tui sehen möchte. Es geht stadtauswärts über Ausläufer des riesigen Flusses, der Portugal von Spanien trennt. Die morgendliche Stimmung ist toll, über dem Fluss hat sich Nebel gebildet, die Landschaft wirkt mystisch, teilweise wie gemalt. In der Stadt sehe ich von weitem tatsächlich zwei weitere Pilger, allerdings nehmen sie nicht meinen Weg, sondern wahrscheinlich weiterhin den Küstenweg und machen sich auf, einen Fährmann zu finden. Mein heutiger Weg ist sehr bergig und geht durch viele Dörfer. Auch gegen 10 Uhr ist es noch so kalt, dass ich meinen Atem sehen kann. Während des Laufens stört die Kälte nicht, aber längere Pausen kommen nicht in Frage. Gegen Mittag kehre ich in Vila Nova de Cereiva in einer Snackbar ein. Hier essen üblicherweise die Einheimischen, also beschließe ich, auch mal ein Mittagessen zu probieren. Es gibt keine Karte, sondern zwei Mittagsmenus. Mit Händen und Füßen Foto23versuchen die Kellnerin und ich uns zu verständigen, was für uns beide sehr lustig ist. Ich bekomme zunächst eine Suppe und Brot. Anschließend gibt es Schwein mit Pommes und Reis. Seltsame Zusammenstellung. Soße scheinen die Portugiesen nicht zu kennen, auch Würzen ist nicht immer angesagt, das ist mir schon mehrmals aufgefallen. Das Essen ist sehr einfach, aber sättigt. Statt Nachtisch entscheide ich mich für einen Kaffee. Kaffee ist hier Espresso, daher bestelle ich sonst immer Milchkaffee. Das Essen gestaltet sich durch das Beobachten der anderen Gäste sehr interessant. Beispielsweise trinkt ein Bauarbeiter 1/2 Liter Wein zum Essen, ich habe verzichtet und Wasser gewählt. In der Bar laufen TV und Radio gleichzeitig und das mit Ton. Das ganze Menu kostet mich 5,50 € und hätte auch mit einem halben Liter Wein nicht mehr gekostet. Der weitere Weg ist einfach, es gibt kaum noch Steigungen. Valencia ist eine wunderschöne Stadt, aber überraschend klein. Hier ist viel los, viele Touristen und viele Verkäufer von bestickten, gehäkelten und ähnlichen schrecklichen Tischdecken und anderen Haushaltswaren oder wie man das bezeichnen soll. Ok, ganz sicher traditionelle Handarbeit. Von Valencia aus muss ich nun tatsächlich den Grenzfluss überqueren, um nach Spanien zu gelangen, oder besser Galizien. Die Menschen hier fühlen sich nicht als Spanier und durch aktuelle politische Diskussionen ist das Thema wieder sehr aktuell, was ich auf vielen Schildern erkennen kann. Spanien ist gestrichen und durch Galizien ersetzt.Foto24

Die Grenzbrücke nach Spanien erinnert sehr an die Bauweise des Eiffelturms. Mit Überschreitung dieser Brücke, verliere ich eine Stunde, da hier auch die Zeitgrenze überschritten wird und ich meine Uhr eine Stunde vorstellen darf. Meine Ankunft in Tui ist sehr herzlich, alle Menschen sind freundlich und hilfsbereit, außerdem scheint die Sonne endlich. An der Kathedrale ruft mich ein Mann, damit ich meinen Pilgerstempel abholen komme. Ich folge ihm in die Kathedrale, immerhin werde ich ja in Tui übernachten, also kann ich den Stempel auch hier holen. Der Mann will anschließend noch ein Foto von mir machen, wirkt aber sehr unbeholfen. Irgendwie habe ich Angst, er lässt mein Handy gleich fallen. Dann will er, dass ich meine Haare öffne, hallo, was soll das? Zum Glück sind viele Menschen in der Kathedrale und ich vertraue darauf, dass die Kirche keine Perversen und Verrückten anstellt, aber die Situation ist doch sehr seltsam. Er muss wieder an seinen Arbeitsplatz am Eingang, da offensichtlich einige Besucher Fragen haben. Ich bekomme mein Handy glücklicherweise in einem Stück zurück, das Foto ist schrecklich. Wahrscheinlich ist er geistig behindert. Wie auch immer, ich lasse mir in der Touristeninfo, die erste, die mir begegnet, den Weg zu meiner Herberge erklären, schlendere noch durch die Stadt, fülle meine Essens- und Trinkvorräte in einem Supermarkt auf und gehe zu meiner Herberge. Ich habe mich für die private Herberge San Clemente entschieden und gelange in ein traumhaftes Haus mit einem sehr netten Herbergsvater. Mein Zimmer habe ich zunächst für mich allein, später kommt ein weiteres deutsches Mädel hinzu. Ich esse und lese im wunderschönen Garten der Herberge und genieße die Dusche in dem Luxusbad. Wanderung ca. 30 km 8 h

Weisheit des Tages:

Galizier sind keine Spanier!

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Donnerstag, 08.10.2015

Tui bis Arcade Ich starte erst 7.45 Uhr, aber wegen der Zeitverschiebung ist es stockdunkel und ich brauche meine Stirnlampe, da es direkt aus der Stadt in die freie Natur geht. Es ist sehr kalt und meine Finger frieren fast ein, während ich mein Frühstück in Form von Keksen beim Laufen esse.

Foto30Ich treffe auf ein Pilgerpärchen in meinem Alter, an einer Stelle, an der uns der Weg ungewiss ist, da mehrere Pfeile in verschiedene Richtungen zeigen rede ich kurz mit dem Mann. Wir finden den richtigen Weg. Der Mann ist sehr nett, allerdings schaut mich die Frau nicht an und redet kein Wort mit mir. Oh je, Zickenterror. Darauf habe ich nun gar keinen Bock, also lasse ich die Beiden schnell hinter mir. Kurz darauf befindet sich ein weiterer Pilger vor mir. Der Hauptweg ist tatsächlich mehr frequentiert als der Küstenweg. Ich versuche ihm zu folgen, aber er ist sehr schnell unterwegs, nach drei Stunden verliere ich ihn. Heute gibt es auch endlich einen schönen Sonnenaufgang und die Sonne bleibt den ganzen Tag. Es bleibt zwar kühl, aber die Sonne und der blaue Himmel sind wunderbar.

Vereinzelt treffe ich immer wieder auf Pilger aber ich will allein bleiben. Irgendwie habe ich keine Lust auf Konservation. Die Dörfer sind nicht mehr so schön wie in Portugal. Es gibt keine Kachelfassadenmehr, sondern es ist eher ein grau in grau. Auch gibt es sehr wenig Kirchen und kaum Kapellen, die mich die letzten Tage auf meinem Weg ständig begleitet haben. Auch sind die tollen Gerüche von Portugal verschwunden, zum Beispiel das Verbrennen von Gartenabfällen/Holz. Natürlich nehme ich in den Wäldern noch schöne Düfte wahr, aber in Portugal waren sie intensiver, vielleicht aber auch aufgrund der Feuchtigkeit.

Außerdem sind die Städte hier schrecklich laut und hässlich, sie haben gar kein Flair. In Redondela wollte ich eigentlich übernachten, werde aber von dem Lärm und dem Gestank der Autos sofort davon abgehalten, hier muss ich raus! In dem Ort treffe ich allerdings tatsächlich den Mann vom Vormittag wieder. Er ist Franzose und huldet mir höchste Anerkennung, dass ich es von Tui bis hierhin geschafft hätte, na wenn der wüsste, dass ich mich gleich entscheiden werde weiterzugehen. Ich sehe ihn später noch einmal auf dem Marktplatz bei einem Bierchen. Aber mir ist hier alles zu hektisch, also mache ich außerhalb der Stadt eine größere Picknickpause und laufe noch bis Arcade. Die Herberge ist nett und ich höre fast nur Deutsche. Foto31Aber mir ist immer noch nicht nach Konversation und ich ziehe mich zurück.

Wanderung ca. 39 km 9 h

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Freitag, 09.10.2015

Arcade bis Caldas de Reis Ich starte gegen 7.45 h, wieder im Dunkeln. Foto33Da es erst einmal quer durch die Stadt geht, ist die Straßenbeleuchtung einigermaßen ausreichend. Bei einem Bäcker kaufe ich mir ein Frühstück, wie immer auf die Hand. Einige Minuten später treffe ich eine deutsche Pilgerin. Wir gehen einige Zeit gemeinsam und unterstützen uns beim Pfeile suchen in der Dämmerung. Aufgrund meines Tempos verliere ich sie allerdings schnell wieder und gehe allein dem Sonnenaufgang entgegen. In Pontevedra angekommen, stelle ich fest, dass es in Galizien doch schöne Städte mit Flair gibt. Ich schaue mir die Kirche an, nach meinem Reiseführer ein Muss für jeden Pilger, u.a. da das Fundament die Form einer Jakobsmuschel aufweist. In der schönen Altstadt beschließe ich eine Pause zu machen und genieße einen mit Café und Churros. Das Thermometer gegenüber dem Café zeigt auch um 10.30 h noch 11 Grad an, gut, dass ich drinnen sitze. Im weiteren Verlauf des Tages taufe ich diesen Tag zum „Tag des Knallens“:

Auf einer stark befahrenen Landstraße, der ich einige Zeit folgen muss, platzt plötzlich vor mir einem Lkw der Reifen. Teile des riesigen Reifens verteilen sich über die Fahrbahn und blockieren sie teilweise, der Lkw kommt erst etwas hinter mir zum Stehen. Die Pilger vor mir in unmittelbarer Nähe der Reifenreste schauen, wie der halbe Reifen den Verkehr behindert. Aufgrund des starken Verkehrs kommt es hier sekündlich fast zu Unfällen. Als ich auf der Höhe der Reifenreste bin, räume ich sie von der Straße, damit der Verkehr wieder ungehindert fließen kann. Die anderen Pilger schauen mir zu und gehen dann beruhigt weiter. Ein entgegenkommender LkW-Fahrer bedankt sich bei mir und ich fühle mich großartig! Dann höre ich ständig Schüsse im Wald oder Sprengungen? Gegen 14.45 h wird ein riesiges Feuerwerk von einem Berg abgefeuert. Mitten am Tag, die Wirkung der Feuerwerkskörper geht bis auf den Lärm total unter. Auch als ich mich abends für zwei Stunden ins Feld setze und picknicke und relaxe (ich bin heute schon gegen 16 h an meiner Unterkunft und beschließe, nicht weiter zu laufen), höre ich erneut Schüsse oder Foto34Feuerwerk? Sehr komisch.

Leider habe ich heute mein Kopftuch verloren, weil ich mal wieder so schnell zum Toilettengang hinter einen Baum springen musste und vergaß, dass ich das Kopftuch nur locker an meinen Rucksack gehängt hatte. Naja, endlich ein Grund mal wieder shoppen zu gehen. Trotz dass ich ein 4er Zimmer für mich allein mit Bad in einem alten Hotel hatte, verbrachte ich eine schlaflose Nacht. In meiner Facebook-Gruppe erhielt ich die Info, dass die Herberge in Teo wegen Bettwanzen geschlossen sei. Das bedeutete für mich, entweder morgen eine sehr lange oder kurze Etappe. Aufgrund der Schlaflosigkeit nahm ich mir die kurze Etappe vor.

Wanderung ca. 34 km 8 h

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Samstag, 10.10.2015 Caldas de Reis bis Santiago

Heute starte ich gegen 9 Uhr, habe ja kein lange Etappe vor mir. Schon wieder gibt es ein Feuerwerk, um 9 Uhr morgens, sehr merkwürdig. Foto37Leider ist das Wetter wieder umgeschlagen und es ist feucht, zunächst nur leichter Nieselregen. Im Wald begegne ich einem Reh, dass fast vor mir steht. Später begleiten mich hin und wieder zwei Fahrradpilgerinnen, ich habe sie schon einige Tage zuvor gesehen und wundere mich, dass sie noch nicht weiter sind. Anscheinend Mutter und Tochter. Die Tochter überholte mich des Öfteren, musste dann aber wieder auf ihre Mutter warten, da diese jede Steigung das Fahrrad schob und auch bergab nur sehr vorsichtig fuhr. Völlig durchnässt vom mittlerweile starken Regen kam ich in Padron an und entschied mich hier für eine Einkehr in ein Restaurant. Ich bestellte das Menu mit Fisch, als Vorspeise Piementos, die kommen ja von hier. Ich bin der einzige Gast und plötzlich kommt eine Dudelsackgruppe ins Lokal und spielt. Echt toll, so bekomme ich auch eine Vorstellung der einheimischen Musik, allerdings ist es sehr laut und nach dem dritten Lied reicht es dann auch. Die Wirte schenken großzügig Alkohol an die Gruppe aus und nach noch einem Dankeslied kann ich in Ruhe weiter essen. Ich beschließe weiterzugehen, auch wenn der Regen anhält. In Teo angekommen sehe ich mehrere Unterkünfte, aber alle im Nichts und nicht wirklich ansprechend. Ob sie geöffnet haben schaue ich gar nicht nach und laufe weiter nach Santiago. Soviel zur kurzen Etappe. Auf den letzten 5 km vor Santiago treffe ich plötzlich auf die beiden Fahrradpilgerinnen, allerdings sind sie jetzt zu Fuß unterwegs und machen einen ganz fitten Eindruck. Ich bekomme plötzlich höllische Schmerzen in meinem rechten Bein und habe Probleme weiterzulaufen. Aber die fünf Kilometer muss ich noch, ich befinde mich nämlich im Nichts. Santiago kommt mir riesig vor und der Weg durch die Stadt zieht sich schier unendlich. Die letzten Meter sind allerdings sehr schön. Sie führen durch die tolle Altstadt, viele Menschen sind auf der Straße, die Restaurants haben großartige Auslagen – aber ich will nur noch ankommen und mich hinlegen. 19.30 Uhr stehe ich endlich auf dem Platz vor der Kathedrale, die Dämmerung hat schon eingesetzt. Ich bitte eine Frau, ein Foto von mir zu machen und begebe mich auf die Suche nach dem Pilgerbüro. Als ich es endlich finde, befindet sich eine riesige Warteschlange vor dem Büro. Foto38Ich muss eine Stunde warten, meine Füße qualmen. Die anderen Pilger haben alle bereits ihre Quartiere bezogen und sind geduscht. Endlich komme ich dran und mein Bearbeiter ist äußerst verwundert, über meine Leistung. Er fragt zweimal nach, ob ich tatsächlich nur sieben Tage unterwegs war und ob ich heute wirklich in Caldas de Reis gestartet bin. Ich bestätige es ihm und er sieht mir glaube ich auch an, dass ich wirklich fertig bin. Da ich nur Stempel geholt habe, wo ich übernachtete und nicht nach den Bestimmungen auf den letzten 100 Kilometern pro Tag zwei Stempel steht mir keine Compastella zu, sondern nur eine Bescheinigung. Das war mir von Anfang an bewusst, aber ich weiß ja, dass ich den Weg gegangen bin und das genügt. Der Bearbeiter berät sich mit seinem Kollegen und ich bekomme tatsächlich eine Compastella ausgestellt. Anscheinend waren die beiden von meiner Leistung beeindruckt. Es wird mein lateinischer Name eingetragen, somit heiße ich Margaritam Zwätz. Ich freue mich darüber und hoffe, noch ein Bett zu bekommen. Mittlerweile ist es 20.30 Uhr und ich finde den Weg zur Herberge nicht. In einem kleinen Hotel auf dem Weg frage ich nach einem Zimmer, Preise sind mir egal. Allerdings ist kein Zimmer mehr frei und der Hotelier meint, dass es schwer wird überhaupt eine Unterkunft zu finden, da die Stadt voll sei. Ich kann es kaum glauben, in der Nebensaison? Er ist sehr nett uFoto39nd versucht mehrere Hotels und Pensionen abzutelefonieren und recherchiert im Internet. Bei den Herbergen geht niemand mehr ans Telefon, um diese Zeit sind sie sicher nicht mehr besetzt und alles andere ist ausgebucht. Ich bekomme Panik, muss ich jetzt durchnässt, völlig fertig und ausgehungert auch noch auf der Straße schlafen? Außerdem schmerzt mein Bein und jeder weitere Schritt ist eine Höllenqual. Zwischenzeitlich war eine Irin in die Lobby gekommen, die sich einen Wein bestellte und mein Gespräch mit dem Hotelier verfolgte. Als sie mitbekommt, dass kein Bett in der Stadt mehr zu bekommen ist, bietet sie mir in ihrem Zimmer den Flur an, obwohl es nur ein Mini-Zimmer sei, in dem man gerade allein Platz hat. Der Mann von der Rezeption, Manuel bietet mir daraufhin an, bei ihm im Wohnzimmer zu schlafen. Ich kann nicht ablehnen und muss sein Angebot annehmen. Manuel muss noch 1,5 Stunden arbeiten, also setze ich mich zu der Irin und trinke ebenfalls ein Glas Rotwein. Die Irin kommt aus Dublin und ist sehr nett. Nach einer Stunde geht sie zu Bett und ich warte auf Manuels Feierabend. Manuel ist sehr nett, wahrscheinlich um die 30 Jahre alt und Wissenschaftler oder so. Wir schlendern durch die Altstadt zu seiner Wohnung, er zeigt mir an der Kathedrale den Schatten eines Mönches, der versteckt ist und den die Wenigsten kennen. Er ist Original-Santiagoer. Hier geboren, aufgewachsen, studiert und er liebt seine Stadt. Seine Wohnung befindet sich mitten in der Altstadt, Maissonette und ist eine typische Junggesellenbude, die keine Besucher erwartet. Mir ist es egal. Ich bin glücklich, dass mir das Universum einen Engel geschickt hat, der mir einen Schlafplatz gibt. Manuel will Mitternacht noch mit Freunden feiern gehen und fragt ob ich mit Foto40möchte, aber das lehne ich dankend ab. Ich nehme eine Dusche und mache es mir im Wohnzimmer auf einer Isomatte bequem. Manuel bietet mir noch essen an, aber ich bin einfach zu müde und zu erschöpft. Langsam schlafe ich ein, werde aber nach einer Stunde wach und zittere am ganzen Körper. Mir ist eiskalt. Da machte sich wohl die Erschöpfung bemerkbar, ich hatte ja auch nichts mehr gegessen. Also ziehe ich fast alle Sachen an, die mein Rucksack hergibt, esse einen Müsliriegel und lege mich wieder hin. Es geht mir sofort besser. Die Nacht verbringe ich in einem leichten unruhigen Schlaf. Der Nachteil der Wohnung stellt sich gegen ein Uhr nachts heraus: Ich schlafe direkt über einer Bar und habe das Gefühl, ich würde in der Bar auf der Theke sitzen. Es ist sehr laut.

Wanderung ca. 47 km 11,5 h

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Sonntag, 11.10.2015

Gegen sieben Uhr morgens höre ich Manu zurückkommen und in sein Zimmer schleichen. Ich packe kurz darauf auch meine Sachen und mache mich auf den Weg die Wohnung zu verlassen. Ich hatte Manu am Vorabend gesagt, dass ich mich morgens aus dem Staub mache, wir haben Kontaktdaten ausgetauscht und ich bot ihn meine Wohnung an, falls es ihn einmal nach Berlin verschlagen sollte. Mein Bein ist leider nicht besser, es schmerzt ununterbrochen. Ich laufe durch das morgendliche Santiago, die Dämmerung setzt langsam ein. Die Straßen sind leer. In der Nähe der Kathedrale finde ich ein Café, das gerade öffnet und bestelle mir ein Frühstück. Mein erstes richtiges Frühstück seit meiner Ankunft in Porto. Im Internet buche ich mir ein Hotel in Fisterra und mache die Abfahrtszeiten der Busse ausfindig. Ich gehe noch einmal zur Kathedrale und besichtige sie kurz von innen, dann schlendere ich zum Busbahnhof und kaufe das Ticket nach Fisterra und direkt für Donnerstag ein Ticket nach Porto. Laufen ist nicht mehr möglich und bei den Schmerzen kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es in ein paar Tagen wieder gehen würde. Am Busbahnhof treffe ich eine Mutter mit ihrem ca. neunjährigen Sohn. Sie erzählen mir, dass sie einen Teil des Camino de France machen werden, allerdings mit Gepäcktransport und vorgebuchten Hotels. Ja, auch Luxuspilgern ist mittlerweile möglich.Foto44

Das Wetter ist heute sehr schlecht, der Regen nimmt immer mehr zu und Nebel verschluckt die Landschaft. Ich bin froh im Bus zu sitzen und nicht zu Fuß unterwegs zu sein. Angekommen in meinem sehr gemütlichen, liebevoll gestalteten Hotelzimmer gönne ich mir den Luxus des Wäscheservice und gebe meine ganze Wäsche zum Waschen und trocknen. Statt der angegebenen zwei Stunden dauert es vier, bis ich meine Wäsche wieder bekomme. So war ich schön zur Ruhe gezwungen und musste im Bett bleiben. Sicher für mein Bein das Beste, aber mein innerer Drang den Ort zu erkunden hielt doch an, obwohl es in Strömen regnete. Nachdem ich meine Wäsche wieder hatte, ließ ich es mir im Hotelrestaurant gut gehen, gönnte mir eine große gegrillte Fischplatte mit Fischsuppe, Wein und allem was dazu gehört und feierte erst einmal mein „Ankommen“ in Santiago. Das ist gestern ja irgendwie total untergegangen. Der Kellner scheint nicht sehr motiviert. Ich bestelle ein Glas Weißwein und bekomme eine halbe Flasche Rotwein hingestellt, ohne Eingießen. Für mich ist das ok, ich wollte sowieso lieber rot, aber da es eine Sünde zum Fisch ist, habe ich mich nicht getraut ihn zu bestellen. Mit anhaltenden Schmerzen im Bein versuche ich einigermaßen zu schlafen.

Montag, 12.10.2015

Der Regen hat aufgehört und ich schaue mir Fisterra an, ein idyllisches Fischerörtchen. Supermärkte und andere Geschäfte haben geschlossen, wie ich Foto45später feststelle ist heute Nationalfeiertag, Kolumbustag. Deshalb war wahrscheinlich auch Santiago ausgebucht. Seltsam, dass Manu nicht darauf gekommen ist. Da es noch früh morgens ist, beschließe ich, langsam zum Kap Finisterre – dem Ende der Welt – zu laufen. Ich bin fast allein, das sieht abends, wenn sich die Pilger und andere Besucher zum Sonnenuntergang hier treffen sicherlich anders aus. Das Kap ist beeindruckend, besonders die Hinterlassenschaften der Pilger, Feuerstellen überall, Gedenksteine, alte Schuhe und Bekleidung. Ich genieße den Sonnenaufgang und mache mich am späten Vormittag zurück nach Fisterra. Nach einem leckeren Kaffee spaziere ich an den Buchten entlang und bleibe einige Zeit in einer einsamen Bucht. Die Sonne lässt sich etwas blicken und windgeschützt kann man es gut aushalten. Mit einem Stück phantastischem Kuchen gehe ich aufs Hotelzimmer und schlafe noch ein wenig. Gegen Abend möchte ich mir die Fischauktion ansehen, aufgrund des Feiertages sind heute aber nur zwei Fischer auf See gefahren, so dass es sich nicht lohnt. Also beschließe ich doch, zum Sonnenuntergang zum Kap zu gehen, auch wenn mein Bein da ganz anderer Meinung ist. Ich habe genügend Zeit und so kann ich langsam den Weg hochschleichen. Ca. drei Stunden verbringe ich am Kap und komme fast meditativ zur Ruhe. Die Sonne scheint, es ist windstill, die Atmosphäre ist traumhaft. Mehrere Pilger kommen an und beenden hier glücklich ihre Reise. Ihnen zuzusehen ist wunderbar. Erstaunlich viele Pärchen-Pilger, was ich ganz phantastisch finde. Die Stimmung beim einsetzenden Sonnenuntergang kann ich gar nicht beschreiben. Absolutes Gänsehautfeeling. Einige Feuer werden traditionell entfacht, eine deutsche Gruppe spielt Gitarre und singt dazu, einige Pilger treffen sich hier überraschend wieder und feiern sich gegenseitig. Als die Sonne im Meer untertaucht sind alle ruhig, anschließend gibt es Applaus.

Der Abstieg nach Fisterra ist für mich sehr mühsam. Es ist stockdunkel, meine Lampe habe ich natürlich nicht mitgenommen und mein Bein will einfach nicht mehr. Gegen 21 Uhr habe ich es geschafft und lasse mich noch in einer Pizzeria am Hafen gemütlich nieder, mit ein oder zwei oder…Gläsern Wein. Somit bin ich dann doch wieder ca. 17 km gelaufen, mein Bein lässt es mich spüren.

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Dienstag, 13.10.2015

Nachdem ich mich im Supermarkt mit Lebensmitteln eingedeckt habe, lasse ich mich mit einem Frühstück in einem kleinen Park mit Blick über den Hafen nieder. Kaum habe ich mich auf eine Bank gesetzt, bekomme ich Gesellschaft von einem alten Mann. Er errät sofort, dass ich Deutsche bin, wie erkennt man das? Er spricht natürlich nur spanisch und erzählt von seinen Reisen über das Meer zu fast allen großen Häfen der Welt. Dass ich kein spanisch spreche geschweige denn verstehe, scheint ihn nicht zu stören. Ich meine ja den Sinnzusammenhang zu erkennen und nicke und lächle freundlich. Nach einiger Zeit verabschiedet er sich mit Handschlag und Küsschen. Wirklich eine nette Begegnung. Foto47Das Wetter ist sehr schön und so mache ich einen langen Strandspaziergang entlang des kilometerlangen Strandes. Wegen der Schmerzen im Bein lasse ich mir Zeit, gehe langsam, lege mich was in die Dünen, ein schöner relaxter Tag. Und zu meinem Glück finde ich tatsächlich zwei Jakobsmuscheln am Strand. Ob das ein Zeichen für meine nächste Pilgerreise sein soll? Foto48

Am Abend besuche ich die Fischauktion. Das ist wirklich ein Erlebnis, wenn ich auch nichts verstehe. Aber selbst mit Spanischkenntnissen scheint es schwer zu sein, dem schnellen Gerede des Auktionärs zu folgen. An der Auktion dürfen nur Händler und Restaurantbesitzer teilnehmen und zu meiner positiven Überraschung darf ich feststellen, dass alle sehr kritisch den angebotenen Fisch prüfen.

Nach einem Essen im Bett, was ich zu Hause natürlich nie machen würde, beende ich diesen Urlaubstag. Trotz des schönen Tages muss ich nun doch feststellen, dass das Alleinsein langsam reicht, vor allem bei schlechtem Wetter und ohne Buch.

Mittwoch, 14.10.15

Nachdem ich ausgeschlafen und in Ruhe in Ruhe gepackt und ausgecheckt habe, mache ich mich auf den Weg zum Bus nach Santiago. Überraschend bekomme ich noch den Bus 9.45 Uhr, ich hatte mich schon auf zwei Stunden Warten eingestellt. Nach 15 Minuten wird der Bus von der Polizei gestoppt. Der Fahrer muss aussteigen, 15 Minuten später kommt ein Polizist in den Bus und sagt etwas. Natürlich auf Spanisch und ich verstehe nichts. Jedenfalls fahren wir weiter. Santiago erwartet mich dieses Mal mit Sonne und blauem Himmel. So ist die Stadt noch schöner.

Foto49An einem Platz neben der Kathedrale finde ich ein schönes Café und genieße in der Sonne einen Kaffee und Kuchen. Ein Straßenmusiker spielt phantastische Instrumentalmusik…Urlaubsfeeling pur. Anschließend checke ich in meiner Herberge ein, die ich dieses Mal vorsichtshalber vorab reserviert hatte. Die Herberge hat einen schönen Garten und befindet sich zentral in der Stadt. Das Highlight ist aber der Ausblick aus meinem Herbergsfenster direkt auf die Kathedrale. Da ich gerade drei Tage Hotel hatte und in Porto auch wieder haben werde, dachte ich, einmal Herberge geht noch. Ich mache einen Spaziergang, finde in einem Park eine tolle Aussicht auf die Kathedrale, kaufe ein paar Souvenirs und genehmige mir ein festliches Essen. Danach lasse ich mich ein paar Stunden am Kathedralsplatz nieder und fange das feeling der ankommenden Pilger ein. In der Herberge genehmige ich mir im Garten noch einen Kaffee und Flan. Auch hier sind wieder viele Deutsche, aber ich habe keine Lust, mit Ihnen zu reden, also höre ich von meinem Platz aus ihren Geschichten zu. Ein absoluter Genuss-und Fresstag heute.

Donnerstag, 15.10.15

Die Nacht war sehr unruhig, wodurch ich nur wenig Schlaf bekam. In meinem Zimmer waren Schnarcher und irgendwann spät in der Nacht kamen noch einige Männer, die extrem stanken, nach Alkohol, Knoblauch und was weiß ich nicht allem. Ok, sie hatten wohl ihre Ankunft in Santiago gebührend gefeiert, was ja auch schön ist. Am Morgen treffe ich die deutschen Mädels vom Vorabend beim Kaffee im Hostel. Ich unterhalte mich nun doch ein wenig mit Ihnen. Als ich von meinen Beinbeschwerden berichte, meinten sie, dass es sich wahrscheinlich um eine Knochenhautentzündung handelte. Sie hatten viele getroffen, die solche großen Etappen wie ich gemacht haben und anschließend Schienbeinprobleme hatten. Wir verabschieden uns und ich verabrede mich mit einem Mädel am Bus nach Porto. Da der Bus erst mittags fährt, gehe ich noch spazieren, rühstücke in einem Park und finde noch ein Shopping Center, so dass die Zeit plötzlich verfliegt. Der Bus nach Porto ist voll, und das Mädel aus dem Hostel ist nicht dabei. Sie hat dann wohl doch vor Ort kein Ticket mehr bekommen. Auch hier sollte man nicht immer den Angaben im Reiseführer trauen, dass Tickets und Unterkünfte außerhalb der Saison nie ein Problem seien. Im Bus setzt sich ein Kanadier in meinem Alter neben mich. Er hat mit seinem Bruder seinen Vater die letzten sechs Tage bis Santiago begleitet. Der Vater ist über 70 Jahre alt und den spanischen Hauptweg über Wochen bzw. Monate gegangen. Die Brüder können nicht verstehen, wie ihr Vater das macht, die beiden sind total fertig und müde, nach sechs Tagen! Ich finde es toll, dass Sie aber für diese kurze Zeit angereist sind. Sie haben lediglich noch einen Tag in Porto, bevor es zurück nach Kanada geht. Ihr Vater hat sich entschlossen, noch in Santiago zu bleiben.Foto50

Auch in Porto scheint sie Sonne und nach dem Einchecken im Hotel, laufe ich etwas durch die Stadt. In einem Café passiert folgendes: Ein deutsches Mädel, dass hier offenbar studiert, hat ihre Mutter zu Besuch. Sie setzen sich an den Tisch neben meinem. Die Mutter fragt: „Trifft man hier auch viele Deutsche?“ Die Antwort der Tochter: „Ja und das ist total peinlich, die erkennst du sofort: Wanderschuhe, Cargohose, Sonnenbrille und Fotoapparat“. Ich schaue an mir herunter…ich bin demnach klar als Deutsche zu erkennen. Ich habe mich nicht getraut vor den beiden aufzustehen und musste dann erst mal shoppen gehen, wie schrecklich! Leider lassen die Schmerzen immer noch nicht nach. Ich hoffe, dass die neuen Tabletten aus Santiago endlich helfen.

Freitag, 16.10.2015

Trotz eigenem Hotelzimmer habe ich schlecht geschlafen, zum einen wegen der immer noch anhaltenden Schmerzen, zum anderen, weil sich einer der angesagtesten Clubs der Stadt vor meinem Schlafzimmer befindet. Ein Uhr beginnen die Bässe zu dröhnen und erst gegen fünf Uhr verstummen sie langsam. Die letzten Tage habe ich den Luxus, im Hotel das Frühstück inbegriffen zu haben. Beim Frühstück spricht mich eine Hawaiianerin an.Foto51 Weil ich ein T-Shirt mit englischer Aufschrift trage fragt sie mich, ob ich Engländerin sei. Das Shirt habe ich gestern in Porto bei Benetton gekauft, ich bin also total international und anscheinend nicht mehr sofort als Deutsche zu erkennen. Sie berichtet von der Geschichte des Hotels. In meinen Augen war es nicht gerade empfehlenswert, da anscheinend seit der Eröffnung in den 50er bis 60er Jahren nichts mehr an Renovierung passiert ist. Das einzig Gute war, dass sich das Hotel im 11. und 12 Stock des anscheinend einzigen Hochhauses in Porto befand und somit einen tollen Blick über die Stadt darbot. Das Restaurant im 13. Stock mit seinen Panoramafenstern war wirklich toll. Die Amerikanerin meinte, in den 50er Jahren war es das angesagteste Hotel und alle Stars, Politiker und andere Größen seien hier abgestiegen. Ok, das Hotel hatte wirklich einen tollen Bohemien Flair, insbesondere die Bars. Alles war noch original und hochwertig, überall Mahagoni und handgefertigte Fliesen, auch wenn sie nicht zueinander passten. Wir verabredeten uns unverbindlich für abends in der Bar, um den Flair und den Blick über Porto bei Nacht zu genießen. Sie meinte noch, dass sie weltweit sehr oft deutsche alleinreisende Frauen trifft und das sehr mutig und stark findet. Amerikanerinnen würden das nicht machen. Sie war da anscheinend eine Ausnahme, aber sie war auch um die 50 Jahre und machte einen Städtetrip durch Europa, ohne Rucksack. Da ich immer noch nicht viel laufen konnte, fuhr ich mit der historischer Straßenbahn zum Stadtstrand von Porto. In der Bahn sprach ich eine deutsche Pilgerin an, die nach Santiago startete. Im Gegensatz zu mir fuhr sie die ersten fünf Kilometer aus der Stadt mit der Bahn. Den Strand kannte ich von meinem ersten Pilgertag ja nur im Sturm, Regen und Nebel und freute mich, ihn nun auch mal bei besserem Wetter zu sehen. Ich relaxte etwas am Strand und machte es mir anschließend in einer tollen Strandbar bequem. Foto52Zu meinem Glück kam tatsächlich die Sonne heraus, so dass ich mich später sogar noch etwas an den Strand legen konnte. Abends spazierte ich durch die Altstadt von Porto am Ufer entlang und ließ mich zu Wein und Essen nieder. Es war eine wundervolle Atmosphäre, die ich lange auskoste und es blieb nicht bei einem Glas Wein. Singende Studentinnen ziehen durch die Altstadt und sammeln Geld für die Universität oder das Studium. Sie präsentieren sich in traditioneller Studentenkleidung mit traditionellen Liedern und haben selbst viel Spaß dabei. Nach ihrem Auftritt stellen sie sich eng zusammen und trinken heimlich eine Flasche Portwein. Von meinem Sitzplatz etwas oberhalb kann ich sie gut beobachten. Ich freue mich für sie, sie haben Spaß, verbinden die Pflicht mit dem Vergnügen und genießen das Leben. Richtig so! Ich fühle mich absolut glücklich und feiere selbstbewusst das Ende meines Singlelebens. Und ich fühle mich gut beschwipst. Auf dem Rückweg beobachte ich das Fotoshooting eines Brautpaars im Sonnenuntergang. Ein anderer Tourist spricht mich kurz an, ich gehe aber nicht näher auf ihn ein und mache mich auf den Rückweg zum Hotel, wo ich unterwegs noch ein riesiges Eis verdrücke. Der Eisverkäufer meinte es wirklich sehr gut mit mir! Nach einem kurzen Abstecher ins Shopping Center spricht mich der Tourist vom Fotografieren wieder an. Das ist mir dann doch etwas unheimlich. Ist das Zufall oder ist er mir gefolgt? Es fühlt sich jedenfalls komisch an und ich nehme schnell einen anderen Weg zum Hotel, mittlerweile kenne ich Porto ja fast so gut wie meine Westentasche. Er folgt mir zum Glück nicht. Leider hat die Hotelbar geschlossen und ich treffe die Amerikanerin nicht. Vielleicht auch besser. Noch mehr Alkohol musste ja auch nicht sein.

Samstag, 17.10.2015

Ich habe wieder schlecht geschlafen, da der Club wieder alles gegeben hat. Nach dem Frühstück mache ich mich auf, um die restlichen Ecken von Porto erkunden. Die, die nicht so touristisch sind. Foto53Zum Glück ist mein Bein besser, aber nach 2,5 Stunden laufen kommen die Schmerzen wieder. Ich verbringe den Tag mit Relaxen im Park, durch die Stadt schlendern, Kaffee genießen, und als das Wetter umschlägt stürme ich einen Supermarkt und mache ein ausgiebiges Picknick im Bett. Auf YouTube sehe ich mir Videos vom Camino Portugues an und freue mich, dass ich den Weg gegangen bin.

Sonntag, 18.10.2015

Letzter Tag, draußen ist alles grau in grau, es regnet, somit fällt der Abschied leicht. Ich besuche noch den Gottesdienst in der St. Catarina. Zu meiner Überraschung ist die Kirche voll und selbst Stehplätze sind rar. Sogar in einen Nachbarraum wird die Predigt mittels Lautsprecher übertragen. Heute vor zwei Wochen bin ich zu meinem Camino Portugues gestartet und vor einer Woche war er beendet und ich habe Manus Wohnung verlassen und bin durch das morgendliche verschlafene Santiago gestreift … es kommt mir alles sehr weit weg vor und ich merke, ich könnte schon wieder los (mein Bein natürlich nicht, aber es wird besser).


4 Gedanken zu “Meine Pilgerreise auf dem Jakobsweg – Camino Portugues 2.-18.10.2015

  1. vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht! Würdest du den Camino für jemanden empfehlen, der bevorzugt in der Natur zu wandern und weniger in Städten und auf viel befahrenen Straßen? Im Bericht sprichst du ja von beidem, sowohl tollen Aussichten und (Strand-)Wegen als auch weniger schönen Stadtdurchquerungen und Wanderwegen entlang der Hauptstraßen.

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    1. Hallo Marie, der Camino hat wirklich Beides. Ich liebe auch eher in der Natur zu wandern, aber hier sind schon viele befestigte Straßen dabei. Ich glaube zwischenzeitlich, dass daher auch meine Schienbeinprobleme kamen. Trotzdem würde ich den Weg empfehlen, da er im Gegensatz zu anderen Pilgerwegen nach Santiago wenig begangen wird und man nicht auch noch Massen von Menschen antrifft. Viele Grüße!

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